Naturparadies Fränkische Schweiz

26. März 2017
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Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade #vorderHaustür von 1 Thing To Do.

Reisen verbindet man oft automatisch mit Meer oder Bergen. Das passiert auch mir immer wieder. Dementsprechend gibt es eine ganze Menge an Orten, die vermeintlich unattraktiv sind. So wie mein Heimatort Nürnberg. Dieser bietet zwar geschichtlich selbst Einiges, wovon manches gut und manches eher erschreckend ist, aber er ist hunderte Kilometer von sämtlichen Meeren entfernt (die Ostsee und die Adria sind ungefähr gleich weit weg) und auch die nächsten Gebirge Fichtelgebirge und Bayerischer Wald geschweige denn die Alpen sind eine gute Fahrtstrecke entfernt. Der näheste ernstzunehmende See kippt im Sommer recht regelmäßig und verursacht bei mir persönlich auch noch jedes Mal einen nässenden und juckenden Hautausschlag. Brachland also?

Unweit von Nürnberg aber liegt die Fränkische Schweiz. Klettersportlern ist sie sicher ein Begriff, ansonsten ist sie aber ein stark unterschätztes Erholungsgebiet. Obwohl ich selbst schon einige Male dort zu Gast war, war mir lange Zeit nicht bewusst, wie viel in der Fränkischen Schweiz möglich ist.

Einige Jahre war ich in verschiedensten Ferien mit Jugendgruppen als Betreuer hier und durfte dabei eine Menge Aktionen erleben. Dennoch verschwand die Fränkische Schweiz durch all die fernen Wunschziele beinahe ganz aus meinem Bewusstsein. Erst vor Kurzem habe ich sie wieder hervor gekramt und wurde dann von ihrer Schönheit und Vielfältigkeit überrascht.

Die fränkische Schweiz ist ein Kletterparadies. Es gibt eine Vielzahl an Kletterfelsen, das Rotpunktklettern fand hier unter dem leider auch hier verunglückten Kurt Albert seine Anfänge. Bei einigen Felsen haben wir schon Kletterer beobachtet und an vielen auch von unten stehend eine Möglichkeit gesucht, wie man theoretisch nach oben kommen könnte. Für gewöhnlich blieb uns das ein Rätsel. Dennoch sind auch für Nicht-Kletterer die Felsen imposante Merkmale der Natur.

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Mit dem Höhenglücksteig gibt es hier im Bereich der Hersbrucker Schweiz auch einen sehr bekannten Klettersteig, der auf vielen Plattformen als der schönste Klettersteig deutscher Mittelgebirge angepriesen wird. Ich selbst habe ihn nie probiert, so weit konnte ich meine Höhenangst (leider) noch nicht überwinden. Ich hatte aber Jugendliche und Kollegen dort, und alle waren sie begeistert. Auch die Bilder waren wunderbar.

Außerdem bietet die Fränkische Schweiz mehrere Hochseilgärten, der wohl bekannteste befindet sich in Betzenstein. Er hat wunderbare Bahnen, in die man sich einklinkt und dann viele Meter einfach fährt, wie beim Ziplining. Beispielsweise überquert man das Schwimmerbecken des örtlichen Freibads.

Freibäder gibt es mehrere, besonders nennenswert ist jedoch nur eines: das Naturgartenbad Pottenstein. Im Volksmund wird es als Felsenbad bezeichnet. Schon als Kind war ich hier zu Besuch. Hier ist nur ein Teil des Naturbads auch beschwimmbar, der Rest ist Biotop direkt unterhalb einer Felswand. Die Eintrittspreise sind moderat, vor Allem im Vergleich mit den städtischen Schwimmbädern der Region.

In Pottenstein gibt es auch noch das Juramar, ein Freizeit- und Erlebnisbad im kleinen Stil. Das Schwimmbad ist ganz schön in die Jahre gekommen, an einigen Stellen bröckelt der Putz und Renovierungs- oder zumindest Verschönerungsarbeiten wären wirklich empfehlenswert. Positiv heraus heben kann man hier aber den Saunabereich, und der war für uns ausschlaggebend. Nach einem Wandertag mit vielen Kilometern in den Beinen konnten wir hier wunderbar die Muskeln entspannen und die Seele baumeln lassen. Besonders die Dachterrasse und die Außensauna hatten es uns angetan.

Die Wiesent beginnt als kleiner Bach und wird immer tiefer und breiter, so dass sie rund um Muggendorf gut mit dem Kanu befahren werden kann. Nur selten muss man das Kanu umtragen, im Schlauchboot sind wir auch schon mal einen „Abhang“ einfach runter gefahren. Bei Ebermannstadt sorgt sie immer wieder für heftiges Hochwasser, doch so weit fährt man für gewöhnlich gar nicht.

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Das Wanderwegenetz der fränkischen Schweiz ist weit verzweigt und auch mit Nürnberg verbunden. Beispielsweise bin ich auf dem fränkischen Jakobsweg schon am Rande der Region entlang gewandert und über Kalchreuth bis Nürnberg gekommen. Besser ausgeschildert sind jedoch die Wege rund um Pottenstein, das sich generell aus Ausgangsbasis für eine Aktivzeit anbietet. In diesem Jahr haben wir schon mehrere Wanderungen rund um Pottenstein unternommen und überall die wunderbare Natur genossen. Nur so eine kurze Strecke weg von der Großstadt und doch eine andere Welt.

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Empfehlenswert ist es, das Obere Püttlachtal in mindestens eine Wanderung mit einzubeziehen. Der kleine Fluss verläuft sehr ursprünglich und bringt uns an mehreren Felsen vorbei, beispielsweise der hohen Nase, wo wir wieder einmal überlegen, wie man hier die nächste Klettersicherung erreichen könnte, ohne dazwischen ungesichert zu sein. Am Adamsfelsen, an der Geiskirche und am Großen Hasenloch wurden auch immer wieder archäologische Funde aus der Steinzeit gemacht. Den Erzählungen nach gibt es auch einen unterirdischen Tunnel von der Burg Hollenberg ins Tal, dieser wurde jedoch noch nicht gefunden. Es gibt also auch noch etwas zu tun.

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Die Wege sind oft familientauglich. Einige Wege können sogar mit Kinderwägen befahren werden, die in meinen Augen wirklich schönen Wege sind jedoch die kleinen Trampelpfade. Steigungen sind vorhanden, aber sehr moderat – daher für Jedermann geeignet.

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Besonders interessant sind die vielen Höhlen, die man auch besichtigen kann. Eine der größten Tropfsteinhöhlen Deutschlands befindet sich in Pottenstein, die Teufelshöhle. Sie ist in Führungen zu besichtigen und besonders für Kinder ein Spektakel. Zuletzt habe ich zwei amerikanische Freunde durch die Höhle geführt und Beide waren begeistert. Viele Gebilde dort sind speziell beleuchtet, und einige sind alleine durch ihre Größe imposant. Es geht einige Gänge und Treppen bergab und wird empfindlich kühl. Ich war ein mal im T-Shirt in der Höhle, davon kann ich Jedem nur abraten. Als besonders schön empfinde ich den Ausgang der Höhle mitten in grün bewachsenen Felsen.

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Eine andere große Tropfsteinhöhle ist die Binghöhle, auch sie kann besichtigt werden. Sie wurde vor gut zehn Jahren restauriert und gilt als eine der modernsten Schauhöhlen Deutschlands. Wir waren einmal mit einer Kindergartengruppe dort, die Führung war perfekt auf die Kinder abgestimmt und die Schar war fasziniert! Die dritte Schauhöhle im Bunde der Tropfsteinhöhlen ist die Sophienhöhle. Ich war einmal als Schüler dort und erinnere mich an einen recht imposanten Eingang, der direkt ein riesengroßer unterirdischer Raum ist.

Als Spektakel habe ich auch die König-Ludwig-Höhle empfunden. Diese wurde zum Anlass des Königsbesuchs leider bearbeitet, zum Beispiel wurden Durchgänge erweitert. Dennoch ist sie noch unglaublich sehenswert. Sie hat eine große Eingangshalle und ist eher eine Felsengrotte. In ihr finden immer wieder Konzerte statt, wirklich schön empfinde ich sie aber nur, wenn man wenig Licht verwendet und sie mit ein oder zwei Lampen bestrahlt.

Auch Führungen durch etwas engere Höhlen sind in der Fränkischen Schweiz möglich. Mit Helm und Klettergurt sieht die Gemütlichkeit dann schon etwas anders aus, und so habe ich auch schon kleine Teilstücke kriechend zurück gelegt und bin durch Spalten gegangen. Dabei musste ich jedoch leider feststellen, dass das gar nichts für mich ist, obwohl es schon unglaublich interessant war. Manche Streckenabschnitte sind aber schwer zu gehen, so dass man einen ortskundigen Führer dabei haben sollte, so zum Beispiel in Wundershöhle, Witzenhöhle und Rosenmüllershöhle.

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An meinem Junggesellinnenabschied waren wir am Rand der Fränkischen Schweiz unterwegs. Es gibt mehrere Bierwanderwege, doch der berühmteste ist der sogenannte „Fünf-Seidla-Steig“, den wir auch gemacht haben. Es handelt sich um einen relativ kurzen Rundweg. Dennoch sollte man einen ganzen Tag einplanen, denn man möchte in den Brauereien ja auch probieren und eine Weile sitzen. Wir waren zum Saisonauftakt bei grottigem Wetter unterwegs, nass und kalt, und trotzdem war es ein hervorragendes Erlebnis. Begonnen haben wir in Weißenohe im dortigen Klosterbräu, wo Mancher noch zaghaft war, ich aber direkt früh um kurz nach 9 Uhr mit einem Rotbier startete. Nicht weit von der Brauerei gibt es auch eine Schnapsbrennerei. Schnaps ist ja gar nichts für mich, aber für manche meiner Begleitungen. Also klingeln wir an der Schnapsklingel und uns wird geöffnet. Wir erhalten eine ausführliche Beratung und dürfen alles testen worauf wir Lust haben. Wenn ich Schnaps trinke, dann reicht es mir meist (eigentlich immer) schon beim Geruch. Egal wie oft mir schon gesagt wurde „der ist ganz mild, der brennt nicht im Hals“ und ich auf den Wahrheitsgehalt dieser Aussage vertraut habe, so oft wurde ich auch eines Besseren belehrt. Ich bekomme Hustenanfälle, Tränen in den Augen und Würgreiz. Bei jeglichem Schnaps. Die einzige Ausnahme jemals stellen die Hochprozentigen der Weißenoher Schnapsklingel dar.

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Als es nach dem Besuch dort erst einmal eine Weile bergauf geht, bereue ich jedoch den Konsum schon und merke die Wirkung des Alkohols. Zum Glück ist noch etwas Zeit bis zur nächsten Brauerei in Gräfenberg. Die nächste Station will über Treppen erklimmt werden und bietet einen Biergarten mit herrlicher Aussicht, das Bergschlösschen der Brauerei Friedmann. In Gräfenberg gibt es noch eine weitere Brauerei, doch wir machen einen kleinen Fehler! Unsere nächste Einkehr ist nämlich nicht die zweite Brauerei sondern der Gasthof Friedmann. Dementsprechend müssen wir einen dritten Stop machen, denn wir wollen ja alle Brauereien auf dem Weg besuchen. Mittlerweile ist es Mittagszeit, so dass wir im Lindenbräu auch deftig und hervorragend typisch regional zu Mittag essen. Am Nachbartisch befindet sich noch eine Truppe eines Junggesellenabschieds, und lustigerweise handelt es sich dabei um den letzten freien Tag eines ehemaligen Klassenkameraden, so dass wir ein paar mal gemeinsam anstoßen und für seine Aufgaben ein paar BHs ausleihen. Im Anschluss verlassen wir Gräfenberg in Richtung Thuisbrunn und kommen nach einer langen Passage im Wald – wo mich beinahe ein Ast erschlägt, der von oben herab fällt, während ich ein paar Liter Bier wieder abgeben musste – nach Hohenschwärz zum meiner Meinung nach besten Bier des Weges. Allerdings sind wir ziemlich erfroren und trinken lieber Kaffee. Als die älteren Herrschaften um uns herum mitbekommen, was der Grund unserer Tour ist, dürfen wir von jedem Bier am Tisch probieren. Den Genuss hole ich ein paar Wochen später auf dem fränkischen Bierfest in Nürnberg nach, wo diese Brauereien auch mit Ständen anwesend sind. Weiter geht es aber zur letzten Brauerei in Thuisbrunn, dem Elch-Bräu. Hier ist es gerammelt voll und wir holen nur die Trophäe, für die wir an jeder Station einen Stempel ergattert haben, den bedruckten Krug. Dieser ist nun eines meiner Heiligtümer und eine Erinnerung an einen wunderbaren Tag. Den Rückweg sind wir aus Zeitgründen im Taxi angetreten, so dass wir den 18km langen Rundweg auf gut die Hälfte verkürzt haben. Durch die vielen Einkehren haben wir für den Weg jedoch trotzdem 8 Stunden benötigt.

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Es gibt noch eine Vielzahl anderer kleiner Brauereien, die ich aber noch nicht probiert habe. Was auf jeden Fall noch aussteht ist die Brauereiwanderung von Waischenfeld nach Aufseß. Man besucht hier die recht bekannte Brauerei Krug, die besonders für ihr dunkles Bier bekannt ist. Zudem macht man Station an der Kathibräu, die ein über die Grenzen hinaus bekannter Motorradtreffpunkt ist. Ich war ein mal dort zu Gast und alles war voll mit Bikern und Bikes. Ein Traum!

Die fränkische Schweiz hat auch einen Tafelberg, im Volksmund liebevoll Walberla genannt. Der Gipfel ist von Kirchehrenbach am leichtesten zu erreichen.

Je länger ich schreibe, desto mehr erlebte Dinge fallen mir wieder ein, die Aktivitätsmöglichkeiten hier sind so unglaublich vielfältig, dass ich noch Wochen brauchen würde, um sie alle ausführlich zu beschreiben. Deswegen nenne ich jetzt noch einige: Golf, Soccer-Golf, Sommerrodelbahn, Sternwarte, Segelfliegen, Mountainbiken, Geocaching, Burgen besichtigen, Windbeutel essen (mehrere Bäckereien sind dafür berühmt! Ich empfehle das Café Greif in Gößweinstein), Segway fahren, Heißluftballon fahren, Boot fahren, Minigolf, Fossilien klopfen, Paragliden. Als Ausgangspunkt empfehle ich den Ort Pottenstein. Er liegt relativ zentral, hat ein anständiges Preisniveau und bietet durch die sogenannte Pottensteiner Erlebnismeile eine Vielzahl an Aktivitäten.

 

Weil es hier in diesem Artikel oft so klingt muss ich nun etwas besonders betonen: wir wurde in der fränkischen Schweiz noch nie von einem Hotel oder Veranstalter oder gar einem Tourismusbüro eingeladen. Jeden meiner dortigen Ausflüge haben wir selber finanziert. Wir haben für diesen Artikel kein Geld und keine Sachleistungen erhalten. Ich bin einfach nur begeistert und würde jeder Familie einen Aufenthalt hier empfehlen. Eine Woche kann man hier sicher problemlos mit Aktivität füllen, wir waren teilweise drei Wochen mit Jugendgruppen hier.

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