USA

La Jolla und Coronado

18. Februar 2014
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Das klingt wie Spanien. Oder bei meinem momentanen Aufenthaltsort USA eher nach einem Abstecher ins benachbarte Mexiko. Aber dem ist nicht so. Ich bin zwar irre nah an Mexiko dran, aber ich befinde mich nach wie vor in den Vereinigten Staaten, und zwar in San Diego.

Gestern brauchte ich einige Zeit, bis ich herausfand, wie ich von meinem Motel in Downtown San Diego mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach La Jolla komme. Dort will ich mich mit einem Freund treffen, den ich bei meinem Trip in Indien kennen gelernt habe. Dort verbrachten wir drei Tage gemeinsam in Gokarna und seither halten wir Kontakt. Daniel ist Amerikaner und kommt eigentlich aus der Gegend von Washington, ist aber auch gerade auf Reisen in der Nähe von San Diego. Was also liegt näher als ein Treffen? Ich finde heraus, dass ich mit dem Bus Nummer 30 direkt nach La Jolla fahren kann, nachdem mir die Webseite des Verkehrsverbundes zunächst einen wahnsinnig umständlichen Trip über Santee vorgeschlagen hatte, was ungefähr 20 Meilen außerhalb von San Diego liegt. Dies hätte mich zwei Stunden Zeit gekostet. Mit dem Bus sollte es in exakt einer Stunde gehen. Das klang gut und ich schoß noch ein Foto von der Straßenkarte, damit ich am nächsten Tag unterwegs auch den genauen Abfahrtsort leicht finden kann.

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Um spätestens 11 Uhr sollte ich den Bus nehmen, um noch eine halbe Stunde Puffer zu haben. Doch ich gehe auf Nummer sicher. Ich will lieber den um 10.45 Uhr nehmen und damit ich auch wirklich genug Zeit habe, gehe ich um kurz nach 10 am Motel los, hole mir ein Wasser und nen Muffin zum Frühstück im Shop neben dem Motel und laufe in Richtung Bus. Doch dort, wo die Bushaltestelle in der Karte vom Verkehrsverbund eingezeichnet ist, ist keine Bushaltestelle des Bus Nummer 30. Ich befinde mich aber genau am eingezeichneten Spot. In der 11th Ave, Kreuzung zur E St. Glücklicherweise habe ich die Map so abfotografiert, dass ich noch erkennen kann, was darunter als Abfahrtsort steht. Dort steht 9th, B St. Ich weiß wo das ist, also laufe ich eben da hin, ich habe ja noch Zeit und es ist nicht weit. Dann komme ich an der Bushaltestelle an und schaue auf den Plan, auf dem steht „Sundays no service“. Ich hatte gestern bei meiner Suche sogar das Datum eingegeben und extra am Computer gecheckt, welches Datum wir denn eigentlich haben. Vielen Dank, liebes Verkehrsunternehmen für mehrere falsche Angaben innerhalb einer Suche.

Doch wie komme ich jetzt nach La Jolla? Ich denke über ein Taxi nach und frage einen Taxifahrer, wie viel das denn kosten würde. Ich habe 37 Dollar in der Tasche, aber alleine die Fahrt würde 45 Dollar kosten. Er fragt mich wie viel ich habe, und er würde mich auch für 37 fahren, bietet er mir an. Ich lehne ab, denn vielleicht brauche ich heute ja auch noch ein paar Dollar für Getränke und Essen. Es schlägt mir dann vor, mit dem Trolley (Straßenbahn)  nach Oldtown zu fahren und von dort mit dem Bus.

Na gut, dann versuche ich das. Als ich an der Trolley Station ankomme sehe ich gerade die richtige Bahn davon fahren. Die nächste geht in 20 Minuten. Da ich aber umsteigen muss und es auch einen weiteren Umsteigepunkt gibt, nehme ich die Bahn in die andere Richtung und hoffe, dort mehr Glück zu haben, auch wenn es ein kleines bisschen weiter ist. Ich steige am Umsteigepunkt aus und sehe gerade die richtige Bahn davon fahren. Was für ein misslungener Tag….

Ich warte also auf die nächste Bahn und versuche, Daniel irgendwie Bescheid zu geben, dass ich später komme. Doch es gibt kein Wifi. Dann wird eben doch mal der Flugzeugmodus beendet und Netz gewählt, eine sms für fast 2 Dollar versendet. Dies war auch nur möglich, weil ich auch ohne Netz auf meinen Facebookmessenger zugreifen konnte, in dem ich Daniels Nummer fand. Fünfzehn Minuten später kam dann die Bahn und in Oldtown stieg ich aus, fand auch gleich die Hinweisschilder in Richtung Busse. Der Taxifahrer sagte mir, ich müsse den Bus Nummer 50 nehmen, doch der war nirgends angeschrieben, 150 aber. Vielleicht hatte ich mich ja verhört, dachte ich und laufe in Richtung Busse. Und was sehe ich da stehen? Den Bus Nummer 30!!! Das ist doch der, den ich hätte nehmen sollen. Er fährt also auch sonntags, allerdings nicht bis nach Downtown. Als wir endlich an meiner Haltestelle ankommen ist es schon ein paar Minuten nach dem vereinbarten Treffpunkt um 12.30 und ich renne den restlichen Kilometer, den ich noch zurückzulegen habe. Ich komme am Museum of Contemporary Art an, wo wir uns treffen wollten und kann Daniel nirgends sehen. Hat er möglicherweise meine sms nicht bekommen und ist wieder gegangen, weil ich 15 Minuten zu spät war? Dann sehe ich ihn auf der anderen Straßenseite auf mich zukommen. Er entschuldigt sich, er hat 20 Minuten lang einen Parkplatz gesucht. Nun, ich bin ganz froh, dass er auch zu spät war. Und ich bin noch froher, dass ich viel zu früh losgegangen bin und einen Zeitpuffer von 1,5 Stunden hatte. Denn ich habe mehr Puffer gebraucht als das und insgesamt 2:45 für das Abenteuer „nach La Jolla kommen“ gebraucht.

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Dann geht es los und wir erkunden La Jolla und ich bin sofort hin und weg! Da liegen ja wirklich Seelöwen am Strand rum, und nicht nur zwei oder drei, sondern der ganze Strand ist voll davon.

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Wir betrachten sie von verschiedenen Standpunkten aus und beobachten sie eine ganze Weile. Mit genug Abstand sehen sie wirklich süß aus. Ein paar haben richtig große Wunden, zu nahe möchte ich ihnen definitiv nicht kommen. Direkt neben einem Felsen, auf dem einige Seelöwen liegen und auch immer wieder unruhig werden, sind zwei Schnorchler unterwegs. Ich glaube, das wäre mir eine Nummer zu heftig.

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Ich habe die Seelöwen noch nicht richtig zu Ende beobachtet, da sagt Daniel „da sind Pelikane“. Ich habe vorher noch nie Seelöwen in freier Wildbahn gesehen, und das gleiche gilt für Pelikane. Was für ein Tag für mich! Ich mag Pelikane, sie sehen so angenehm anders aus als andere Vögel. Nicht dass ich Vögel nicht mögen würde, im Gegenteil. Aber Pelikane weichen extrem von der Norm ab. Sie erinnern mich an Dinosaurier, ein wenig an den Archaeopterix. Ich versuche, nah an die Pelikane heran zu kommen, um bessere Bilder zu machen, doch das erweist sich als ganz schön schwierig. Auch ist es kaum möglich, schnell genug zu fokusieren, wenn ein Pelikan über einen hinweg fliegt und man das im Bild festhalten möchte. Meine besten Versuche zeige ich dennoch.

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Während wir unterwegs sind erzählen wir uns einige unserer letzten Erlebnisse und es ist, als würden wir uns regelmäßig treffen. Dabei ist es schon beinahe ein Jahr her, dass wir zusammen unterwegs waren. Wir schlendern an der Küste entlang und dann irgendwann wieder in Richtung Museum, besuchen noch eine Galerie von Peter Lik auf dem Weg. Ein gigantischer Fotograf, und es ist tragisch, dass seine Bilder so unheimlich teuer sind, denn davon würde ich mir sicherlich einige aufhängen. Ich kann nur Jedem einmal empfehlen, nach Peter Lik zu googeln, oder noch besser: eine seiner über die Welt verteilten Galerien zu besuchen, denn so wirken die Bilder nochmal ganz anders.

Langsam bekommen wir Hunger, doch in La Jolla ist es uns ein bisschen zu teuer. Daniel fragt mich, ob ich eigentlich schon bei einem In-n-out-Burger war. Nein, war ich nicht. Da dies typisch kalifornisch sei, müsse ich unbedingt hin, sagt er. Kalifornier schwören darauf, und wenn sie sich außerhalb von Kalifornien befinden, sprechen sie ständig davon, wie sehr sie das vermissen. Diese Kette gibt es nicht überall, und da dort nur frische Zutaten auf den Tisch kommen (keine Zutat darf vorher gefroren sein) und die alle aus Los Angeles angeliefert werden, liegen die Burgerrestaurants alle an schnellen Verkehrswegen. Wir googeln und eines ist in machbarer Entfernung. Wir steigen ins Auto und fahren hin, geleitet von einem sehr robotermäßigen Navigationssystem.

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Die Karte von In-n-Out ist einfach, es gibt nur vier Gerichte (Doubleburger, Cheeseburger, Hamburger, Fritten), ein paar Getränke und Shakes. Ich wähle den Cheeseburger und einen Vanilleshake. Wasser gibt es kostenlos dazu, mit Eis und Zitrone. French Fries teilen wir uns, und auch die sind nicht aus der Packung sondern aus frisch zerteilten Kartoffeln. Man schmeckt den Unterschied.

Im Anschluss überlegen wir noch, was man zusammen machen könnte, wobei ein Auto hilfreich wäre und es dauert nicht lange, bis wir auf Coronado kommen. Coronado ist eine kleine dem Hafen von San Diego vorgelagerte Insel, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Auch per Fähre ist sie zu erreichen, doch wenn wir schon ein Fahrzeug haben, nutzen wir es auch.

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Zunächst fahren wir an den Strand, der laut vielen Informationsquellen der beste Strand in der Gegend sein soll. Außerdem befindet sich dort ein großes Resorthotel, das als Filmkulisse für Hollywoods „Manche mögens heiß“ mit Marilyn Monroe  und Jack Lemmon diente. Ich bin also schon wieder auf Filmspuren unterwegs.

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Der Strand selbst ist unheimlich groß, sowohl was Länge als auch Breite angeht. Zwar sind viele Leute hier unterwegs, aber auf Grund der Größe verteilt sich alles und so hat man nicht das Gefühl, an einem überlaufenen Strand unterwegs zu sein.

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Nach einiger Zeit am Strand und einer Entscheidung gegen den Sonnenuntergang, weil der Himmel wenig spektakulär dafür aussieht, fahren wir auf die andere Seite der Insel, um noch bei Tageslicht einen Blick auf San Diegos Skyline werfen zu können, die von hier aus am besten zu bestaunen sein soll. Wir empfinden die Skyline für kleiner als wir sie uns vorgestellt haben, gleichzeitig ist das aber auch das Schöne an San Diego. San Diego ist weitläufiger und man sieht viel mehr blauen Himmel, bekommt viel mehr Sonnenstrahlen ab als beispielsweise in Los Angeles. In San Diego bin ich auch in der Dunkelheit in Downtown unterwegs, ohne mir Sorgen machen zu müssen oder eine Situation als unangenehm zu empfinden. Natürlich gibt es auch hier Armut und auch hier sind Obdachlose und Drogensüchtige auf den Straßen unterwegs. Aber es liegen Welten zwischen Los Angeles und San Diego.

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Dann deutet sich in die andere Richtung schon an, dass der Sonnenuntergang möglicherweise doch lohnenswert gewesen wäre, doch ich kann ihn nur noch mit dem Handy auf der Brücke einfangen.

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Daniel ist so lieb, mich zu meinem Motel zu fahren und so geht ein super Tag zu Ende. Der Start war holprig, doch es hat sich absolut gelohnt. Auch an dieser Stelle nochmals: Vielen Dank, Daniel! Ich freue mich schon darauf, dich auf dem nächsten Kontinent zu treffen!

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