Zensierte Reisebilder

24. November 2017
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Auf dem Reiseblog Yummy Travel wurde zu einer spannenden Blogparade aufgerufen, an der ich mich gerne beteilige. Es geht um das unperfekte Reisebild. Auf Blogs sieht man unabhängig von der Sparte so gut wie immer perfekte Bilder. Für Reiseblogs bedeutet das möglichst gutes Wetter und eine absolut entspannte Pose. Solche Momente gibt es auf Reisen ja auch zur Genüge. Es gibt aber auch die anderen Momente, und davon mindestens genau so viele. Die Fotos, die wir normalerweise nicht zeigen, die gibt es jetzt, und zwar aus den unterschiedlichsten Situationen. Eine Uncut-Version sozusagen. Manchmal sind solche Bilder einfach nur unvorteilhaft, so wie auf dem Titelbild. Es gibt aber auch noch viel größere Katastrophen.

Ein Bild habe ich neulich schon auf Facebook gepostet, und gerne wiederhole ich das hier. Es stammt aus unserem Aktivurlaub in Kramsach im Sommer und entstand dort auf dem Weg bergauf zum Berglsteiner See. Es war unheimlich heiß und wir waren durch eine Toilettenpause hinter die Gruppe zurück gefallen und wollten sie wieder einholen. Das kostet natürlich Kraft. Und so sehe ich auch aus!

Häufig wird das Bild gezeichnet, dass sich Reiseblogger sozusagen permanent im Himmel befinden. Ich sehe das etwas anders. Wir erleben wahnsinnig viele tolle Sachen und können viel genießen, aber das erfordert oft auch etwas Einsatz. Gerade bei langen Flügen und anstrengenden Sightseeing-Touren (die wir häufig zu Fuß machen) kommt man hierbei oft an seine Grenzen und sieht dann auch dementsprechend aus. Ich finde das nicht schlimm, es gehört für mich zum Reisen dazu. Ich entscheide ja frei, was ich für einen Trip auf mich nehmen will. Ich gehe dabei auch häufig an die eigenen Grenzen oder sogar ein kleines Stück darüber, aber das ist es mir dann eben auch wert. Mein Heimweg von Indien zum Beispiel hat 32 Stunden gedauert. Angefangen hat es  mit dem TukTuk zum ersten Flughafen in Cochin. Von dort bin ich nach Mumbai geflogen und habe dort die Nacht am Flughafenboden verbracht. Der nächste Flug ging nach Istanbul, wo ich dann weitere sieben Stunden warten musste, weil mein Flugzeug Verspätung hatte. Als ich zuhause ankam, war ich natürlich absolut platt. Ich kann dabei noch ein kleines bisschen mehr wegstecken als Carina. Fotos mit erschöpften Gesichtern gibt es von uns Beiden daher haufenweise.

Auch haben wir schon häufig am Flughafen geschlafen. Es gab eine Zeit, in der ein Rückflug von London nach Nürnberg nur früh um 7 Uhr möglich war. Da man ja entsprechend früher am Flughafen sein muss und die Anfahrt auch einige Zeit in Anspruch nimmt, habe ich grundsätzlich auf eine letzte Nacht im Hotel verzichtet und bin irgendwann zwischen 23 und 1 Uhr mit dem Bus zum Flughafen gefahren. Ein bisschen schlafen im Bus und ein bisschen am Boden des Flughafens. Auch in Stuttgart habe ich mal eine komplette Nacht am Flughafen auf einer Bank verbracht. Und gerade bei langen Flügen ist es dann auch nicht ungewöhnlich, dass wir die Umsteigezeit zum Schlafen nutzen.

Interessant wird es dann auch, wenn man sich wirklich erholt fühlt und das dann auf einem Foto ganz besonders ausdrücken will, im Optimalfall noch gepaart mit Genuss. Dann wird es beinahe unmöglich, noch ein gutes Foto zu machen. Es sieht irgendwie immer verkrampft aus. Besonders deutlich wurde das auf Bali in Tejakula, wo wir auf einer Terrasse saßen, über das Meer schauten und eine Shisha genossen. Wir waren wirklich entspannt. Auf den Fotos sah ich aber entweder aus wie eingeschlafen oder wie zugedröhnt. Dabei hatten wir einfach ganz normalen Apfeltabak in der Wasserpfeife.

Am schwierigsten ist es – so glaube ich – genussvolle Bilder beim Essen zu fotografieren. Irgendwie sieht man dabei immer besonders dämlich aus. Möglicherweise haben wir ein Talent dafür, dabei besonders dämlich zu schauen. Das kann natürlich auch sein. Beispielsweise habe ich mich im Vorfeld der Flitterwochen auf Bali sehr auf die tropischen Früchte gefreut. Früchte die hier einfach nur so halb schmecken. Ich dachte immer, dass ich Ananas gerne mag. Dann habe ich einmal eine Ananas in Indien gegessen und seitdem verschmähe ich das, was sich in Europa Ananas nennt. In tropischen Gefilden mag ich auch Wassermelonen. Ja, die haben einen Geschmack! Unglaubliche Vorfreude wich schnell der Erkenntnis, dass auch auf Bali die Früchte zu früh geerntet werden und gar nicht so schön geschmackvoll und süß sind. Meine erste tolle Ananas hatte ich dann auf Gili Air und fand das wirklich grandios. Leider sieht das dann so aus:

Essen ist aber auch bei nicht besonders ausgeprägtem Genuss ein schöner Herd für unbrauchbare Fotos, die mindestens unvorteilhaft wirken, meist aber auch wirklich grauenhaft aussehen und nur für einen Lacher gut sind, definitiv aber nicht für einen Blogbeitrag, mal abgesehen von diesem hier.

Sehr häufig kommen auch technische Fehler vor. Gerade bei speziellen Geschichten wie 360-Grad-Bildern oder Panoramaaufnahmen sogar unvermutet oft. Meist versuchen wir es dann mehrere Male, bis wir eben auch eine brauchbare Aufnahme haben. Es gab aber auch schon den Fall, dass die Aufnahme auf der Kamera in Ordnung aussah, respektive die Bildschnipsel von der Kamera in der Anzeige richtig zusammen gesetzt wurden, der Computer das aber nicht konnte. Du merkst also erst zuhause, dass das gewünschte Foto nicht da ist.

Techniches Versagen geht aber auch anders. Dabei spielt das Licht eine große Rolle und der Ort. Auf Bali haben wir einen Wasserfall besucht. Dorthin habe ich natürlich nur meine Unterwasserkamera mitgenommen. Die Spiegelreflex sollte da nicht einfach rumliegen, während wir im Wasserfall schwimmen, und nass werden sollte sie auch nicht. Also die Kompaktkamera in der Unterwasserhülle. Die Kamera an sich ist schon in Ordnung, aber wenn es dann dunkel wird, dann bekommt sie schon Probleme. Noch schwieriger ist dunkel und nass, denn sie setzt dann ihren Blitz ein. Und dieser wird vom Wasser stark reflektiert. Zum Ändern der Einstellungen müsste ich sie aus der Hülle holen, was Nässe bedeutet. Die Gischt dort war so stark, dass ich auch die Linse nicht richtig abtrocknen konnte, so dass wir bei jedem Fotoversuch Wassertropfen im Gesicht hatten. Je genervter man dann von den Versuchen wird, desto schwieriger ist ein nettes Foto. Aber sieh selbst:

Wasser spielt ja generell eine große Rolle in unserem Leben. Sowohl das Schwimmen als auch das Tauchen hat es uns angetan, wir beide sind absolute Wasserratten. Manchmal möchte man aber trotzdem nicht rein fallen, vor Allem wenn es ein Foto über dem Wasser werden soll.

Wir haben auch viele Fotos von uns, die unter Wasser aufgenommen wurden. Alleine durch die Tauchermaske sieht das dann häufig etwas seltsam und verzerrt aus. Besonders dämlich wird es aber, wenn man den Lungenautomaten noch im Mund hat und sich im Profil fotografiert. Von vorne noch erträglich, von der Seite ein Graus. Klar war da unten alles okay, so wie Carina es eben anzeigt. Spätestens als ich mich auf dem Foto aber dann betrachtet habe war nicht mehr alles okay.

Da wäre außerdem natürlich immer wieder den Klassiker mit dem Daumen. Der passiert natürlich nicht mit einer anständigen Kamera, mit dem Smartphone aber ab und zu schon. Am meisten haben wir dieses Problem unter Wasser, wenn Handschuhe getragen werden. Mit den Handschuhen ist es schwer, eine kleine GoPro so in der Hand zu halten, dass der Handschuh nicht auf dem Bild zu sehen ist. Aber versagen können wir auch ohne Handschuh!

Eine häufige Quelle für grottenhafte Bilder ist das von mir so verhasste Hochformat. Es fängt schon damit an, dass es nicht zum Bildformat passt. Auf dem Smartphone funktioniert das, aber nicht auf dem Monitor oder auf dem Fernseher. Und wenn man mal ehrlich ist, auch auf dem Smartphone ist ein Querformatfoto um Welten besser, man muss einfach das Smartphone drehen und alles ist gut. Hochformat geht vielleicht bei Bäumen oder bei Laternen oder Hochhäusern. Aber nur äußert selten im Alltag. Wenn man dann trotzdem im Hochformat fotografiert, dann landet sehr viel unbedeutendes auf dem Foto (wie zum Beispiel die Tischplatte vor einem) und eigentlich Wichtiges wird rausgeschnitten (wie zum Beispiel der Meereshintergrund). Carina war lange Zeit ein Meister der Hochformatfotos und hat das inzwischen glücklicherweise verändert. Aus der alten Zeit habe ich aber auch noch einige Beispiele.

Wenn dann noch die natürlichen Elemente eine Rolle spielen, wird das Ganze noch eine Nummer schlimmer. Die Haare stehen irgendwie, die Klamotten stehen seltsam ab oder sind auch einfach klatschnass. Oder die Sonne blendet. Meist merke ich das auch noch rechtzeitig und beschwere mich, aber Carina drückt trotzdem auf dem Auslöser. Vielleicht wusste sie schon, dass ich irgendwann einmal so einen Beitrag schreiben würde. Sie selbst ist aber auch sehr kritisch was Fotos von ihr angeht. Wir Beide brauchten wohl etwas Übung, um den jeweils Anderen so zu fotografieren, dass dieser zufrieden ist. Mit unangenehmen Zusammenspiel der Elemente sehen Fotos dann eben auch nicht mehr nach Genuss aus. Wobei das natürlich ein bisschen von der Ursache abhängt, auf dem klatschnassen Foto war ich durchaus vergnügt.

Bei unserem Aufenthalt in Brüssel haben wir im Vorfeld viele Fotos gesehen, wo Menschen eine der Kugeln des Atomium sozusagen in der Hand halten. Wir haben versucht, diese Bilder nachzustellen. Es scheiterte schon bei der Erklärung, wie die Hand denn zu halten sei. Die Vorstellung im Kopf ist dabei noch sehr einfach, das dann in Worte zu bringen schon viel schwieriger, und diese Worte dann auch noch von einer anderen Person in die Tat umzusetzen ist anscheinend unmöglich. Wir haben jedenfalls sehr schnell aufgegeben. Und auch sonst hatten wir am Atomium nicht das größte Fotoglück. Oder wie erklärt man sonst, dass mein Gesicht unten im Bild nur etwas ins Eck gequetscht sehen ist und dabei auch noch leicht grenzdebil wirkt.

Carina und ich haben anscheinend auch beide ein Talent, besonders dämlich zu schauen, sobald eine Kamera in unsere Nähe kommt. Ein paar Beispiele von dieser Theorie habe ich natürlich auch gesammelt. Das lässt sich anders einfach wirklich nicht mehr erklären.

 

Carina hat sich inzwischen darauf spezialisiert, mich beim Fotografieren zu fotografieren. Auf Facebook gab es schon einmal ein Demonstrationsvideo, wie so ein Bloggerfoto entstehen kann. Wir wollten unsere Wrightsocks zeigen und kletterten dafür ein wenig auf die Almwiese, mussten nochmal Platz tauschen, setzten uns zwei Mal in eine Distel und am Ende flog noch ein Schuh bergab davon, zum Glück nur ein paar Meter. Solche Fotos haben wir inzwischen in einer Häufigkeit, dass sie sogar zu einem Neologismus in unserer gemeinsamen Sprache geführt hat. „Du hast mich ja schon wieder paparazzit!“, und das dann auch noch in netter Pose. Wonach das aussieht, darf sich jeder selbst erschließen.

Was auch oft zu blöden Bildern führt ist die Perspektive. Da werden Beine auf einmal seltsam kurz, Sitzpositionen fürchterlich ungemütlich. Das bequemste war es jetzt sowieso nicht am Boden, aber nachdem wir vorher schon stundenlang durch Eurodisney gelaufen waren, war ich dankbar für diese Pause. Eigentlich habe ich aber ganz normal lange Beine. Und merke: Fotos von unten sind eine ganz schlechte Idee! Die Krux an der Sache ist: ein Selfie sieht eigentlich nur von schräg oben einigermaßen nach etwas aus. Dabei sieht man aber um die Person herum nur den Boden, nicht den Hintergrund. Ich will das Foto ja aber nicht um mich selber abzulichten, sondern um mich mit dem Hintergrund gemeinsam abzulichten. Die einzige Chance sind also Selfies leicht von unten. Dabei brauchen wir im Normalfall viele Versuche, bis wir mit einem Foto einigermaßen zufrieden sind. Das hier gezeigte gehört definitiv nicht dazu.

Zum Abschluss dann noch ein Foto aus einer besonders spannenden Kategorie. Fotos von Mensch und Tier. Diese Kombination kann toll sein, kann aber auch sehr lustig werden. Besonders wenn der fotografierte Mensch ein wenig ängstlich ist – zwar wahnsinnig vernarrt in Tiere, aber wehe sie bewegen sich dann mal schnell oder gar mit dem Kopf in Richtung der Hand. Dann wird die Angst unüberwindbar groß, die Hand wird ruckartig weg gezogen, meist gepaart mit einem kleinen Schrei und einem passenden Blick. Und manchmal sieht man die Angst auch schon beim Versuch der Berührung.

Das war nun also meine Auswahl aus peinlichen, unperfekten, versagenden und einfach schlechten Fotos. Möglicherweise wiederhole ich diese Idee einmal oder veröffentliche zumindest auf Facebook einmal ein besonders blödes Foto.

Weitere Beispiele von anderen Bloggern findest du natürlich in der Blogparade vom Yummi Travel. Mitgemacht haben beispielsweise 2OnTheGo, Salty Toes, die PhotoTravellers, Ferngeweht und Reisewut. Viel Spaß beim Lachen!

11 Comments

  1. Ich habe auch schon Bilder rausgesucht, aber ob ich noch einen Beitrag schaffe. Ich finde ja, es ist alles eine Frage der Perspektive. Das Bild, wo Du mit Deiner Freundin drauf bist, finde ich nicht peinlich, das ist super süß!

    • Vielen Dank! Ich mag persönlich meinen Blick so gar nicht. Das hat übrigens Katja gemacht, das Bild. Und: Wir sind sogar verheiratet 😉

  2. Hallo Naninka,

    sehr schön unperfekte Schüsse hast du da rausgesucht. Ich habe herzlich gelacht, besonders über das Schaukelbild und über das Taucherbild.
    Das Bild von euch beiden finde ich übrigens auch gar nicht schlimm, im Gegenteil! Aber man selber hat ja meist eine andere Sicht auf so etwas.

    Liebe Grüße
    Gina

  3. Hallo Naninka,
    wow, da sind super Fotos dabei,w ie aus dem Leben!!! Ich erinnere mich auch an interessante Szenen von mir bei meinen Reisen, zum Glück gibt’s da nicht immer Fotos davon… Mal schauen, ob ih es zeitlich auch noch schaffe. Die Aktion finde ich klasse.
    wie Gudrun finde ich übrigens das Foto von Euch beiden süß!

  4. Klasse! Ich liebe Fotos, die eigentlich nicht für alle gedacht sind. Wir haben aus einem Urlaub nur Bilder von unserer Tochter, bei denen sie uns die Zunge rausstreckt. Zuerst habe ich mich darüber geärgert, aber im Nachhinein passt es zu ihrer Haltung von damals. Bilder von meinem Mann zeigen ihn fast immer beim telefonieren und arbeiten…
    Danke für diese Eindrücke von euch!
    Lieben Gruß, Susanne

  5. Herrlich! Diese Blogparade ist wirklich die Beste seit langem. Lange nicht mehr so gelacht. Hab Euch gleich mal in unserem Beitrag verlinkt.
    LG

  6. Hach, vielen Dank für den Lacher am Abend! Respekt, dass ihr diese vielen Fails zeigt – ich hätte die gar nicht parat, weil ich solche Unfälle meistens sofort lösche, Digitalfotografie sei Dank;-)
    Auf jeden Fall ist das die beste Blogparade der letzten Jahre!

    Liebe Grüße
    Jenny

  7. Servus Naninka,

    super coole Fotos, wie sie das Leben schreibt. Herrlich und toll, dass ihr die Bilder zeigt, sehr sympathisch 🙂

    Liebe Grüße
    Flo

  8. Sehr schön! Meine Favoriten sind Carina auf dem Fisch und du als Wiedehopf auf der Schaukel. 😀

    Je mehr Teilnehmerbeiträge der Blogparade ich mir ansehe, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass ich offenbar kein richtiger Reiseblogger bin. Von mir gibt es überhaupt nur so wenige Fotos. Lustige habe ich kaum. Nur ein paar doofe. 🙂

    Liebe Grüße,
    Lena

    • Na, die doofen Fotos eignen sich doch wunderbar 🙂

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