Die Oase im Mittelmeer: Malta

Bereits zwei Jahre ist es her, dass wir zwei Wochen auf Malta verbracht haben. Trotzdem sprechen wir immer wieder über unsere Eindrücke. Malta hat uns offensichtlich nachhaltig beeindruckt, und da ich diese Eindrücke hier auch bisher nur bruchstückhaft geschildert habe, wird es wohl allerhöchste Zeit.

Von München aus flogen wir nach Malta, und bereits mit dem Flieger war ich begeistert, denn es handelte sich nicht um eine 08/15-Lackierung in weiß. Einige Teile des Flugzeugs waren mit Ornamenten verziert. Der Flug war ruhig und schnell, es dauert nur gut zwei Stunden in Richtung Süden. Von der Luft aus kann man die Insel sehr gut überblicken, denn Malta ist wirklich klein. Mit einer Länge von 27 Kilometern und einer Breite von knapp 15 Kilometern kann man die Insel auch relativ schnell mit einem Fahrzeug erkunden. Zu Malta gehören auch noch die Inseln Gozo und Comino, die beide ebenfalls bewohnt sind. Auf Comino allerdings wohnen nur vier Einwohner, da kann man sich dann überlegen, ob man das wirklich als bewohnt bezeichnen möchte.

Immer wenn wir von Malta erzählen, reagieren die Leute mit Hinweisen auf Italien und Italienisch. Auch wir selbst dachten, dass Malta einmal etwas mit Italien zu tun hatte, doch dem ist nicht so. Sizilien ist zwar nur einen Katzensprung entfernt und viele Italiener nutzen Malta als Urlaubsort, doch das ist dann schon die einzige Verbindung. Malta war bis 1964 ein Teil des britischen Imperiums und Englisch ist ebenso Landessprache wie Maltesisch. Die maltesische Sprache ist ein faszinierender Mix aus fremden Lauten. Entstanden ist sie aus einem arabischen Dialekt, allerdings werden lateinische Buchstaben verwendet. Die arabischen Einflüsse generell sind groß, Malta war in der Antike und im Mittelalter dortigen Königreichen zugehörig. Eigenständig wurde Malta mit dem Malteserorden im Jahr 1530, was wiederum den sehr strengen Bezug zur katholischen Kirche erklärt – beinahe 90% der Bevölkerung sind katholisch. Gut 250 Jahre lang stand Malta unter britischer Krone, und auch diese Einflüsse sind im Land deutlich zu spüren, insbesondere beim Essen.

Nach der Landung auf Malta ging es in den Transfer zum Hotel. Der erste Eindruck: sehr warm und sehr karg. Auf Malta herrscht subtropisches und trockenes Mittelmeerklima, Niederschläge im Sommer gehen gegen Null bei einer Durchschnittstemperatur von über 30 Grad. Für mich sind das perfekte Bedingungen, ich lebe ab 25 Grad auf und bei solchen Temperaturen fühle ich mich richtig wohl. Die klimatischen und geologischen Bedingungen mit viel Kalkstein machen Malta zum wasserärmsten Land der Erde. Die Trinkwasserqualität ist schlecht, so dass man Wasser nur aus der Flasche konsumieren sollte. Am ersten Tag unterschätzen wir unseren Bedarf an Flüssigkeit, doch am zweiten Tag bereits sind wir schlauer.

Unser Hotel ist etwas entfernt von den Touristenhochburgen. Wir haben es genau deswegen gewählt und dann noch darauf geachtet, dass wir eine Tauchbasis im Hotel haben. Malta ist eine Hochburg für Taucher auf Grund des klaren Wassers, der warmen Wassertemperaturen und natürlich auch der vielen Wracks rund um die Insel, die immer stark umkämpft war. Zum Tauchen geht es für uns erst später, zuerst ist die Insel selbst dran.

Mit dem Hotel waren wir zufrieden, bis wir die erste Nacht erlebten. Unser Zimmer hatte einen direkten Anschluss zur Lobby, und diese wurde nachts haufenweise von lautstarken Italienern bevölkert. So standen wir am nächsten Morgen beim Management und beschwerten uns. Ich habe einen leichten Schlaf, aber die Lautstärke war wirklich ohrenbetäubend. Man könne aber leider nichts machen, das sei nun mal unser Zimmer. So ging das noch ein paar Nächte und jeden Tag erneut standen wir beim Hotelmanager. Erst kurz vor Beginn unserer zweiten Woche konnte oder wollte man uns in ein anderes Zimmer einquartieren. Dieses Zimmer war dann in Ordnung. Was uns bis dahin allerdings auch zuwider war: das Frühstück.

Es gab jeden Tag einen abgepackten Teller mit Wurst und Käse, ein paar Schnipseln Salat, einem halben Ei und einem Stück Tomate. Dieser Teller veränderte sich nie. Am ersten Morgen war das völlig in Ordnung, am zweiten ebenfalls noch. Am dritten Morgen hätte ich schon gerne einmal etwas Abwechslung gehabt, und spätestens ab dem vierten Tag reichte es. Abgesehen von diesem Teller hatten wir noch die stattliche Auswahl zwischen zwei verschiedenen Toastbroten und einer Sorte Cornflakes. An einigen Tagen verzichteten wir auf das im Preis enthaltene Frühstück und gingen stattdessen andernorts frühstücken. Ich muss daher Jedem deutlichst raten, nicht das Ambassador Hotel in Xemxija zu buchen!

Den ersten vollen Tag auf der Insel durften wir ein wunderbares Programm von Visit Malta erleben. Zuerst ging es für uns in die traumhaft schöne Stadt Valetta, in die wir uns so sehr verliebten, dass wir sie während unseres Aufenthalts noch öfter besuchten. Wir sehen die Oper, die sich inmitten einer Ruine befindet, diverse Regierungsgebäude, die imposante Stadtmauer und die Upper Gardens, eine schöne Anlage. Die Innenstadt ist zu großen Teilen Fußgängerzone oder verkehrsberuhigt. Die zur freien Verfügung stehende Zeit streifen wir durch die Gassen und fotografieren haufenweise Türen und Balkone. In Valetta gibt es haufenweise bunte geschlossene Balkone, eine optische Auffälligkeit die zum Markenzeichen wurde. Ein weiteres Merkmal sind die Straßenschluchten. Sehr enge Gassen gehen steil bergab und einige Meter weiter wieder ebenso steil bergauf.

Valetta ist verwinkelt, verspielt, verträumt, eine Perle! Wir genießen die Zeit hier absolut. Im Café Cordina mittendrin schlemmen wir auch mehr als ein Mal die herrlichsten Gerichte, oft mit Meeresfrüchten. Auch maltesiches Gebäck gibt es hier, und vor Allem den besten Cappuccino, den ich jemals getrunken habe. Unser Guide von Visit Malta ist Audrey, und sie ist bekannt wie ein bunter Hund. Wir werden aber auch nicht anders behandelt, als wir später ohne Audrey wiederkehren. Audrey als Guide kann man absolut empfehlen. Sie weiß unheimlich viel und sieht es als ihre Aufgabe, ihren Gästen möglichst alles beantworten zu können. Das bedeutet auch, dass Audrey viel und schnell spricht. Wer im Englischen fit ist und das ab kann, der ist bei Audrey wunderbar aufgehoben.

Mit ihr besuchen wir auch die Kathedrale, die von außen absolut unscheinbar wirkt, eher wie eine weitere Stadtmauer. Von innen aber ist sie eine wahre Pracht, alles glänzt in Gold, umrahmt von rotem Samt. Die verschiedenen Malteserstämme haben sich in der Kathedrale ein eigenes Denkmal gebaut, jeder hat eine eigene Nische erhalten. Je nach Reichtum des Zweigs fällt der Prunk unterschiedlich aus. Im hinteren Teil der Kathedrale ist fotografieren dann verboten. Hier befinden sich Werke des italienischen Malers Caravaggio. Dieser wurde auf Malta zum Ritter ernannt und sehr freudig willkommen geheißen. Das änderte sich jedoch relativ schnell. Wie nahezu überall war er auch hier in Schwierigkeiten verwickelt, bei denen ein Ritter verletzt wurde. Er verbrachte dann Zeit im Gefängnis und floh noch vor dem Verfahren, was eine Entlassung aus dem Orden zur Folge hatte. Die gestifteten Werke befinden sich jedoch nach wie vor auf Malta.

Mit der Hafenfähre – eine kleine Barkasse, die an Venedigs Gondeln erinnert – setzen wir über nach Birgu. Birgu wird auf Malta auch Vittoriosa genannt und gehört zu den „Three Cities“, die auf einer kleinen Halbinsel in die Meeresbucht ragt. Als Verteidigungspunkt war Birgu in der Vergangenheit sehr wichtig für Malta und zwischendurch sogar kurz Hauptstadt, als das im Landesinneren gelegene Mdina als zu unpraktisch angesehen wurde. Die heutige Hauptstadt Valetta wurde auf dem Reißbrett entworfen und genau durchgeplant, und bis sie fertig war, war eben Birgu Hauptstadt. Das Fort an der Hafeneinfahrt steht noch und ist ein sehr markanter Punkt. Im Hafen selbst liegt eine Luxusyacht neben der anderen, sowohl kleine Boote als auch Hochseeyachten. Bei unserem Besuch beispielsweise hatte der russische Ölmagnat Roman Abramowitsch ein Boot dort liegen. Birgu ist festlich geschmückt, denn es ist Festa-Saison. Festa auf Malta, das ist Kirchweih. Im Sommer gibt es eine ganze Festa-Saison, und es lohnt sich wirklich, wurde uns gesagt. Also machten wir uns auf zum Festa nach Birgu am letzten Festa-Tag. Das war ein Fehler! Man sollte nicht auf den letzten Tag warten sondern vorher gehen, denn am letzten Tag wird alles schon wieder abgebaut. Wir besuchten einen Festa-Gottesdienst (tolle Mönchgesänge, aber unheimlich lang!) und beobachteten die jungen Männer in ihren speziellen Festa-Shirts mit buntem religiösen Aufdruck. Die Buden jedoch waren schon zu und auch der Schmuck wurde schon weitgehend davon getragen. Festa sorgt auch dafür, dass im Sommer einige Feuerwerke zu sehen sind.

Auch gemeinsam mit Audrey haben wir Marsaxlokk besucht, ein altes Fischerdorf. Alles ist sauber und hell, am Hafen stöbern wir durch einen kleinen Markt. Dort gibt es allerlei Hüte und Sonnenbrillen, Fische jedoch nicht. Heute hat die Moderne Einzug gehalten, vom Fischerdorf ist nicht mehr so viel zu sehen. die bunten Boote jedoch sind geblieben.

Für mich als Groundhopper musste natürlich auch ein Stadion besucht werden. Passend dazu fand während unseres Aufenthalts als einziges Spiel der Supercup zwischen Meister und Pokalsieger statt. Bereits im Vorfeld kontaktierte ich den Fußballverband, da ich über die Verhältnisse keine Ahnung hatte. Fußball ist auf Malta Volkssport Nummer Eins, aber wie hoch ist die Nachfrage? Ich hatte Sorge, kein Ticket mehr zu ergattern. Diese war jedoch völlig unbegründet, das Nationalstadion Ta’Qali war beinahe leer. In Reihen des Birkirkara FC entdeckte ich dann den ehemaligen italienischen Nationalspieler Fabrizio Miccoli. Was Niveau versprach, konnte Niveau nicht halten. Obwohl Miccoli relativ schnell einen Eckball direkt verwandelte, verlor sein Team gegen den deutlich besseren Hibernians FC. Gegen Ende des Spiels hagelte es gelbe Karten, mehrere davon hätten in meinen Augen rote Karten sein müssen, und zwar ohne Diskussion. Dennoch muss ich sagen, dass das Spektakulärste am Spiel der Sonnenuntergang und das darauf folgende Festa-Feuerwerk abseits vom Stadion war.

Zu Malta gehört auch Comino und die Blue Lagoon. Comino fahren wir mit einem Speedboot an und gehen dort schnorcheln. Auf einer Tiefe von nur 18 Metern in absolut klarem Wasser liegt dort die P31, ein ehemaliges Patrouillenboot. Das Wasser ist so klar, dass auch von der Oberfläche aus alles optimal zu erkennen ist. Auch in einen kleinen Tunnel unter den Felsen schwimmen wir. Dann geht es mit Highspeed über das harte Wasser. Unsere Fahrerin Shanna ermöglicht uns jeden Wunsch und versucht auch, das Aufschlagen auf den Wellen so weit wie möglich zu vermeiden, aber mir wird trotzdem schlecht. An Land erhole ich mich aber schnell wieder. Ein paar Tage später fahren wir noch mit einem größeren Boot der Hornblower Cruises zur Blue Lagoon. Ein Gewitter zwingt uns einige Zeit zum Verbleib auf dem Boot, aber dann können wir doch noch ins türkise Nass.

Auf Gozo sind wir ebenfalls einen Tag, und neben einem Tauchgang dort in der Bucht von Xlendi besuchen wir gemeinsam mit Audrey den etwa 5600 Jahre alten Tempel Ggantija, der Weltkulturerbe ist. Der Sage nach hat eine Riesin dort den Tempel innerhalb einer Nacht aufgebaut. Wer den Tempel besucht muss darauf vorbereitet sein, dass es keinerlei Schatten gibt. Gerade bei den Temperaturen zwischen den Steinen, die sich alle aufheizen, täte Schatten enorm gut. Zwar ist klar, dass alleine auf Grund des Alters dieser Tempel etwas Besonderes ist und den Status der Unesco auch verdient hat. Das Bauwerk an sich jedoch ruft bei uns keine Begeisterungsstürme hervor, auch wenn Audrey uns mit vollem Einsatz zu überzeugen versucht. Sie stammt schließlich von Gozo, und ein Gozitaner ist stolz auf seine Insel und zeigt und sagt das auch.

Von Malta nach Gozo kommt man übrigens kostenlos mit der Fähre, bezahlt werden muss nur der Rückweg. Der Fährterminal ist selbst mit Öffentlichen leicht zu erreichen und das Übersetzen ist recht schnell geschehen. Auch hier sind wir begeistert von der Farbe des Wassers. Alleine dafür sollte man einmal auf Malta gewesen sein.

Was uns auf Gozo wahnsinnig gefiel war Dwejra, das Azure Window. Dieses kann man heute allerdings nicht mehr besuchen, es ist inzwischen eingestürzt. Auch bei unserem Besuch durfte man nicht mehr oben drauf, aber bis zur Absperrung waren wir unterwegs.

 

Malta bleibt für uns auch aus einem ganz besonderen Grund in bester Erinnerung, denn auf Malta habe ich Carina einen Heiratsantrag gemacht. Im Vorfeld hatte ich mir bereits haufenweise Aktionen überlegt, doch nur einen Teil davon konnte ich wirklich durchführen. Am Ende war es trotzdem eine einfallsreiche Geschichte über den ganzen Tag verteilt. Beim Tauchen versteckte unser neuseeländischer Guide Chris für mich eine Filmdose im Wasser, die wir natürlich wenige Sekunden später bereits fanden, schließlich tauchten wir direkt hinter ihm her. In dieser Filmdose befand sich ein Zettel, der mit einem Hinweis versehen war, wo man am Abend zu einem Abendessen erscheinen sollte, zumindest der Ort war genannt. Ich spielte unwissend und sowohl Guide Chris als auch gute Fee der Tauchbasis Annette taten so, als gäbe es solche Aktionen auf Malta öfter für Touristen. In die Filmdose hatte ich noch mit UV-Stift „get further instructions there“ geschrieben, aber wer schon einmal mit einem Edding in einer Filmdose geschrieben hat, der weiß wie schwierig das ist und wie unleserlich einiges wird. Carina jedenfalls konnte die Botschaft nur halb entziffern, und ich musste der Tarnung wegen natürlich über diesen Schmierfinken schimpfen.

Am Abend dann in St.Paul’s Bay fragte sich Carina natürlich, welches Restaurant denn nun das richtige wäre, wenn es sich um eine größere maltesische Aktion handeln würde. Wir wählten das Restaurant mit der in unseren Augen besten Aussicht und dann half der Zufall ordentlich. Mit der Filmdose als potenzielles Erkennungszeichen betraten wir die Fläche und der Kellner kam auf uns zugestochen, führte uns an einen Balkon mit nur einem einzigen Tisch und sagte „This is your table“. Alles wirkte, als habe er bereits auf uns gewartet. Das festigte natürlich Carinas Glauben an eine Aktion der Einheimischen für Touristen und dass wir eben die Glücklichen waren, die in den Genuss kamen, weil wir die Dose gefunden hatten. Dann warteten wir auf weitere Hinweise. Diese hatte ich allesamt in meiner Hosentasche, verschieden gefaltet, um sie auch ohne Nachlesen auseinander halten zu können. Carina war schon ganz ungeduldig, doch wie konnte ich ihr eine weitere Botschaft zukommen lassen, ohne dass sie es sah? Carina wurde skeptisch und fragte mich, ob ich etwas damit zu tun habe, doch ich stritt alles ab und war insgeheim sehr froh, meine Sonnenbrille zu tragen. Während wir auf unser Essen warteten gab es dann einen weiteren Zufall. Ein Herr mit einem Zettel in der Hand betrat das Restaurant, gab den Zettel beim Kellner ab und verschwand wieder. Für mich optimal, denn so konnte ich ablenken. Bestimmt war das unsere nächste Botschaft. Als dann unser Essen kam (hervorragend übrigens!) wusste ich immerhin, wo der Zettel hin muss. Zwischen Carinas Teller und die darauf befindliche Pfanne, denn sie aß Meeresfrüchte aus dem HotPot. Aber wie? Wir hatten eine UV-Lampe dabei, weil der Hinweis in der Dose ja auch mit UV-Stift geschrieben war, und ich bat Carina, dass sie doch mal den Tisch und den Stuhl und so weiter mit der Lampe ableuchten würde, denn warum sonst hätte uns der Kellner direkt hierher führen sollen, wenn nicht aus dem Grund eines versteckten Hinweises hier. Während Carina halb unter dem Tisch nach einem Hinweis suchte, steckte ich den nächsten Zettel an den dafür auserkorenen Ort und machte sie wenig später auch darauf aufmerksam, dass die Pfanne auf dem Teller irgendwie wackelig war. Dann fand sie also die nächste Anweisung, sich einen guten Blick in der Bucht zu suchen. Wir gönnten uns noch einen Cocktail und machten uns dann recht pünktlich zum Sonnenuntergang auf den Weg in die Bucht. „Was nun?“ fragten wir uns, und ich schlug vor, zwischen den Steinen nach weiteren Hinweisen zu suchen. Während ich also vorgab zu suchen, versteckte ich weitere Botschaften. Sowohl sich hinzusetzen und den Sonnenuntergang zu betrachten setzten wir um als auch den nächsten Zettel. „Close your eyes“ hieß es da, und wir beide schlossen die Augen. Ich fragte noch zur Tarnung, was denn nun passiere, denn mit geschlossenen Augen könnten wir ja unmöglich den Sonnenuntergang sehen. Gleichzeitig holte ich die Box mit dem Ring aus meiner seitlichen Hosentasche und während ich diesen unter ihre Augen hielt sagte ich „mach sie wieder auf“. Noch bevor ich irgendetwas Anderes sagen konnte, begann Carina vor Freude zu kreischen und bezeichnete mich als Schuft. Es dauerte ein paar Momente, bis ich dann wirklich fragen konnte und ein Ja als Antwort erhielt.

Auch in unser Tauchergedächtnis hat sich Malta ungemein eingebrannt. Sowohl auf Gozo als auch auf Malta waren wir tauchen, und dabei vor Allem von der fantastischen Sicht beeindruckt. Wir besuchten das Wrack der Rozi, mehrere Kamine und grottenähnliche Gebilde unter Wasser, auf Gozo tauchten wir durch einen Tunnel und auch in ihm auf. Über die Taucherlebnisse habe ich aber in einem eigenen Blogbeitrag berichtet, das werde ich nun nicht alles wiederholen.

Auch unseren Besuch in der alten Hauptstadt Mdina hatte ich bereits veröffentlicht, und Mdina lohnt sich wirklich! Wer auf Malta war, der MUSS dort gewesen sein! Alte kleine Gassen, alles aus hellem Stein, ein in sich stimmiges Bild. Eine Stadt wie eine Festung und doch offen und freundlich.

Ein Wort muss man unbedingt noch über die öffentlichen Verkehrsmittel verlieren, oder auch zwei oder drei. Wirklich gut zu erreichen ist die Hauptstadt Valetta, sie ist wunderbar an alle Orte auf der Insel angebunden. Andere Verbindungen erweisen sich durchaus als etwas schwieriger. Das gilt besonders dann, wenn im Fahrplan die Haltestelle „Ta’Qali“ angegeben ist und es davon dann mehrere gibt, die in einigem Abstand rund um das Stadion platziert sind. Das Stadion befindet sich mitten in der Pampa, und der von uns benötigte Bus fuhr auch nicht besonders oft, an diesem Abend nur noch ein einziges Mal. Wir joggten bereits vom Stadion aus, liefen aber leider an die falsche Haltestelle. Von dieser sahen wir unseren Bus in die falsche Richtung abbiegen und sprinteten los. Der Fahrer erkannte unsere Situation und war zum Glück mit einem großen Herz gesegnet. Er hielt und ließ uns einsteigen. Das wiederum ist keine Selbstverständlichkeit, nicht einmal wenn man an der richtigen Bushaltestelle steht. Wenn ein Bus nämlich voll ist -respektive ein Fahrer seinen Bus für voll hält- fahren die Busse einfach an den Haltestellen vorbei, egal wie deutlich man ihn heran winkt. Ohne Heranwinken wird sowieso nicht gehalten. Es passierte uns mehrere Male, dass wir einige Busse passieren lassen mussten, bevor wir mitfahren durften. Und an einem Tag ließ man uns gar nicht rein, auch wenn wir mehrere Busse sahen, die maximal zur Hälfte gefüllt war. Es handelte sich um einen maltesischen Feiertag, und ausgerechnet diesen hatten wir uns für unseren Trip an den in vielen Reiseführern angepriesenen Paradise Beach ausgewählt. Gemeinsam mit einem Schweizer Pärchen, die unser Schicksal teilten, zahlten wir einem Taxifahrer selbst nach zähen Verhandlungen noch einen horrenden Preis. Wer auf Malta uneingeschränkt mobil sein will, der sollte sich ein Auto mieten und sich schnell an die nicht vorhandenen Fahrkünste der Einheimischen gewöhnen. Den Führerschein bekommt man auf Malta schon nach ganz wenigen Fahrstunden, wie uns erklärt wird.

 

Der Strand selbst erwies sich als sehr schön, jedoch absolut überfüllt. Ganz Malta lag heute am Strand, und Handtuchkante an Handtuchkante. Einen Schirm oder eine Liege mieten? Nicht die geringste Chance! Eine kurze Zeit nutzten wir zum Sonnenbaden, doch dann brauchten wir auch eine Erfrischung. Diese jedoch war absolut nicht angenehm. Im Wasser wurden wir immer wieder gebissen, und wir haben keine Ahnung wovon. Zunächst in den Fuß, also den Boden nicht mehr berühren. Doch auch das löste unser Problem nicht, wir wurden weiter ungefähr im 30-Sekunden-Takt gebissen. Es gab davon später keine großen Spuren und wir haben bis heute nicht heraus gefunden, was diese Bisse verursacht hat. Die Idee Sandflöhe konnte schnell verworfen werden, denn die Bisse fanden nur unter Wasser statt. Genervt verließen wir das Wasser wieder, während die Einheimischen sich davon anscheinend nicht stören ließen. In der Zwischenzeit hatten andere Strandbesucher unsere Handtücher beinahe mit ihren eigenen bedeckt, so dass wir packten und wieder in Richtung Hotel flohen. Inzwischen waren die Busse leer und wir durften einsteigen und gingen dann lieber in der Bucht am Hotel schwimmen. Dort gab es zwar keinen Strand, aber ebenso wunderbares Wasser. Generell sind die maltesischen Strände häufig sehr voll, aber wer nicht unbedingt Strand braucht und auch mit felsigen Buchten zufrieden ist, der wird hier ein Paradies finden!

Kulinarisch bietet Malta einen faszinierenden Mix aus Pasta, Meeresfrüchten und Burgern, und die meisten Gerichte werden mit Pommes serviert. Unheimlich lecker sind auch die typisch maltesischen Sandwiches mit Kapern, Oliven und Thunfisch. Essen gehen war auf Malta verhältnismäßig teuer, sofern man nicht im Burgersegment blieb. Ganz besonders bei frischem Obst und Salat lag das Preisniveau deutlich über dem in Deutschland. Dies wiederum ist logisch, wenn man die Kosten für den Import berechnet, denn auf den kargen Böden Maltas ist der Anbau von Salat unmöglich. Wir haben einige tolle Plätze zum Essen gefunden, häufig mit Blick auf schöne Buchten. Auf Malta befindet sich ein Café del Mar, das mussten wir natürlich besuchen. Wir mussten nur kurz auf einen Tisch warten und diese Wartezeit konnten wir auf Liegen am Pool verbringen. Auch nach dem Essen platzierten wir uns mit einem Cocktail dort und waren rundum zufrieden. Herausragend war das Café Cordina in Valetta, weswegen es von uns mehrfach besucht wurde.

Ich bin mehr als sicher, dass wir Malta bald wieder besuchen werden, denn es gibt noch Unmengen von Tauchspots, die wir nicht kennen und auch an Land gibt es noch ein paar Stellen, die wir mangels Transportmöglichkeit nicht gesehen haben. Valetta ist 2018 europäische Kulturhauptstadt und ich behaupte: zu Recht! Definitiv werden wir ein anderes Hotel wählen. Glücklicherweise ist auch die Tauchbasis Mad Shark Divers (mit denen wir mehr als zufrieden waren!) umgezogen, so dass wir nicht mehr auf dieses Hotel angewiesen sind.

Unser Ausflugsprogramm an den ersten beiden Tagen wurde von Visit Malta zusammen gestellt. Sowohl unser Guide Audrey als auch unser Fahrer begleitete uns im Auftrag und auf Kosten von Visit Malta. Hierfür bedanken wir uns auch heute noch einmal herzlich. Unsere Meinung haben wir uns dennoch selber gebildet und diese hier auch authentisch wieder gegeben.

 

3 Comments

  1. schöne Geschichte 🙂 Und so viel Mühe mit dem Heiratsantrag 🙂
    Wie seid ihr denn auf der Insel gereist? Mit dem Auto unterwegs gewesen? Als Nicht-Autofahrer suche ich ja immer eine Möglichkeit für Länder, bei denen man gut öffentlich reisen kann 🙂 Und Malta reizt mich schon lange.

    • Wir hatten an zwei Tagen einen Fahrer von Visit Malta, den Rest waren wir mit Öffis unterwegs. Es ist möglich, im Optimalfall wohnt man dann in Valetta (denn das ist der Knotenpunkt beinahe aller Busse). Man muss aber Geduld mitbringen und sollte keine Termine haben…

      • Also doch etwas italienisches an Malta

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