Entering the Netherlands – Groningen

Tag 1 – Groningen

Der Tag begann mitten in der Nacht, oder eher der Tag zuvor endete nicht. Ich hielt mich wach, bis um 1.15 Uhr endlich der Zug in Nürnberg abfuhr. Meine Freundin brachte mich zum Zug und ich musste nur noch einsteigen und meinen Platz finden. Nachts will ich im Zug schlafen, und im Euronight heißt das, ich will sicher einen bequemen Platz haben, ein Schlafwagen ist mir aber zu teuer. Also schlicht reservieren. Ich fand meinen Platz sofort und fand ihn besetzt vor. Da wir zu dritt im Sechserabteil waren, ließ ich die besetzende Dame sitzen mit der Bemerkung, dass ich auf den Platz bestehe, falls es voll werden sollte. Wir alle schliefen so gut wie die komplette Fahrt, ich allerdings im Sitzen, dennoch gut. Als der junge Mann von der Sitzbank gegenüber kurz nach Fulda das Abteil verließ (was auch immer er die ganze Zeit bis Kassel noch gemacht hat), schnappte ich mir die drei Sitze gegenüber, zog sie aus und legte mich auch hin. Irgendwie hat das Schlafen im Sitzen allerdings besser funktioniert. Es wurde aber auch kälter und kälter. Die im Sommer so gerne ausfallende Klimaanlage lief auf Hochtouren. Wir haben sie auf komplett warm geschalten, aber es kam nur kalte Luft. Abschalten ließ sie sich auch nicht. Ich hab dann noch die Jacke ausgepackt und über mich gelegt und kurzfristig über den Schlafsack nachgedacht, die Idee dann aber doch verworfen.

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In Hannover hatte ich eine Dreiviertelstunde Aufenthalt, bevor es mit dem Regionalexpress weiter ging. Ich nutzte den Zeitraum zum Heben eines Caches in der Nähe des Hauptbahnhofs. Mal wieder hatte ich keinen Sitft dabei und musste fotologgen. Als ich wieder am Bahnhof ankam, hab ich mir erst mal nen Kugelschreiber gekauft. Bis zur Abfahrt des Zuges war immer noch viel Zeit, aber durch das Rumlaufen war mir nicht mehr kalt, so dass ein Café oder dergleichen nicht sein musste. Ich blieb einfach im Bahnhof. Dabei stellte ich fest, dass die Sanifair-Toiletten mittlerweile 1 Euro kosten. Ist langsam wirklich nicht mehr schön. Kurz bevor mein Zug dann ging, holte ich mir noch einen Vitamin-Drink, schließlich muss ich was für mein Immunsystem tun, hab keine Lust auf weiteres rumkränkeln.

Im neuen Zug war es dann wärmer, wunderbar. Drei Stunden lang sollte ich nun fast dort verbringen. Der Zug wurde immer voller und lauter, dennoch konnte ich beinahe die komplette Fahrt schlafen. In Leer stieg ich dann um in den Schienenersatzverkehr über die Grenze. Ausgerechnet an diesem Wochenende wird dort in der Gegend ein Schiff überführt und es scheint eine Brücke nicht befahrbar zu sein. Der Bus fuhr über die kleinsten Sträßchen aber dennoch über die Grenze, an der ich zu langsam war, um das Schild zu fotografieren.

Mein Grenzfotoversuch

Mein Grenzfotoversuch

 

In Nieuweschans ging es dann wieder in den Zug. Auf dem Weg zum Bahnsteig half ich einem alten Mann, der Probleme hatte, sein Gehwägelchen die Treppen nach oben zu bekommen. Was hat man davon, wenn man hilft? Man wird zugequatscht. Nun wurde ich also fast den kompletten Weg bis Groningen vollgelabert von einem doch recht senilen Mann, der mir mehrfach die gleichen Dinge erzählt hat. Als Ausgleich dafür bekam ich eine Banane geschenkt und ein wunderbares Touristeninfoheft aus irgendeinen ostfriesischen Ort. Kurz vor Groningen musste der Herr leider aussteigen und ich war erlöst. So sah ich dann immerhin auch etwas von der niederländischen Landschaft.

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In Groningen angekommen war ich erst mal etwas planlos. Mein Handyakku fast leer, keine Steckdosen im Starbucks und keinen Plan, wo das Stadion ist. Das lies sich aber schnell rausfinden, ich war tatsächlich wie vermutet mit dem Zug bereits dran vorbei gefahren. Mir wurde aber erklärt, dass die Strecke auch zu Fuß machbar ist und so machte ich mich eben auf den Weg. Ich war früh dran, aber laut Mail des FC Groningen sollte ich zwischen 13 und 14.30 Uhr meine Tickets abholen. Das Match selbst war um 16.30 Uhr. Der Weg war wirklich nicht weit und so war ich viel zu früh am Stadion. Das obligatorische Rumlaufen verband ich mit einer Frage in der Geschäftsstelle nach den Tickets, denn am Stadion ist die Beschilderung ziemlich mangelhaft. Ich bekam dann die Auskunft, dass ich um 14.30 Uhr mein Ticket holen kann, vielen Dank für die falsche Auskunft per Mail. Da hätt ich ja wirklich noch ne Menge Zeit in der Stadt gehabt.

Der Bahnhof in Groningen

Der Bahnhof in Groningen

 

Das Stadion selbst entpuppt sich als mehr oder weniger ein Bürobau mit einem Fußballfeld in der Mitte. Das beheimatete Kino mit Café und Restaurant schließt aber leider auf Grund des Spiels. So kann ich also wirklich meinen Akku nicht mehr aufladen und schalte das Mobiltelefon vorsichtshalber aus, schließlich muss ich ja nach dem Spiel meinen Gastgeber Johan kontaktieren. Leider bedeutet das auch, dass ich hier erst mal nicht geocachen kann, das muss ich wohl auf morgen oder so verschieben.

Um 15 Uhr öffnen dann endlich die Stadionkassen. Wenigstens hat mit der Reservierung und Bezahlung aber alles geklappt, so dass ich anstandslos mein Ticket in die Hand gedrückt bekomme, den Fanshop entere und einen Pin ergattere (3,50, angenehmer Preis). Ab ins Stadion, den Rucksack abgeben und dann erst mal was essen und trinken. Dafür muss ich vorher Munten kaufen. Munten, das sind kleine Marken, die ich dann am Stand selber eintauschen kann. Na woher soll ich denn wissen, wieviele Munten ich brauche? Mir wird erklärt, die Getränke kosten einen und die meisten Essen kosten 2, also kaufe ich 3. Dafür erhalte ich einen Hotdog mit Senf und ein kleines Bier (0,2). Die ganze Zeit überleg ich immer wieder, ob ich mir vielleicht nochmal ein Getränk hole, aber erst bin ich zu faul und als ich mich dann doch aufmache, hat der Kassenstand für Munten bereits geschlossen. Na gut, dann eben nicht.

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Zum Spiel selber: Groningen hat eigentlich nur einen kleinen wirklich aktiven Support, aber laut sind sie allemal. Arnheim hatte ungefähr die gleiche Zahl wirklicher Auswärtsfans aufzubieten. Lauter sind sie aber auf keinen Fall. Wirklich laut wird es so ca in der zwanzigsten Minute, als ein Arnheimer Verteidiger nach einer Notbremse rot sieht. Dann ist es auf einmal höllisch laut im Stadion. Beeindruckend. Von da an ist der Support aktiver und Groningen spielbestimmend. In der zweiten Hälfte wendet sich das Blatt, die Offensivbemühungen der Hausherren sind einfach zu durchschaubar und mit viel zu wenig Geschwindigkeit vorgetragen. Vitesse kontert sich zum 1:0. Noch immer ist ein Ausgleich möglich, denn Groningen hat mehr Ballbesitz, aber vorne wird wirklich stümperhaft vergeben. Folgerichtig fällt dann nach einem weiteren Konter (und davon gibt es immer mehr) das 2:0 und ganz kurz vor Spielende sogar noch das 3:0 für Vitesse Arnheim.

Nach dem Spiel werde ich am Stadion abgeholt. Im Stadion befindet sich ein Kino, und dort treffe ich mich mit meinem alten Freund und Gastgeber Johan. Ich bin ziemlich platt, hatte schon während des Spiels Mühe, die Augen offen zu halten und habe Hunger und Kopfschmerzen. Die werden migräneartig immer schlimmer. Wir fahren aufs Land, denn Johan wohnt ca 20 Kilometer außerhalb und gehen dort in den Pub. Ne Cola tut gut und ich bestelle einen Burger. Mittlerweile ist mir aber vor Kopfschmerzen so schlecht, dass ich den nicht essen kann. Ich schaffe drei Bissen und das wars dann. Tut mir richtig leid, aber ich bin kräftemäßig ziemlich am Ende. Was bin ich nur für ein Gast… Wir fahren dann zu Johans Haus und ich werde dort sehr herzlich empfangen von der ganzen Familie. Eigentlich wollte ich sofort ins Bett springen, aber so ein lieber Empfang, da will ich mich nicht einfach zurück ziehen. Tee oder Kaffee? Nun, ich kann mir nicht vorstellen, Kaffee runter zu bekommen und wähle Tee. Der Tee tut mir sehr gut und ich entspanne mich schon wieder etwas, immerhin ist mir nicht mehr schlecht. Dennoch gehe ich relativ früh ins Bett, um 21 Uhr ziehe ich mich zurück, während Johan dann nochmal ins Pub fährt. Nach kurzem Telefonieren mit meiner Freundin schlafe ich tief und fest und wache nicht mal vom Summen der Moskitos auf, die mich ins Gesicht stechen. Sehr unnormal für mich!

Mit der Dämmerung bin ich wieder wach, entscheide mich aber dafür nochmal einzuschlafen und stehe dann mit Weckerklingeln um 9 Uhr auf. Ich gehe duschen (das tat gut!) und betrete danach den Living Room und finde einen reich gedeckten Frühstückstisch mit einem Briefchen von Johans Stiefmutter. Johan hat sich zur Arbeit fahren lassen und deswegen steht mir nun sein Auto zur Verfügung. Wow! Ich entscheide mich, den Tag in der Natur zu verbringen und in der Nähe zu bleiben. Der nächste Cache ist leider nur holländisch, aber das kann man ja einigermaßen verstehen und 1,5km entfernt. Vielleicht mache ich mich auf die Suche 🙂

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