Stuck in Tilburg

Freitag Morgen um 7 Uhr.
So gar nicht meine Zeit. Doch um 7 Uhr musste ich am Abfahrtsort stehen. Hieß, dass ich zuhause um halb Sieben eingesammelt werde (muchas gracias), mit frisch vom Bäcker besorgten Crossaints. Ansonsten ist der Rucksack eher mit alkoholischen Dingen gefüllt. Man sagte mir, es werde eine heftige Fahrt. Man spreche aus Erfahrung…. zum Crossaint werfe ich noch eine Diclofenac ein, den falsch sitzenden Wirbel hat man mir am Vorabend bereits wieder an die richtige Position geschoben. Ich will ja aber heute noch Fußball spielen, sollte mich also zumindest bewegen können.
Die Fahrt ist zunächst sehr still, ich scheine nicht die Einzige zu sein, deren Zeit 7 Uhr morgens nicht ist. Also wird erst mal noch ein bisschen geschlafen, dann macht es aber doch plopp. Ich outete mich als Unwissende, ich kannte Hugo nicht. Folgerichtig war das erste Getränk natürlich ein Hugo. Es folgte noch ein bisschen was, bis wir in den Niederlanden ankamen, was sich auf Grund diverser Staus auch deutlich verzögerte. Wir haben es aber nicht übertrieben und waren dementsprechend noch fit.

Angekommen in Breda quartieren wir uns im Campanile Hotel etwas außerhalb ein. Die Gänge versprühen den Charme einer Jugendherberge, die Zimmer und Bäder sind aber absolut in Ordnung. Wir haben auch gar nicht groß Zeit, das holländische Team wartet schließlich auf uns. Also nur noch schnell Zähne putzen. Ich greife in die Tasche, in der all meine Hygieneartikel sind und schreie auf. Blut läuft von meiner Fingerspitze quer über meine Hand. So schnell kann ich gar nicht reagieren, ist die ganze Hand voller Blut. Ich renne ins Bad, schnappe mir Klopapier und drücke auf den Finger. Meine Zimmernachbarin reagiert promt und besorgt Pflaster. Ich frage mich zunächst, was ich mit einem Pflaster will. Doch nach ein paar Minuten lässt die Blutung zumindest so weit nach, dass ich nachsehen kann, wie schlimm es ist. Ja, da fehlen mir irgendwie 4 Millimeter Finger, die Fingerkuppe schräg abgesäbelt. Wie ich das gemacht habe? Ich habe in den -dämlicherweise- offen in der Tasche liegenden Rasierer gegriffen. Wir schaffen es, das Pflaster über die Fingerkuppe zu kleben und ich drücke weiterhin noch mit darüber liegendem Klopapier. Nach einer guten halben Stunde Drücken ist die Blutung gestillt. Schmerzhaft ist es gar nicht, es pulsiert nur. Na gut, dann also pünktlich zum Spiel wieder einsatzbereit. Noch ein Tape über das Pflaster geklebt mit etwas Druck, so dass auch bei Belastung nichts passiert und dann rein in die Trikots, aufwärmen und los gehts.

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Das Spiel geht mit 3:5 verloren, wir machen einfach zu viele blöde Fehler und die Raumaufteilung ist gelinde gesagt suboptimal. Dennoch haben wir Spaß und geben Alles. Für uns Mädels ist es unter den Jungs im Team eh schwierig, in einem Laufduell hat eine Frau einfach keine Chance gegen einen Mann. Dennoch hauen wir uns voll rein bis zum Ende.

Nach dem Spiel gibts ein Barbecue im Vereinsheim, und das lohnt sich wirklich! Absolute Genüsse!

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Dazu gibts fleißig Bier. Als das Vereinsheim schließt (ich hab in meinem Leben vorher noch kein Vereinsheim gesehen, was so früh schließt), machen wir uns auf den Weg nach Breda. Denken wir zumindest. Uns wird erklärt, dass es auf Grund der blöden Busfahrtzeiten geschickter ist, mit dem Bus nach Tilburg zu fahren, um dann von Dort den Zug nach Breda zu nehmen. Wir kämen so wohl schneller wieder in Breda an. Nun gut, dann tun wir das eben.

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Der so schöne Plan geht aber leider nicht auf. Die Züge nach Breda sind nämlich alle Intercities mit Zuschlag und man rät uns in Tilburg dann, doch mit Bussen zurück zu fahren. Wir erfahren wo und wann die Busse fahren. In der Zwischenzeit wären wir längst in Breda gewesen, wenn wir schlicht am Vereinsheim auf den anderen Bus gewartet hätten. Aber das konnte ja keiner ahnen. Als die Busse dann endlich ankommen erklären uns die Fahrer, dass dies die letzten Busse seien und die nicht bis Breda zu rück fahren sondern nur bis ein paar Kilometer vorher. Das stand nirgends vermerkt, sagte uns auch Keiner. Juhu, stuck in Tilburg. Insgesamt saßen wir fast zwei Stunden dort. Wir nehmen dann doch einen Intercity, Tickets können wir dafür aber nicht kaufen. Das geht nämlich nur mit Kleingeld, und davon haben wir nicht mal annähernd genug. Unser „Reiseleiter“ ist aber so eloquent, dass wir dafür nicht belangt werden. Dankeschön!

Endlich wieder in Breda angekommen hilft uns dann noch das Wetter, es schüttet aus Kübeln! Wir lassen uns aber die Laune nicht mehr verderben, der Galgenhumor hat längst jeden überwältigt. Nach einem Fußmarsch in die City, bei dem uns von einem Jugendlichen erklärt wird, dass wir uns den falschen Ort ausgesucht haben, wenn wir tanzen wollen, springen wir in die erste Bar, die Coyote Ugly Bar.
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Dort bleiben wir dann nahezu oder ganz bis zum bitteren Ende und teilen uns im Anschluss einige Taxen zurück ins Hotel. Interessant daran: die ersten beiden Taxen fuhren exakt zeitgleich ab und kamen zeitgleich am Hotel an. Sie fuhren den ganzen Weg hintereinander her. Taxi 1 kostete 9,80 Euro. Taxi 2 kostete 16,60 Euro. Warum zum Donner?

Den Rest der Nacht verbrachten meine Zimmerkollegin und ich mit Quatschen und Singen. Bis wir das Gefühl hatten, dass man langsam mal das Licht löschen und schlafen könnte. Also Licht aus: scheiße, das ist ja ohne Licht genauso hell wie mit…. 6 Uhr…. noch zwei Stunden…  na dann gute Nacht!

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