Hyppiä!!!!

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Als Liverpoolfan und -mitglied bin ich wohl mit etwas ungewöhnlichen Lieblingsspielern für eine Deutsche gesegnet. Aktuell Steven Gerrard und Glen Johnson, aber auch ehemalige Liverpooler verfolge ich doch recht interessiert. Ich habe mehrere Liverpooler Jerseys zuhause. Sie alle tragen eine Nummer und einen Namen. Und sie alle spielen nicht mehr bei Liverpool. Da wäre Fernando Torres, jetzt beim Rivalen Chelsea. Da wäre Dirk Kuyt, jetzt bei Fehnerbace in der Türkei. Da wäre Harry Kewell, der zurück nach Australien ging. Und da wäre Sami Hyppiä, der mein erstes Liverpooler Trikot ziert. Er wechselte vor ein paar Jahren in die Bundesliga zu Bayer Leverkusen, seiner Zeit noch als Spieler. Seither wollte ich nach Leverkusen, um ihn an seinem Heimspielort live zu sehen, zumal mir das Leverkusener Stadion ja auch in meiner Sammlung noch fehlte. Doch warum auch immer, ich habs nicht geschafft. Sami Hyppiä beendete seine Karriere. Doch ich bin ein ziemlicher Glückspilz, denn Hyppiä ist nach wie vor in Leverkusen, er hat die Werkself nach seiner aktiven Karriere als Coach übernommen. Ich habe also nach wie vor die Chance, ihn zumindest live zu sehen, wenn auch nicht mehr auf dem Spielfeld.

Im Oktober 2013 ist es dann endlich so weit. Ich habe einen Samstag frei in diesen Monat, und den möchte ich nutzen. Ich checke den Spieltag und stelle fest, dass Leverkusen und Hannover zuhause spielen. Die beiden fehlen mir noch. Ich entscheide mich intuitiv für Leverkusen, und die dortigen Ticketpreise (Gegengerade, oben, Sitzplatz: 16 Euro) und die passende Zugverbindung zu gutem Preis bestätigen das. Also bestelle ich das Ticket und es kommt bereits zwei Tage später bei mir an, in einem schönen Umschlag und mit Infomaterial zur Anreise innerhalb des Verkehrsverbundes. Einen ebenso guten Service hatte ich bisher nur bei Energie Cottbus. Sehr sympathisch!
Dann will ich mein Bahnticket buchen, doch ich kann mich einfach nicht mehr einloggen. Mein Konto wird gesperrt und ich lasse mir eine Email zukommen für ein neues Passwort. Zur Sicherheit muss ich noch meine Kundennummer eingeben. Das tu ich, aber angeblich stimmt sie nicht. Zum Haare raufen. Na gut, dann eben nicht…. Ich habe keinen Nerv, mich darum zu kümmern, und da ich ein paar Tage später sowieso am Bahnhof vorbei muss, hole ich mir mein Ticket persönlich. Und das ist auch gut so! Am Schalter bekomme ich ein spezielles Billigticket, das es nur in geringer Auflage für ausgewählte Strecken und nur am Schalter gibt, zumindest hab ich das online nicht gefunden (trotz exakt gleicher Züge) und das war dann die Auskunft der Schalterdame dazu. Nun gut, nochmal paar Euro gespart und nun hab ich alles beisammen.
Ich weiß gar nicht, warum ich die ganze Zeit etwas von 7 Uhr im Kopf hatte, jedenfalls ging mein Zug um 9.01 in Nürnberg. Um 7 schlief ich noch. Ich habe schon lange keinen so vollen Zug mehr gesehen. Den Gedanken, dass es nichts bringt, noch durch den ganzen restlichen Zug zu laufen, wenn die ersten zwei Waggons schon restlos voll sind, schob ich beiseite und tat es einfach. Ich fand einen Platz! Es war der letzte freie Platz im Zug, und tatsächlich der letzte. Direkt vor dem Cockpit. Leider ist dies inzwischen aus Milchglas, doch je nach Lichteinfall kann man dennoch etwas sehen.

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Ab Frankfurt lichtete es sich und in Köln/Deutz war ich dann auch dran mit Umsteigen. Mit dem Regionalzug ging es dann nach Leverkusen Mitte. Dort empfand ich zunächst alles ziemlich trostlos. Das Auffälligste war das große Bayer-Zeichen zwischen zwei Türmen, was ich zum Fotografieren leider zu spät entdeckte. In Mitte stieg ich gleich in die S-Bahn in Richtung Bayerwerk ein. Ich hoffte auf eine neue Chance, das Zeichen zu fotografieren, doch ich versagte erneut. Neben dem Chempark und Bayer-Werk befindet sich ein schöner Park mit einem Japanischen Garten. Ich hatte mich zuvor informiert, was Leverkusen denn so zu bieten hat, vom Fußball mal abgesehen. Der Park war das einzige sonstige Nennenswerte. Ich spazierte also von der S-Bahn Meter für Meter und hatte das Gefühl, die Strecke sei endlos. Es waren ungefähr zwei Kilometer, und mein Gefühl ist ein deutliches Zeichen dafür, dass ich seit meinem Bänderriss keine nennenswerte Strecke mehr zurück gelegt habe.

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Am japanischen Garten angekommen musste ich zunächst eine Hochzeitsgesellschaft umgehen. Ich machte mich also von der anderen Seite aus ans Erkunden. Zunächst war ich wenig begeistert, doch dann gab es doch noch einige sehr schöne Stücke und Anblicke. Im Prinzip hatte ich dort zu wenig Zeit und zu wenig Ruhe. Aber man will ja auch pünktlich im Stadion sein, was mittlerweile immerhin nicht mehr zwei Stunden vor Anpfiff heißt (so war das früher).

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Passenderweise fährt von der S-Bahn Bayerwerk aus ein kostenloser Shuttlebus zum Stadion. Die Parkplätze am Werk können bei Heimspielen ebenso kostenlos genutzt werden. Genialer Service. Der Bus ist ordentlich voll und direkt vor dem Stadion spuckt er all die Leute wieder aus. Noch bevor ich das Stadion betrete wird ein Pin gekauft, das Wappen in Farbe – optimal. Dann gehts rein und natürlich zur Taschenkontrolle. Da wird ganz schön blöd geschaut – ein Laptop im Rucksack. Ich erkläre, dass ich fünf Stunden Hin- und ebenso viel Rückfahrt habe und ja einen Zeitvertreib brauche und werde gefragt woher ich komme. Als ich Nürnberg sage fängt die Dame an zu lächeln. Sie sei aus Neumarkt in der Oberpfalz und habe lange in Nürnberg gearbeitet. Dann muss ich noch erklären, warum ich hierher fahre, wo doch heute Augsburg hier spielt und nicht der Club. Die Sami-Geschichte und schon bin ich Teil der Familie.

Dann stelle ich fest, dass mit Bargeld gar nichts geht. Eine BayArena-Card will ich nicht, weil es sich hierbei nicht um eine gewöhnliche Stadionchipkarte handelt sondern um eine Geldkarte einer Bank. Eine Geldkarte… nun gut, das kann meine EC-Karte auch, und ich lade also im Stadion Geld auf meine Geldkarte. Was ich dann mit dem Restbetrag anfangen werde frage ich mich tatsächlich, denn wo bitte benutzt man denn eine Geldkarte? Nun gut, irgendwo werde ich sie schon leer bekommen. Ich bestelle eine Currywurst mit Pommes und hole Cola und Bier. Es gibt Kölsch im 0,5er-Becher. Wahnsinn. Das gibts also auch in Groß.
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Ein Stadionheft gibt es hier umsonst, es liegt in großen Schubern aus zum Mitnehmen. Einfach und praktisch. Natürlich nehme ich eines mit. Damit und mit dem Bier bewaffnet erobere ich meinen Platz. Er ist gigantisch!
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Ich liebe es, weit oben zu sitzen und den Überblick über das Feld zu haben. Je höher desto besser. Ich sitze also natürlich im Oberrang. Dafür muss ich erst mal endlos Treppen steigen, außerhalb des Stadions. Eine Art Treppenturm. Mir wird mit jedem Stockwerk mulmiger, doch im Innenraum angekommen lohnt sich die Mühe. Das Stadion ist unerwartet steil und ich dadurch unerwartet nah am Spielfeld. Überhaupt ist hier einiges unerwartet, so der doch lautstarke Support durch die Leverkusener (die Akkustik unter diesem Dach ist sehr unterstützend) und die Führung für Ausgburg. Am Ende geht aber alles gut aus, Leverkusen dreht das Spiel und geht verdient als Sieger vom Platz. Augsburg war unerwartet gut, immer hellwach und immer wieder brandgefährlich. So macht Fußball schauen Spaß!
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Nach dem Abpfiff verlasse ich so schnell wie selten das Stadion und mache mich zu Fuß auf in Richtung Leverkusen Mitte. Knapp zwei Kilometer muss ich hierfür zurück legen und komme relativ pünktlich an, um den ersten Zug nach Köln zu nehmen. Ich habe eigentlich noch eine Stunde Zeit, doch Leverkusen selbst hat so wenig zu bieten, dass ich lieber gleich nach Köln fahre und die Zeit dort im Starbucks am Kölner Hauptbahnhof mit Blick auf den Dom verbringe.
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Um kurz vor Acht geht dann mein ICE zurück nach Nürnberg, und der ist so leer, dass ich mir einen Vierer mit Tisch für mich alleine genehmige. Während der Fahrt fällt mir auf, dass ich mir nun doch keine Kopfhörer gekauft habe, womit ich im Zug mein Hörbuch hätte hören können. Demnach sortiere ich Fotos, schreibe diesen Eintrag und werde nun wohl ein bisschen schlafen. Die erste Stunde habe ich bereits hinter mir. Nur noch vier. Doch dann rettet mich erneut mein Bruder, wie bereits mit dem Frühstück: ich bekomme seinen Hotspot-Zugang. Muchas gracias. Somit ist dieser Blogeintrag zuhause noch bevor ich zuhause bin!

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