holmes

A lot of Spam nach den Lions

London. Wie, schon wieder? Ja, schon wieder! Ich war ja erst im September dort, doch im November ging es schon wieder in die britische Metropole. Warum schon wieder? Nun, als ich gerade 18 war, fühlte ich mich in London erstmals seit langer Zeit wieder wohl und dieses Gefühl trage ich bis heute in mir, wenn ich in London bin. Nicht, dass ich mich andernorts nicht auch wohl fühlen würde. Aber in London geht es mir gut, egal ob es mir vorher gut oder schlecht geht. Ich steige in London aus dem Flieger und habe das Gefühl, voller Energie und Tatendrang zu sein. Egal wie müde und kaputt ich vorher war. London, meine alte Liebe, ich habe sie wieder entdeckt und genieße sie!

ankunftinstansted

Diesmal flog ich mit einer alten Freundin (sie ist nicht alt sondern schon lange eine Freundin), mit der ich auch früher schon einmal in London war, per Ryanair von Nürnberg aus nach London Stansted. Ich wählte speziell dieses Wochenende, weil es das einzige Wochenende war, an dem der Flieger zurück nach Deutschland nicht um 7 Uhr sondern um 11 Uhr gehen sollte. Das bedeutete, dass man noch eine zweite Nacht vernünftig im Hotel verbringen konnte und nicht wieder am Flughafen schlafen musste. Perfekt! Zwei Wochen vor Abflug kam dann die Mail, der Flug wurde auf 7 Uhr verschoben. Ich dachte, ich krieg die Krise. Was soll das denn? Dann möchte ich bitte von München aus zu vernünftigen Zeiten fliegen, aber hilft ja auch nichts, nun ist schon gebucht. Immerhin konnte ich beim Hotel die zweite Nacht kostenfrei stornieren. Dafür hätte Ryanair nämlich nicht gezahlt, weil es nicht über die Ryanair-Seite direkt gebucht wurde. Eigentlich ne Frechheit, aber ich hatte ja Glück. Also wieder nur eine Nacht im Hotel und die zweite am Flughafen, weil sich ein Hotel für drei Stunden echt nicht lohnt.

nationalexpressfahrt

Zum Flughafen reisen wir öffentlich an, Treffen am Nürnberger Hauptbahnhof klappt wunderbar und wir sind auch wieder viel zu früh am Airport. Im Flugzeug entschieden wir, dass es nicht gleich heute Abend ins Musical gehen soll sondern das auch morgen Abend noch reicht und wir daher eine Menge Zeit haben. Also nehmen wir den National Express Bus vom Flughafen in die City. Dieser kommt absolut perfekt durch und wir sind frühzeitig bereits in der Stadt. Das Hotel liegt sehr zentral, wir steigen an der Baker Street aus und entdecken eine Menge Sherlock Holmes dort. Von der Ubahn zum Hotel sind es nur ein paar Meter, und es ist absolut leicht zu finden. Die Sonnenstrahlen, die uns nach dem Regenmatsch im Frankenland so gut taten sind inzwischen leider verschwunden, die Dunkelheit ist überall. Außer unter all den Lichterbäumen zur Weihnachtszeit – Mitte November!

weihnachtsleuchteninlondon

Diesmal habe ich ein etwas teureres Quartier gebucht als last time, mit Augenmerk auf relativ zentraler Lage und einigermaßen ordentlicher Ausstattung, was auf den Fotos ja doch gar nicht so einfach zu beurteilen ist. Nun bekommen wir jedenfalls unseren Zimmerschlüssel und erfahren, dass unser Zimmer gar nicht hier im Haus ist. Sowas…. wo denn dann? „Ums Eck, ca 100 Meter, hier ist der Schlüssel für den Eingang und dann top floor.“ Top Floor? Grade so einigermaßen bänderrissgenesen freut mich diese Nachricht natürlich ungemein. Wir gehen also wieder nach draußen, ums Eck, ca hundert Meter und stehen vor dem Eingang, der genauso in Ordnung aussieht wie der vorherige. Dann hoch in den top floor, der Weg erscheint endlos, die Stufen unterschiedlich hoch und am Ende schmerzt es dann doch wieder. Zu oft werde ich da also nicht hoch und runter laufen. Das Zimmer selbst ist typisch London. Der eine oder andere Wasserfleck an der Decke oder Wand und ein echt kleines Bad mit leichtem Schimmelansatz. Ansonsten alles in Ordnung und sauber.

powerhandtools

Was machen wir nun am Abend noch? Nun, zuerst wollen wir essen gehen und laufen erst mal ein bisschen durch die Gegend. Wir checken das Odeon-Kino am Marble Arch auf Programm und Zeiten und laufen dann vom Marble Arch in Richtung Norden, bis wir einen Inder finden, der uns gefällt. Dort traut man mir scharfes Essen anscheinend nicht zu, ich soll ein anderes wählen. Bitte was? Ich habe keinen Nerv zu diskutieren, dass mir auch in Indien das Essen nicht zu scharf war und ich Sambal Oelek mit dem Löffel essen kann ohne Probleme. Ich wähle einfach etwas Anderes, was dann immerhin mundet. Dann wird es langsam Zeit, in Richtung Kino zu verschwinden. Im Kino wollen wir Hunger Games sehen, den zweiten Teil. Die Tickets sind unglaublich teuer, dafür kann man in Nürnberg selbst im teuren Cinecitta zwei Filme sehen. Wir holen uns noch ein Cider (naja, Bulmers, das ist ja künstlich erzeugt und somit gar kein echtes Cider) und echt leckere Schokolinsen mit Caramel in der Mitte und dann solls in den Saal gehen, ca 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Wir dürfen allerdings noch nicht rein, der Saal ist noch nicht freigegeben. Anstehen im Gang dürfen wir auch nicht, also zurück in den Vorraum. Dann sehen wir, dass einige Leute nach innen gehen und keiner mehr zurück kommt, gehen also von einer Öffnung aus. Wir gehen rein und finden eine lange Schlange. Kurz danach wird die ganze Schlange aus feuerschutzrechtlichen Gründen wieder zurück geschickt, nur um dann ca 30 Sekunden später die Tür zu öffnen und alle einzulassen. Na gut 🙂 Der Film gefällt, auch wenn er etwas unspektakulärer ist als der erste Teil. Alles was Originalfassung ist mag ich sowieso lieber. Nicht umsonst schaue ich auch zuhause sehr häufig auf Englisch. Nach dem Film wollen wir uns noch was zu trinken irgendwo holen, doch wir sind ein paar Minuten zu spät dran. In den Pubs ist Last Order schon vorbei und auch alle Regale in den Shops mit Lizenzen sind schon dicht. Hätten wir mal vor dem Film machen sollen. Immerhin fanden unsere Augen doch noch etwas Schönes auf dem Weg:

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Dann ging es also ohne Alkoholvorrat wieder ins Hotel, noch ein bisschen quatschen und dann ein bisschen schlafen. Am nächsten Morgen testeten wir das Frühstück des Hotels und hätten das auch gut und gerne bleiben lassen können. Es gab Toast und ein paar abgepackte Marmeladen sowie Tee und Kaffee. Auf manchen Tischen stand Käse und Wurst, und unser Frühstück wurde als kontinental bezeichnet, also hätten wir so etwas eigentlich auch bekommen sollen. Aber wir wurden einfach ignoriert. Also trinken wir den Tee, essen ein halbes Toast und verschwinden dann wieder. Nachdem wir abmarschbereit sind, checken wir aus und holen uns erst mal ein Sandwich. Dann überlegen wir, die Rucksäcke an der Victoria Station abzugeben, aber da unklar ist, um wieviel Uhr wir aus dem Musical kommen werden und der Gepäckservice mit neun Pfund pro Stück noch dazu unheimlich teuer ist, verzichten wir und nehmen die Rucksäcke lieber den ganzen Tag mit. Schwer sind sie ja nicht, ist ja kaum was drin.

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Als erstes kaufen wir ein Musical Ticket. Für den gewünschten Billy Elliot gibts nichts preislich annehmbares auf dem Markt, und so weichen wir auf Monty Python’s „Spamalot!“ aus. Auch in Ordnung. Vorher fahren wir in Londons Süden, wir wollen Fußball sehen. Viel fehlt mir da in London nicht mehr…. und diesmal soll es Millwall sein. Das berüchtigte Millwall. Doch davor haben wir noch viel viel Zeit. Und die verbringen wir sogar mal kultiviert in der National Gallery. Ich war schon seit einigen Jahren nicht mehr dort und genieße den Besuch. Unglaublich, welcher Wert dort an den Wänden hängt. Doch eigentlich imponiert mir das Gebäude an sich viel mehr. Trotz Fotoverbot schaffe ich es, einige Bilder zu knipsen ohne bemerkt zu werden. Ich bin ein Meister im handyfotografieren ohne hinzusehen.

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Auch vor der Gallery war Einiges los:

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Nach der National Gallery laufen wir ein paar Meter in Richtung Bahnhof und dann geht es mit dem Zug nach Süden, wir nehmen die näheste Station am Stadion und laufen dann erst mal durch Industriegebiet vorbei an Autowäschern und Reifenstapeln. Das ist das London, was man als Tourist eigentlich nicht zu sehen bekommt. Ich habe es selbst als Tourist schon geschafft, durch eine Hotelwahl etwas außerhalb. Dort war ich mit meiner weißen Hautfarbe deutlich in der Minderheit, wenn nicht sogar alleine. Ich klappere in London schon lange nur noch dann Sehenswürdigkeiten ab, wenn ich Jemanden an Bord habe, der noch nicht in London war. Oder wenn ich kurze Zeiträume zu überbrücken habe und in der Nähe bin. Ansonsten streife ich gerne durch die Vororte. Auch durch diesen, auch wenn er so unfreundlich wirkt.

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Am Stadion selbst holen wir uns dann erst mal Tickets, das klappt alles wunderbar. Im Shop erstehe ich meinen obligatorischen Pin und dann machen auch schon die Tore auf. Wie immer wird die Stadiongastronomie getestet. Für mich gibt es einen Steak&Ale-Pie und ein Bier. Das passt hierher, finde ich.

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Meine Mitfahrerin isst ebenfalls ein Pie, gemeinsam mit Erbsen und Kartoffelbrei und einer undefinierbaren hellbraunen Soße. Schmeckt aber auch lecker, ich darf testen. Alkohol darf man auch hier (eigentlich in allen englischen Stadien) nicht mit auf die Tribüne nehmen, also trinken wir bereits vorher aus. Eigentlich totaler Blödsinn, denn das Trinken wird dadurch nicht verhindert sondern nur verlagert.

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Unsere Plätze sind top. Ziemlich in der Mitte und weit weit oben. So mag ich das. Das Aufwärmen beider Teams verspricht nichts Gutes, Stolperei und technische Fehler bereits hier an der Tagesordnung. Millwall spielt heute gegen Barnsley. Das ist zweite englische Liga, irgendwo im Mittelfeld tümpeln beide Teams zu diesem Zeitpunkt umher. Während des Spiels wird auch klar warum. Es ist in meinen Augen nicht so tragisch, wie es zu erwarten war auf Grund des Aufwärmspektakels. Meine Begleitung bezeichnet es als das wohl schlechteste Spiel, was sie je gesehen hat. Ich kann dem nicht zustimmen. Bis zum Strafraum sieht es in meinen Augen sogar gar nicht so schlecht aus, doch dann versagen beide Teams kläglich. Ich fürchte schon, ich würde mal wieder ein 0:0 erleben, das letzte ist Jahre her und auch das letzte 0:0 sah ich in selbiger Begleitung. Ich fürchtete ein schlechtes Omen und versprach schon, nie wieder ein Fußballspiel mit ihr anzusehen, da fiel dann doch das erlösende 1:0 für Millwall. Und ehrlich gesagt, ich bin heilfroh, dass es für Millwall fiel! Ich habe schon viel erlebt in Stadien. Ich habe schon Stühle und Tische fliegen sehen auf dem Weg zum Stadion. Ich wurde schon von der Polizei eingekesselt und in einen Bus zum Sonderzug nach Hamburg verfrachtet, obwohl ich per Zugticket und Ausweis nachweisen konnte, dass ich nach Nürnberg musste und ohne Fankleidung anwesend war. Ich habe die Engländer bei der WM 2006 in Nürnberg erlebt und mit ihnen gefeiert. Aber ich habe noch nie ein so unangenehmes Publikum erlebt wie in Millwall. Die machen ihrem Namen alle Ehre. Es wird zwar in meiner Gegenwart weder geschlägert noch das Teppichmesser ausgepackt (ich vermeide auch das Wort WestHam), doch das ganze Spiel wird unablässig geflucht. Ich kann ja noch verstehen, wenn man beispielsweise bei strittigen Entscheidungen über den Schiedsrichter schimpft oder wenn man einen gegnerischen Spieler beschimpft. Naja, eigentlich kann ich das nicht verstehen, aber das bin ich zumindest gewohnt. Aber dass man das komplette Spiel über auch das eigene Team aufs übelste beschimpft, dass will nicht in meinen Kopf. Fucking Cunt war wohl noch das harmloseste, was dort am laufenden Band fiel. Da stehen Väter mit ihren kleinen Töchtern an der Hand und brüllen ohne Ende so ein Zeug. Unglaublich. Jungs, lasst doch eure Kids zuhause, wenn ihr euch so aufführen wollt.

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Nach dem Spiel sind wir dann doch irgendwie froh, dass wir wieder weg sind, einfach nur weil das Publikum so wahnsinnig unangenehm war. Das Stadion übrigens fand ich gut! Diesbezüglich hat es sich gelohnt!

Vom Stadion aus geht es per Zug und Ubahn in Richtung Theater, wir haben aber noch etwas Zeit und begeben uns in ein gediegenes Steak House. Unser eigentlicher Favorit war leider voll:

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Im Steakhouse wars allerdings auch lecker und es ging superschnell. Wir genießen unser Dinner und freuen uns aufs Musical. Unsere Plätze sind okay und dann geht es auch schon los. Ich bin das ganze Musical über nicht sicher, was ich davon halten soll. Die Gags sind ein bisschen moderner geworden, aber im Großen und Ganzen ist es eine Kopie der Ritter der Kokosnuss. Klar fand ich den Film mal witzig, aber er hat sich ziemlich ausgelutscht, würde man in Franken sagen. Musikalisch ist das Stück keine Offenbarung, aber okay. Ein Gesamturteil ist schwer zu fällen, ich würde vermutlich die Note 3 geben. Meiner Begleitung immerhin gefiel das Musical außerordentlich, und so waren wir dann doch alle zufrieden.

Nach dem Musical ist vor der Nacht. Und die verbringen wir wie? Wir nehmen den Bus um Mitternacht an der Victoria Stadion und kommen leider wieder viel zu schnell am Flughafen an. Im Bus kann ich bereits ungefähr eine Dreiviertelstunde schlafen, hervorragend! Am Flughafen suchen wir uns dann auch wieder ein lauschiges Plätzchen. Es ist exakt der gleiche Platz, den ich auch letztes Mal hatte. Unter einer Anzeige, ein wenig geschützt zwischen zwei Säulen. Also ablegen und bis 3 Uhr schlafen, wenn dann der Security Check öffnet. Doch mit Schlafen ist nichts, wir werden verscheucht. Hier kein Zutritt. Überall liegen Leute rum, aber wir dürfen nicht? Was soll das denn bitte? Wir suchen uns einen anderen Platz und finden eine weitere derartige Anzeigentafel, doch neben uns befindet sich eine Gruppe Mädels, die es nicht hinkriegen, sich in einer vernünftigen Lautstärke zu unterhalten. Außerdem sind wir nah am Eingang und immer wieder gehen die automatischen Türen auf und bleiben eine Weile offen stehen, so dass es echt kalt wird. Erst nach dem Passieren des Security Checks kann ich wieder schlafen, auf einer wunderbaren Bank mit drei Sitzen ohne Lehne ganz für mich alleine. Und es ist ziemlich leer. Die meisten versuchen noch, vor dem Security Check irgendwie auf dem Boden zu schlafen. Merke: so schnell wie möglich um 3 Uhr nachts durch den Check und dann gemütlich schlafen!

Der Heimflug verläuft wunderbar und auch schlafend und dann geht es ausnahmsweise mal nicht mit dem Taxi sondern der Ubahn zurück nachhause.

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