Stockholm

12. Januar 2015
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Mit dem Zug geht es von Härnösand nach Stockholm. Es sind ungefähr 500 Kilometer zu bewältigen und die Fahrt zieht sich ganz schön. Das doofste an der ganzen Geschichte ist das Reservierungssystem der schwedischen Bahn. Wenn man zwei Plätze bucht, wird man automatisch im Zug platziert. Das heißt aber nicht, dass man auch nebeneinander sitzt. Es ist auch nicht so, dass ich zu doof wäre, das System zu verstehen. Man kann die von der Bahn getroffene Vorauswahl einfach nicht ändern.

Demnach sitzen Carina und ich wieder nicht nebeneinander. Sie sitzt eine Reihe vor mir. An jedem Stop hoffen wir, dass einer der Plätze neben uns frei wird. Das Beste ist eigentlich, dass neben uns auch ein Pärchen sitzt – hintereinander. Diesmal ist es uns nicht gegönnt, den Platz wechseln zu können. Unser Nachbarplatz ist jeweils besetzt, die komplette Strecke. Wir sitzen wenigstens direkt hintereinander. Es gibt aber auch Pärchen, die quer durch das Abteil verteilt sind.

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Auf der Fahrt wurden viele viele Bilder geknipst, doch durch die Scheiben und die Geschwindigkeit des Zugs leidet die Bildqualität enorm. Ein paar nette Knipser bekommen wir aber hin. Interessant ist vor Allem, dass es zwar immer später wird, die Sonne am Himmel aber immer weiter steigt. Von Flügen kenne ich das, dass man den Sonnenuntergang mehrfach erlebt. Dass ein Zug nach Süden aber auch so schnell ist, das war mir nicht bewusst. Dann wurde es aber doch dunkel, allerdings ungefähr eine Stunde später als das in Härnösand der Fall war.

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In Stockholm werden wir dann dreist. Eigentlich geht unser Ticket nur bis Arlanda, was deutlich vor Stockholm liegt. Wir beschließen, dass wir einfach im Zug sitzen bleiben auf gut Glück. Die Tickets wurden schon kontrolliert und auf den letzten beiden Stationen ging zwar noch Jemand durch die Abteile und fragte nach Zugestiegenen, doch die neben mit sitzende neu zugestiegene Dame und ihr schräg gegenüber sitzender Gatte zeigten dabei auch keine Tickets. Also wollten wir das auch einfach versuchen für den Weg von Stockholm Arlanda nach Stockholm Central. Wir spielten in Arlanda bzw schon kurz davor schlafend, so als hätten wir den Stop einfach verschlafen. Es funktionierte wunderbar, Niemand versuchte überhaupt noch Tickets zu kontrollieren auf den letzten 20 Minuten. Am Hauptbahnhof stiegen wir dann aus und nahmen uns ein Taxi. Das Geld, was wir für das Zugticket gespart hatten investierten wir nun also gleich in ein anderes Transportmittel.

Ganz schnell erreichten wir unser Hotel. Wir kamen im Motel L unter, das zwar etwas abseits der Sehenswürdigkeiten liegt, aber eine sehr gute öffentliche Anbindung hat. Ich hatte mir einige Hotels angesehen und mich am Ende auf Grund des Designs der Zimmer und des recht niedrigen Preises hierfür entschieden, und das stellte sich als hervorragende Entscheidung heraus! Wir betraten die Lobby mit sehr großzügigem Sitzbereich und waren erst mal von der Rezeption überrascht. Milchglas, durch LEDs beleuchtet in verschiedenen bzw wechselnden Farben. Eigentlich eine ganz simple Sache, doch gerade jetzt bei Dunkelheit wirkt das toll. Wir checken ein und besuchen unser Zimmer. Es liegt im dritten Stockwerk. Im Aufzug muss man seine Chipkarte an einen Leser halten, sonst wird man nicht in den dritten Stock gelassen. Der Aufzug bewegt sich schlicht gar nicht. Wir haben ja aber eine Karte. Im Hotelflur gibt es dezente Entspannungsmusik.

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Das Zimmer dann ist erstaunlich. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein gebuchtes Zimmer wirklich so aussieht, wie es auf den Fotos des Buchungsportals abgebildet war. Da wurde nichts gephotoshopt oder dergleichen. Wir mochten die Tapete über dem Bett und die Lichtleisten, aber am meisten mochten wir das Bad! Auch das Bad war in einem sehr ähnlichen Design gehalten mit einer Grafik hinter einer Glaswand. Wir hatten eine Rainshower, die wirklich angenehm war. Ich kenne die Dinger in Hotels eigentlich nur verkalkt und mit unangenehm festem Strahl, doch hier war die Dusche ein Genuss! Ich bin ein Schnellduscher, doch das hier lud zum Verweilen ein. Genialer Bonus: der Boden aus Mosaikfließen war beheizt. Eine Fußbodenheizung im Bad, sowohl am Waschbecken als auch im Duschbereich selbst. Wenn ich mal groß bin, will ich sowas auch haben!

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Erfrischt geht es dann wieder in die City. Wir laufen erst ein Stück bis zur U-Bahn. Wir hätten auch die Tram nehmen können, doch wir haben noch so viel schwedisches Bargeld, dass wir nicht mit Karte zahlen wollten. Dies war am Automaten die einzige Möglichkeit. Laufen ist ja aber auch nicht verkehrt. Dann geht es noch für drei Stationen in die U-Bahn, auf der kleinen Insel Gamla Stan verlassen wir die Bahn wieder. Hier befindet sich Stockholms Altstadt.

Gamla Stan ist eine Mischung als alten Gebäuden, Kramladen, Restaurants, Cafés, engen Gassen und toller Beleuchtung. Es erinnert mich an Salzburg mit den kleinen Gassen und Läden. Gleichzeitig auch an die Altstadt von Palma auf Mallorca. Die Gassen selbst und die Läden sind Salzburg, die Häuser und die Farben sind Palma. Doch: es ist Stockholm!

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Stockholm überrascht mich. Ich hatte es eher so vermutet wie Oslo, doch es wirkt viel größer und es ist gaaanz anders! Oslo mit hochmodernen futuristisch wirkenden Bauten, einem recht weitläufigen Stadtkern mit viel Licht und breiten Wegen, gepaart mit einzeln stehenden historischen Prachtwerken. Doch hier in Stockholm ist es gemütlich, angenehm familiär und vom Empfinden her viel weniger steril.

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Zunächst stöbern wir durch einige Läden. Carina möchte Wichtel mitnehmen, denn der Wichtel Tomte ist hier der Weihnachtsmann. Das haben wir in Härnösand schon erfahren. Hier in Stockholm gibt es dann an Souvenirs wirklich alles was das Herz begehrt. Das meiste davon allerdings zu sehr stattlichen Preisen. Alles Andere hätte uns aber auch verwundert. Wir finden Wichtel, und natürlich finden wir auch was mit Elchen. Wir kaufen noch ein paar schwedische Toffees für die Familienmitglieder, die zuhause geblieben sind und schlendern durch die Gassen. Ich mag schwedisches Design. So schlicht wie die Möbel sind, so bunt sind die Klamotten. Es gibt eine Menge an Haushaltsartikeln, die ich mir auch im eigenen Zuhause gut vorstellen könnte. Am Ende werden es aber nur zwei Buttermesser. In Schweden ist es beim Frühstück nämlich so, dass nicht Jeder sein eigenes Besteck hat, mit dem er sich an den verschiedenen Sachen bedienst sondern dass die Dinge mit Besteck versehen sind. Die Buttermesser sind keine schneidenden Messer sondern eher hölzerne Spatel in Messerform. Wir mochten das System und da es auch bei uns zuhause keine feste Butter gibt sondern nur gesalzene Kaergarden passen die schwedischen Buttermesser ja ganz gut.

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Nach etwas Shopping und Stöbern und Altstadt einfach genießen, die Eindrücke auf uns wirken lassen, kommt unser Highlight – das Abendessen. Von einem Freund wurde uns das Texas Longhorn empfohlen. Es handelt sich hier um eine Kette, wir finden auch auf Gamla Stan ein Restaurant. Ich muss dazu sagen, dass es so gar nicht nach Kette aussieht. Carina wählt Surf&Turf zum stolzen Preis von 395 schwedischen Kronen (durch 9, dann hat man den Preis in Euro), ich entscheide mich für das Lammfilet. Eben dies wurde mir empfohlen. Dazu gibt es Salat, Pommes und Maiskolben. Da ich aber Mais nicht mag bitte ich um einen Tausch gegen Coleslaw. Den mag ich nämlich sehr gern. Auf dem Tisch gibt es eine selbstgemachte Steaksauce in einer Flasche mit Bügelverschluss. Ich mag solche Nicht-Standard-Dinge. Außerdem gab es ein Onionrelish. Wir waren gespannt!

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Dann wurde unser Essen serviert und wir waren schon davon begeistert. Carina war etwas überfordert mit dem Hummer ihres Gerichts bzw mit dem Auseinandernehmen des Selbigen. Vielleicht hätten wir zuvor mal ein „Wie isst man Hummer“-Tutorial ansehen sollen. Am Ende hat sie es aber doch geschafft, das gute Stück zu knacken und an das Fleisch zu kommen. Sowohl Steak als auch Hummer mundeten hervorragend. Und das gleiche kann ich von meinem Lamm behaupten! Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon Lamm bekommen habe, was ziemlich zäh war oder flachsig. Doch das hier war absolut zart und perfekt medium. Genau so habe ich es mir erträumt! Die selbst gemachte Knoblauchbutter passte perfekt und noch besser: das Onionrelish war ein Traum! Die Steaksauce ähnelte einer Barbecuesauce und schmückte unsere Fritten. Die Portionen waren absolut in Ordnung. Da es sich heute um unseren letzten Urlaubstag handelte, beschlossen wir ordentlich auf den Putz zu hauen und noch einen Nachtisch zu nehmen. Carina entschied sich für den Käsekuchen nach amerikanischer Art und ich für ein Applecrumble und machten halbe/halbe. Der Käsekuchen war nicht so mein Fall, weil ich diese Art einfach nicht so gerne mag. Die Käsemasse muss für mich ganz locker sein, so wie bei Mamas Kuchen 🙂 Der ist ja wahrscheinlich sowieso der Beste aller Zeiten. Mein Apfelteil war jedoch absolut mein Ding! Zum Reinlegen! Dazu gab es Irish Coffee. Man gönnt sich ja sonst nichts. Am Ende legten wir 150 Euro hin für diesen Abend. So sind die Preise hier in Schweden.

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Nach dem Essen war es dann schon Zeit zur Rückkehr ins Hotel, denn wir sehnten uns nach Schlaf. Die beinahe ständige Dunkelheit und der lange Tag auf Schienen machten müde. Beim Hotel ging es noch schnell in den Supermarkt nebenan, ein paar Mitbringsel und Dinge für uns selbst fehlten ja noch. Auch um die Ecke des Hotels wäre übrigens ein Texas Longhorn gewesen. Und ein Stück Hafenpromenade. Doch das noch zu erkunden fehlte uns die Energie. Es war sicher nicht unser letztes Mal in Stockholm. Noch zu viel haben wir gar nicht gesehen, und sowieso alles ja nur bei Dunkelheit.

Am nächsten Morgen wachten wir entspannt und recht fit auf. Das Frühstück im Hotel hatten wir am Vorabend spontan noch dazu gebucht, mit einem Preis von 7,50 pro Person kann man nicht viel falsch machen. Und es war wirklich die richtige Entscheidung! Das Buffet war absolut in Ordnung. Sicher habe ich auch schon mehr Auswahl gesehen, doch aus jeder Richtung gab es etwas und mal abgesehen vom Gebäck gab es auch überall mehrere Varianten zur Auswahl.

Die Koffer waren schon gepackt, nun mussten wir nur noch unser Zimmer verlassen. Das taten wir dann auch. Während Carina nochmal schnell zum Tabakladen sprang, weil uns aufgefallen war, dass wir Snus vergessen hatten, bestellte ich ein Taxi. Es gibt direkt neben der Rezeption einen Terminal, an dem man sich selbst ein Taxi holen kann via Touchbedienung. Egal ob zu einem bestimmten Zeitpunkt oder sofort. Man erhält dann eine Reservierungsnummer und es liegt ein Block und ein Stift bereit, um sich diese zu notieren. Ich erhielt die Auskunft, dass das Taxi ungefähr fünf Minuten bräuchte, bis es am Hotel war. Also bestellte ich sofort. Und drei Minuten später stand das Taxi vor der Tür. Wir ließen uns zum Bahnhof bringen direkt an den Busterminal.

D0rt holten wir uns Tickets für den Flygbussarna, einen Shuttleservice zu verschiedenen Flughäfen. Unserer sollte nach Arlanda gehen. Im Bus hinter uns dann ein paar halbwüchsige deutsche Jungs. Die hatten nichts besseres zu tun als sich breit zu machen, sich gegenseitig anzupöbeln und ihre Freundin als „meine Alte“ zu bezeichnen. Da bin ich noch in Schweden und schon rufen mich deutsche Vollidioten beinahe zurück in den Arbeitsalltag. Mit ein bisschen Zuspruch von Carina schaffe ich es ruhig zu bleiben und bin froh, als wir am Flughafen weg können von diesem -Verzeihung – asozialen Pack.

Wir waren etwas zu früh da, checkten aber schon ein und bummelten langsam durch den Shoppingbereich des Flughafens. Ich habe doch inzwischen viele Flughäfen gesehen, doch für einen Flughafen dieser Größe ist das Einkaufsareal sehr umfangreich und großflächig. Beinahe hätte ich mir noch BjörnBorg-Unterwäsche gekauft, weil diese unheimlich farbenfroh ist. Doch dann war es mir doch zu teuer. Carina hat an mehreren Stellen noch etwas Geld gelassen. Dann machten wir uns auf dem Weg zum Gate und hatten noch eine halbe Stunde Zeit, die wir bei Starbucks genau gegenüber des Gates verbrachten. Und dann begann das Zittern!

Unsere Maschine kam zu spät aus Frankfurt in Stockholm an. Das bedeutete, dass sich der Flug laut Anzeige um 40 Minuten verschieben würde. Wir hatten eine Komplettzeit von 1:30 zum Umsteigen in Frankfurt. Wenn man jetzt bedenkt, dass es ja auch immer eine Weile dauert, bis man nach einer Landung das Flugzeug verlassen hat und bis zum anderen Gate kommt, kann man schon nervös werden. Vor Allem wenn es offiziell heißt, man habe eine Verspätung von 20 Minuten, wo man auf der Uhr doch etwas ganz Anderes sehen kann! Wir landen ungefähr 45 Minuten nach der geplanten Zeit in Frankfurt. Wir fliegen mit Lufthansa und alle LH-Flüge gehen vom gleichen Terminal, so dass uns immerhin ein Wechsel des Terminals erspart bleibt, doch wir müssen vom hintersten A-Gate an eines der B-Gates. Und das ist ein weiter Weg! Wir nutzen die Laufbänder und gehen sehr zügig, müssen zwei mal das Stockwerk wechseln und eilen schier endlos! Dann ist es geschafft, sieben Minuten vor Boarding sind wir am richtigen Gate. Perfekt also! In Frankfurt startet das Boarding pünktlich, doch dann werden wir mit dem Bus wirklich ans äußerste Ende des Flughafens gefahren. Das Beladen der Maschine verzögert sich, und dann muss natürlich auch das Flugzeug über den ganzen Airport rollen, bis es mal zu einer Startbahn kommt. So landen wir dann doch deutlich verspätet in Nürnberg. Generell gab es in Frankfurt an diesem Tag wohl noch massig Verspätungen auf Grund des Schneechaos vom Vortag. So ganz kann ich diese Begründung nicht nachvollziehen. Mit dem Service bei Lufthansa und den durchaus freundlichen und hilfsbereiten Flugbegleitern waren wir übrigens sehr zufrieden, weniger mit den Sitzen. Die Plastikverschalung ist so dünn, dass mir mehrfach ordentlich in den Rücken gedrückt wurde. Sehr unangenehm!

In Nürnberg genossen wir dann noch einen speziellen Service. Meine Eltern holten uns vom Flughafen ab und fuhren uns nachhause. Mit im Gepäck hatten sie bereits fertig gekochtes Abendessen inklusive Dessert und Salat. Und noch besser: sie selbst hatten mittags nur eine Kleinigkeit gegessen, um am Abend mit uns gemeinsam essen zu können. Darüber haben wir uns Beide sehr gefreut!

Einen ähnlichen Service hätten wir übrigens eigentlich in Stockholm genießen dürfen. Von Blacklane Limousines gab eine Kooperationsanfrage an mich. Ich sollte den Service testen und wenn ich zufrieden war, sollte ich sie positiv erwähnen. Ich hatte zugesagt und wollte den Service in Stockholm nutzen. Per Mail hieß es, das sei gar kein Problem, ich müsse mich nur registrieren und dann die genauen Strecken/Zeiten bekannt geben, dann erhielte ich Buchungsgutscheine. Ich habe das Geforderte erledigt und erhielt keine Buchungscodes. Im Gegenteil, ich erhielt bis heute keine Antwort mehr. So ein Limoservice wäre natürlich auch was tolles gewesen. Ich habe es natürlich nicht eingesehen, den Service zu buchen auf Grund der vorherigen Abmachungen, die nicht eingehalten wurden. Wenn Blacklane mit den Limousinen genauso zuverlässig ist wie mit der Organisation, dann gute Nacht 🙂

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