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Berlin – my last try

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Ich muss gleich mal was vorweg nehmen: Ich mag Berlin nicht. Vor etwas mehr als zehn Jahren hatte ich mal eine Freundin in Berlin. Zu dem Zeitpunkt war ich noch Studentin, und Studenten haben Zeit. Dementsprechend habe ich mehr Zeit in Berlin verbracht als zuhause. Dabei stellte ich immer wieder fest: Berlin ist unfreundlich, Berlin ist dreckig und Berlin stinkt. Dieses Urteil wurde durch ein paar spätere Besuche in der Hauptstadt immer wieder bestätigt. Dennoch wollte ich es nochmals versuchen, denn es gibt doch immer noch Ecken/Dinge, die ich nicht gesehen habe. Außerdem fehlt mir da ja noch ein Stadion (also natürlich noch mehrere, aber ein Stadion in dem hochklassiger Fußball gespielt wird). Das sollte sich also ändern.

Der ganze Trip wurde sehr spontan gemacht. Mitte der Woche hab ich gecheckt, was fußballtechnisch und preislich halbwegs zusammen passt. Hannover stand beispielsweise zur Auswahl, war dann aber zu teuer. Berlin hat sich aus zwei Gründen schnell als Favorit herausgestellt: die unschlagbare Verbindung zu einem guten Preis und das Spiel Union Berlin – FC St.Pauli. Na gut, dann versuch ich es nochmal mit Berlin…

Gebucht bei meinfernbus, und mein Ticket fürs Spiel? Das Spiel war ausverkauft, ich spähte mal auf ebay und fand Preise rund um die 70 Euro. Nein, so viel wollte ich nicht hinlegen, also vertraute ich auf den Schwarzmarkt vor dem Stadion.

Freitag Nacht um 2:00 Uhr ging es dann also los. Der Bus war gerammelt voll, ich fand aber in der ersten Reihe oben des Doppeldeckerbusses noch einen Platz am linken Seitenfenster. Das hatte Vor- und Nachteile. Positiv war, dass man viel Beinfreiheit genoss. Angesichts meiner Verletzung im Sprunggelenk sehr angenehm. Der Nachteil des Platzes war, dass die Sitze nicht verstellt werden konnten und mir persönlich zu weit nach hinten im Liegen festgestellt waren. Nun gut, ich wollte ja sowieso schlafen, packte mein Kissen und meine wunderbaren Turkish Airlines Utensilien (Decke, Augenbinde) aus und versuchte es. Es war schwer, doch irgendwann hats funktioniert, dass ich zumindest immer wieder eingeschlafen bin. Bei der Ankunft tat mir dann alles weh, aber mit ein bisschen Bewegung ging es wieder.

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Vom ZOB sollte es dann per U-Bahn zur East Side Gallery gehen. An der Haltestelle versuchte ich dann, ein Ticket zu kaufen. Meine Karte konnte von keinem der Automaten gelesen werden, also musste ich bis auf einen Euro mein letztes Geld ausgeben. Auf der Fahrt gab es dann die ersten Highlights. Es gibt nämlich etwas an Berlin, was ich gerne mag: die Graffitis. An einem komplett bemalten Haus verließ ich für ein Bild die Bahn und fand zufällig auch gleich einen Geldautomaten, konnte demnach für Frühstück sorgen. Überraschenderweise kostete mein belegtes Brötchen  beim Bäcker dann genau einen Euro – in Nürnberg hätte ich dafür mindestens 2,50 gezahlt.

An der East Side Gallery verließ ich dann die Bahn endgültig und spazierte (sehr langsam natürlich) an der Mauer entlang. Die dort ausgestellten Kunstwerke waren sehr unterschiedlich und auch unterschiedlich schön (liegt ja im Auge des Betrachters) und unterschiedlich stark verschmiert. Ein paar Eindrücke gibt es hier:

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Im Anschluss am Ostbahnhof das Gepäck losgeworden und wieder rein in die Bahn, ab zum Stadion. Umsteigen musste ich auch noch, und dort hatte ich besonderes Glück. Zwei Hamburger Jungs neben mir besprachen sich gerade, wie sie es nun anstellen sollten, ihr übrig gebliebenes Ticket noch los zu werden. Ich sagte schlicht „ich brauch noch eines“. Nach einer Vergewisserung, für welches Team ich denn sei, bekam ich das Ticket zum Originalpreis (12,50, das ist dann doch ein Unterschied zum Ebaywahn). Ganz so wichtig war bei diesem Spiel die Sympathie jedoch nicht, sind beide Fanlager doch befreundet. Mein Platz befand sich nicht direkt im Hamburger Fanblock sondern direkt daneben. Dort war Union und St.Pauli bunt gemischt, stieß miteinander an, applaudierte sich gegenseitig und die Stimmung war einfach bombastisch! Passend zur geilen Stimmung gab es zum Spielbeginn eine Choreografie durchs komplette Stadion. Die Panoramafunktion meines Handys hat leider ein bisschen versagt, dennoch werde ich das Bild hier veröffentlichen, damit man einen besseren Eindruck bekommt.

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Das Spiel selbst begann aus meiner Sicht furios, innerhalb weniger Augenblicke führte St.Pauli 1:0 und setzte kurz danach ein zweites Tor drauf. Dann wurde Berlin stärker und machte immer mehr Druck. Ein Gegentor war nur eine Frage der Zeit und nur dem starken Torhüter war es zu verdanken, dass es nicht viel früher viel (und dass nicht noch viel mehr fielen). Am Ende der Partie hatte Union das Spiel gedreht, war aber auch kein Weltuntergang, es wurde schlicht gemeinsam gefeiert.

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Nach dem Spiel wollte ich dann nochmal in die Hackeschen Höfe. Ein nettes Café, ein bisschen über den Markt schlendern. Ich kam dort auch problemlos an, doch dann fing es an zu regnen. Also nicht so viel mit Markt, mehr mit im Häagen Dasz sitzen und Eisshake trinken. Ein Genuss! Dann war es auch schon wieder Zeit für die Rückfahrt, also auf zum ZOB.

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Mit ein bisschen Verspätung ging es in einem halb vollen Bus zurück nachhause, auch hier halfen meine Utensilien zum Schlafen, nachdem ich auf den ersten Kilometern ein Buch doch relativ verschlungen hatte.

Fazit:
Ich hatte heute einen klasse Tag in Berlin, habe mich ja auch auf die Dinge konzentriert, die ich mag. Die East Side Gallery ist in meinen Augen durchaus lohnenswert, allerdings nicht nur die gefeatureten (komisches Wort) Meter. Es lohnt sich aber generell, die Augen offen zu halten, Berlin hat graffititechnisch wirklich viel zu bieten. Und bei Union wars geil! Es gibt also doch Positives in Berlin – auch für mich.

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