Alanya pauschal

26. Januar 2014
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Eigentlich ist mir das ja fast ein bisschen peinlich. Ich Interrailer, Couchsurfer, Backpacker buche eine Pauschalreise. Lange glaube ich, dies ist die erste Pauschalreise, die ich selbst buche. Doch dann fällt mir Tunesien wieder ein, das war auch pauschal. Allerdings ist das schon so lange her, dass es fast schon nicht mehr zu meinem Leben zählt. Ich war 17. Glaub ich.

Nun ja, ich will in die Sonne. In Nürnberg ist alles grau und ich fühle mich auch drei Wochen nach meiner Rückkehr aus Indien total fehl am Platz. Irgendwie ist alles falsch und furchtbar langweilig. Es sind die fremden Eindrücke, die mir wahnsinnig fehlen. Glücklicherweise habe ich in der Woche, in der mein Geburtstag liegt immer Urlaub. Den hab ich sozusagen gepachtet. Und wenn in Deutschland alles doof ist, dann eben raus! Wohin? Keine Ahnung. Ich habe keinen Nerv, mir alles zusammen zu suchen. Ich starte das ein paar mal auf der Ryanair-Seite und lande fast in Malaga. Doch dann ist mir das irgendwie alles nicht richtig passend. Ich durchsuche einige Onlineanbieter nach Pauschalmüll und auch da sagt mir nichts ordentlich zu. Ich schiebe das darauf, dass ich eigentlich gar nicht weiß was ich will. Am liebsten Tauchen und Surfen, aber ich hab nur eine knappe Woche Zeit. Alle Wunschdestinationen sind zu weit weg, das lohnt sich ja mal gar nicht. Ich flieg ja keine 15 Stunden für 4 oder 5 Tage Aufenthalt. Und dann sollte es eigentlich auch noch günstig sein. Ich hab schließlich dieses Jahr noch mehr vor.

Da ich aus dem Internet nichts finde, fahre ich zum Flughafen und lasse mich ein bisschen beraten. Dann geht alles ganz schnell. Eine Buchung auf Anfrage. Der Mitarbeiter ruft aber extra beim Hotel in der Türkei an und fragt nach, ob Zimmer frei sind. Sind sie, also alles kein Problem. Er druckt aus, ich unterschreibe und dann soll in Kürze die Bestätigung da sein. Allerdings kommt die Ablehnung! Der Service des Flughafenbüros ist allerdings hervorragend. Ich bekomme einen Anruf und zeitgleich eine E-Mail mit einem Alternativangebot, das nur 15 Euro teurer ist, die gleichen Flugzeiten hat. Ich checke das Angebot kurz und sage am Handy bereits zu, er soll das für mich buchen. Noch während ich ihm das auch per E-Mail schriftlich gebe, flattert mir schon ebenfalls per Mail die Buchungsbestätigung ins Haus. Ich überweise sofort online und antworte dann nochmal per Mail. Denn ich weiß ja gar nicht wie das geht, Pauschalreisen. Wie komm ich denn jetzt an meine Buchungscodes für den Flug? Und meine Reservierungsbestätigung fürs Hotel und so weiter. Der Vekäufer lacht sich innerlich wahrscheinlich schlapp, antwortet aber sehr höflich und erklärt mir, dass ich alles per Post geschickt bekomme. Und sollte es bis Montag nicht da sein, soll ich mich melden. Ich habe bei 5vorFlug am Flughafen gebucht, und die haben diese Schleichwerbung wirklich verdient 😉

Eine Woche später geht es dann los. Meine Unterlagen sind pünktlich gekommen. Meine Sachen sind erstaunlich früh gepackt. Anstatt wie sonst 2 Stunden vor Abfahrt mache ich das bereits zwei Tage vorher. Es reicht der Indien-Rucksack, und der ist ungefähr halb voll. Um 4 Uhr klingelt mein Wecker und kurz darauf steige ich ins Taxi zum Flughafen. Öffentliche fahren um diese unchristliche Uhrzeit noch nicht. Am Flughafen läuft auch noch alles rund. Gepäck gebe ich nicht auf, alles mit ins Flugzeug. Ich vergesse, meine ganzen Flüssigkeiten in einen extra Beutel zu packen, merkt aber Keiner. Scheint so wichtig also nicht zu sein. Auch muss ich weder Jacke noch Hose noch Schuhe ausziehen. Es piepst nicht mal. Tja. Irgendwas hatte ich in Indien wohl falsch gemacht.

Wir steigen alle ein, heben ab. Läuft alles rund. Dann ruckelt es ganz schön, ziemlich wolkig. Ich sitze weit hinten und habe guten Blick auf die Tragflächen. Der Kapitän fährt die Bremse aus und ich wundere mich. Direkt nach dem Start sind wir eine Kurve geflogen, haben Erlangen umrundet und sind dann an Nürnberg vorbei in Richtung Regensburg geflogen. Doch plötzlich drehen wir weiter und das Flugzeug wird auf dem Bildschirm in Richtung Nürnberg angezeigt. Wir sinken außerdem spürbar. Ich frage mich gerade „was tut der da, wo will der hin?“ als eine Durchsage kommt. Wir haben beim Start einen Vogelschwarm erwischt. Das passiert an sich relativ häufig. Die Chance dass dabei aber wirklich was kaputt geht ist so hoch wie die, einen Lottogewinn zu erzielen. Bei uns ist ein Triebwerk leicht beschädigt und eines der Luftdruckmessgeräte. Theoretisch könnte man wohl schon fliegen, aber es ist nun mal was kaputt, und das gleich zu Beginn des Fluges. Wir drehen und landen wieder in Nürnberg. Dann sitzen wir erst mal ne knappe Stunde im Flieger und das Personal wartet auf Informationen ob die Maschine nun repariert wird oder ob wir einen Ersatzflieger bekommen. Letzteres ist dann der Fall. Dieser Flieger steht gerade in Berlin und fliegt dann zu uns nach Nürnberg, man rechnet mit noch ungefähr zwei Stunden Wartezeit.

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Letztendlich geht es dann um 11.30 Uhr los. In der Zwischenzeit gab es von airberlin absolut nichts. Kein Verzehrgutschein, keine Getränkedose, kein Sandwich. Einfach nichts. Echt schwach. Ich mein, an Flughäfen zu warten bin ich nun wirklich gewohnt, aber ein bisschen mehr Service hätte es schon sein können.

Nun gut, mit deutlich Verspätung komme ich in Antalya an. Für diese Destination habe ich mich übrigens nur auf Grund der perfekten Flugzeiten entschieden. Es gab auch andere Möglichkeiten, wo der Flieger so gegen 8.30 Uhr ging. Die hatte ich abgelehnt – zu spät. Nun fliege ich deutlich später, aber immerhin safe. Und da kann nun wirklich Niemand was dafür. In Antalya angekommen habe ich natürlich viel Zeit zum Transfer suchen. Ich bin ein wenig aufgeregt. Wie geht denn Transfer finden eigentlich? Normalerweise geht man zu nem Busstand oder eben zum Zug oder dergleichen. Ich klappere die Stände ab und finde mein Reisebüro. Dort werde ich als erstes gefragt, was denn mit unserem Flug passiert ist und direkt weiter zu einem Bus geschickt. Mache es mir im Bus bequem und warte, warte, warte. Meine Lieblingsbeschäftigung für heute, anscheinend.

Als der Bus dann endlich voll ist (eine Stunde) geht es los. Mein Hotel wird als Letztes angefahren und der Weg dorthin wird wohl noch 2:30 dauern. Gut drei Stunden später bin ich im Hotel, nachdem ich mit dem Bus den Eindruck gewann, dass ganz Side (wo wir Horden von Urlaubern ablieferten) aus einer Baustelle und großen Luxushotelklötzen besteht. Man wird mich später noch vom Gegenteil überzeugen wollen. Es dauert unter Anderem so lange, weil ich in Alanya erst mal zum falschen Hotel gebracht werde. Es gibt nämlich noch ein Schwesternhotel, doch dort bin ich nicht untergebracht, obwohl ich an der Rezeption stehe. Als ich dann am richtigen Ort ankomme ist wieder alles ganz easy. An meinem Arm hängt nun ein All-Inclusive-Bändchen – Freibrief.

Kaum sind die Formalitäten erledigt gibt Essen, wurde auch Zeit. Es ist 19 Uhr und ich bin seit 4 Uhr auf den Beinen. Das Flugzeugsandwich habe ich dummerweise verpennt. Ich habe Hunger! Erwähnenswert hierbei der Wettstreit der beiden Waiter um meine Aufmerksamkeit oder gar um mich. Sie gehen so weit, dass sie am Ende sogar meinen Tee zu zweit bringen. Einer die Untertasse und den Löffel mit dem Zucker und der Andere den Tee in der Tasse. Das geschieht aber auf eine nicht aufdringliche sondern süße Art und Weise, so dass es okay ist.

Nach dem Essen gehts in Richtung Strand. Dort sind ewig viele Hunde unterwegs. Die sind gerade ein wenig mit Revierkämpfen beschäftigt und so ist es doch relativ unangenehm dort. Zum Strand sind es nur ein paar Meter, aber dennoch schaffe ich es auf dem Rückweg, eine Travel Agency zu finden. Dort wird Hamam gebucht. Und später ein paar Bier am Abend. Dieses Bändchen, und so…

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Am nächsten Morgen (und ich bin nicht (!!!!) vom Muezzin aufgewacht, der um 5:30 sang) genieße ich das Frühstück und danach geht es ab in den Bus zum Hamam. Abholservice am Hotel. Wow, Pauschaltourismus hat auch was Gutes. Im Hamam bekommen wir ne Einführung und dann geht es los. In der Türkei trägt man Badekleidung aus religiösen Gründen. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig für deutsche Saunagänger. Aber auch nicht störend oder dergleichen. Der Ablauf ist in allen Hamams ein wenig unterschiedlich. Ich bin im größten Hamam Alanyas und hier ist es folgendermaßen:
Zuerst geht es in die finnische Sauna (und es zeigt sich wieder das Phänomen, dass ich einfach nicht schwitze, außer meine rechte Hand, die das seit dem Bruch tut wie am Fließband). Danach duschen und im Anschluss ins Jakuzzi. Danach zwei verschiedene Dampfbäder. Das erste ist supergeil, es brennt überall. Die Augen, die Atemwege und irgendwann sogar die Haut (so viel zum Thema Neid, liebe Anita. Kampfer – das ist nichts für dich. Also nicht so schlimm, dass du nicht dabei warst). Ohne Dusche geht es dann direkt in das zweite Dampfbad, welches mich doch einige Male Husten lässt. Es  riecht nach gar nichts und ist einfach nur stickig. Auch danach darf man nicht duschen sondern geht direkt zum Peeling. Das Baumwolltuch, was man am Anfang bekommt dient auf Unterlage auf dem wirklich heißen (da kann sich das Palm Beach mal ne Scheibe abschneiden) Stein. Alleine das dort Liegen ist angenehm. Irgendwann kommt ein junger Mann mit einem Handschuh und warmen Wasser und ich werde abgerubbelt. Unglaublich, wie viel Haut dabei ab geht. Im Hamam hab ich das Gefühl, dass nun all meine indische Bräune weg sein muss (später entdecke ich sie doch noch auf meinen Armen). Interessant ist es dabei für einen Badeanzugträger. Der junge Mann kam mit einem weiteren Baumwolltuch, was er bereits über mich hielt, als ich noch auf dem Rücken lag. Ich solle nun meinen Badeanzug so weit nach unten schieben, dass nur mein Intimbereich noch bedeckt ist. Währenddessen darf er mich nicht sehen und daher hält er das Baumwolltuch schon bereit und legt es mir dann direkt auf die Brüste. Beim Wechsel ins Sitzen halte ich das Tuch einfach fest und unter dem Tuch ziehe ich dann den Badeanzug wieder nach oben. Nach dem dritten Mal dieser Prozedur habe ich es bereits drauf, es dauert nur Sekunden 😉 Dennoch, beim nächsten Hamam-Besuch trage ich einen Bikini! Nachdem das Peeling beendet ist, dusche ich den ganzen Schmodder ab und dann kommt die Seifenmassage.  Ein wunderbares Gefühl! Dann mit türkischem Tee ein wenig Warten und weiter gehts zur Ganzkörpermassage mit Öl. Der Masseur ist klasse und renkt mir während des Massierens gleich drei Wirbel ein. Fühlt sich gut an. Eine Gesichtsmaske gibts oben drauf, dann ein wenig Warten, Abwaschen und fertig. Umziehen und dann? Oh man, ob ich mich daran gewöhne? Transferservice direkt zum Hotel.

Das ist in diesem Fall auch ganz gut, wartet dort doch bereits mein Reiseleiter auf mich. Mein was? Reiseleiter? Er erzählt mir lauter Dinge, die ich schon erledigt habe oder weiß (zum Beispiel wie ich am besten Geld hole). Den gewünschten Ausflug nach Pamukkale hat er leider nicht im Gepäck (gibts erst ab nächster Woche), später scheitere ich mit diesem Wunsch auch bei der Travel Agency, wo dann aber zumindest ein Tauchtrip gebucht wird. Die Canyon-Tour gibt es leider auch noch nicht. Ist eben noch Vorsaison. Also wird ein Side-Geschichts- und Basartrip gebucht.

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Dann gibt es Mittagessen (im Hotel, All Inclusive machts möglich, doch ich wähle nur Einheimisches). Danach geht es zu Fuß auf die Burg. Jeder der das hört bekommt große Augen. So weit? So lang den Berg hoch? Ich finde es gar nicht so schlimm. Lauter Weicheier hier 😉 Zunächst geht es am Strand entlang, bereits dort ist es ziemlich schön.

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Schon sehr früh bieten sich tolle Ausblicke und erste Mauerstücke. Herrlich!

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Doch es geht bis ganz nach oben. Dort sieht man dann auch nicht mehr als weiter unten, aber man war da! Jawohl!

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Dann gehts auf den wahnsinnig schnellen Rückweg, vorbei an tausenden Anmachen und erst mal ins Hotel, zu tausenden Anmachen des Waiters Ibrahim. Er macht das wirklich süß, daher ist es nicht mal nervig…. aber dennoch unglaublich!

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