Hardcore pauschaling

26. Januar 2014
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Damit die Pauschalreise noch mit Pauschalität gekrönt wird, wird eine organisierte Bustour gebucht. Das eigentlich gewünschte Pamukkale wird von diversen Veranstaltern ja noch nicht angeboten, einfach noch zu wenig Touristen da (was an sich ja eine gute Sache für den ungeübten Pauschalurlauber ist). Als Alternative geht es nach Manavgat, verbunden mit einer Bootstour und einem Basarbesuch und im Anschluss einer Fahrt nach Side.

Um 8.40 hält der Bus vor dem Hotel und ich springe rein. Nur zwei weitere Fahrgäste sitzen im Bus. Ja wunderbar, denke ich mir. Doch weit gefehlt. Auf dem Weg sammeln wir noch 17 weitere Fahrgäste ein, insgesamt also 20. Das an sich ist gar nicht so schlimm. Schlimm ist allerdings, dass es dadurch schon zwei Stunden dauert, bis wir überhaupt am ersten Ort angekommen sind!

Der erste Ort ist Dikmen. Was Dikmen ist? Nun, ich würde es mal als türkischen Woolworth bezeichnen. Diese Atmosphäre herrscht zumindest. Bei Dikmen gibt es alles Mögliche an gefälschter Markenware zu Billigpreisen oder angeblichen solchen. Von diesem Stop wusste ich vorher nichts und gehe aber trotzdem rein. Und dann wird auch noch tatsächlich was gekauft! Das hat allerdings nur einen Grund: der eigentliche Cabriobus hat auf Grund des schlechten Wetters Planen als Fenster vorgespannt, es zieht aber trotzdem wie Hechtsuppe und ist echt kalt! Also steht eine Jacke auf dem Einkaufszettel. Mit gefälschtem Jack Wolfskin Material mehr und 30 Euro weniger verlasse ich Dikmen sehr schnell wieder und warten dann eine halbe Stunde auf die Mitfahrer. Juhu.

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Dann soll es wohl endlich wirklich losgehen. Auf zum Basar in Manavgat. Dort schließt sich ein Rentner mir an, dem ich anscheinend vertrauenserweckend genug aussah. Der Basar in Manavgat ist riesengroß, und irgendwie sieht alles gleich aus. Man kann sich wirklich verlaufen da drin. Das passiert uns auch fast, aber dank Orientierungssinn (!!!!!) finde ich dann doch schnell wieder zum richtigen Punkt. Die Zeit auf dem Basar ist etwas kurz bemessen. Dikmen weg lassen und mehr Zeit auf dem Basar wäre viel geiler. Trotz der kurzen Zeit entstehen viele tolle Bilder und strömen wieder viele wunderbare Eindrücke auf mich ein.

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Nach dem Basar geht es weiter zum Fluss. Den Wasserfall sehen wir leider nicht (verglichen mit meinen 603 Metern in Indien sind die 3 Meter hier auch ein Witz, aber schön wäre es trotzdem gewesen). Nein, wir machen „nur“ eine Bootsfahrt. Diese führt an einigen schönen Stellen und noch viel mehr Pseudo-Seglern vorbei. Alanya war ein Piratennest und auch Side wurde häufig von Piraten angegriffen. Daher sehen jetzt nahezu alle Freizeitschiffe bzw Touristenschiffe aus wie Segelschiffe in Piratenoptik. Viermaster und dergleichen schippern munter mit Motor den Fluss rauf und runter. Alberne Tourischeiße, denke ich mir immer wieder.

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Wie in Indien finden wir auch hier Fischfarmen, allerdings handelt es sich hier um Forellen. Das wiederum spricht für die Wasserqualität. Und auch ein Blick ins kühle (8 Grad) Nass sagt: durchsichtig bis türkis – sauber!

Nach einer knappen Stunde fahrt auf dem absolut windigen Oberdeck (zum Schluss sitzen wir dort zu zweit, weil das gemeine Pauschalvolk das Windchen nicht aushält und sich ins Unterdeck verzieht) ist es doch frisch und wir sind froh, am Pausenpunkt anzukommen. Dort gibts erst mal ein ganz gutes Mittagessen und dann dürfen wir an Land, als fast alle endlich aufgegessen haben. Stunden später und so… aber die Warterei scheint bei pauschal automatisch mitgebucht zu sein. An Land bedeutet: auf einen kleinen Landstrich aus Sand zwischen Meer und Fluss. Ungefähr 80 Meter trennen Süß- und Salzwasser voneinander. Im Sommer stehen hier endlos Buden, einige der dafür nötigen Gerüste stehen bereits, sind aber noch leer. Nur drei Shops gibt es und weit und breit keine anderen Menschen. Irgendwie ein skurriler Ort, dennoch aber ein schöner!

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Nach dem kurzen Aufenthalt dort (länger wäre auch nur bei Badewetter gut gewesen) ging es wieder aufs Schiff und den ganzen Weg zurück. Der Bus tuckerte uns dann noch nach Side. Entschuldigung, in die historische Stadt Side. Das muss unbedingt gesagt werden. Denn Side ist eben doch nicht nur 5-Sterne-Resort und 5-Sterne-Resort-Baustelle sondern hat auch eine historische Altstadt. Und Bummeln kann man auch wunderbar. Vorausgesetzt man hat genug Zeit. Diese scheint es allerdings nur beim Abholen und Abliefern zu geben auf solchen Touren, oder an Shoppingorten. Für Side haben wir eine Stunde Zeit und angesichts der vielen historischen Orte ist das echt wenig.

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Alles wird zu Fuß erledigt und am Schluss hetze ich schon beinahe. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass man vor den Geschäften kaum noch angesprochen wird. Dies ist in Alanya übrigens auch seit einer Weile verboten, wird auch nur teilweise gemacht. In Side aber doch relativ exzessiv. Wenn man aber einfach freundlich und bestimmt „Hallo, nein danke“ sagt (und das im Großen und Ganzen auch tatsächlich ohne Pause dazwischen) wird man nicht weiter belästigt. Die eine Stunde reicht gerade so, ich komme pünktlich wieder am Bus an.

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Der Bus bringt dann alle Hotelgäste wieder zurück und braucht dafür immerhin fast eine Stunde weniger als auf dem Hinweg. So ist das dann doch annehmbar.

Der Abend wird dann wieder in geselliger Runde mit Göttinger Jungs, Bier und Vodka/Sprite verbracht, bis es Zeit fürs Bett ist. Am nächsten Morgen gehts schließlich schon wieder früh raus. Und sowas nennt sich Urlaub. Aber tauchen war ich schon so lange nicht mehr, dass es das wert ist 🙂

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