Weihnachtsmärkte in und um Nürnberg

2. Dezember 2019
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Als Nürnberger Einwohnerin habe ich einen der größten und berühmtesten Weihnachtsmärkte genau vor der Haustür. Wir wohnen sehr zentral, zu Fuß sind es nur ein paar Minuten, in denen wir auch noch an der wunderbaren Nürnberger Burg vorbeikommen. Was könnte es also besseres geben? Oh, eine ganze Menge!

Ich persönlich frage mich nämlich seit Jahren, was am Nürnberger Christkindlesmarkt so besonders sein soll. Die Eröffnung wird live im Fernsehen übertragen und ich habe einmal den Fehler begangen, bei so einer Zeremonie anwesend zu sein. Gemeinsam mit einer Freundin und deren Sohn, der damals gerade in die Schule gekommen war, stand ich schon zeitig auf dem Hauptmarkt – dem Platz des Schauspiels. Alles halb so wild dachte ich, bis es sich nach und nach füllte. Der junge Mann hatte nicht die geringste Chance, etwas zu sehen. Also habe ich ihn irgendwann auf die Schultern genommen. Ein normales Bewegen war bereits nicht mehr möglich, man wurde mit der Masse hin und her geschoben. Es gibt aber immer Spezialisten, die sich dann noch durch die Massen drängeln müssen, so dass es teilweise schwer war, auf den Beinen zu bleiben. Und ein netter Fotograf schlug mir im Vorbeigehen noch seine Kameratasche mitten ins Gesicht. Ich konnte mich nicht schützen, da ich ja den Jungen auf meinen Schultern festhielt. Ich habe also nicht das beste Verhältnis zum Christkindlesmarkt. Allerdings bin ich auch unabhängig von dieser Situation nicht begeistert. Dafür gibt es vor Allem zwei Gründe. Den ersten habe ich schon angesprochen. Es ist einfach viel zu voll. Bei der Eröffnung ist es natürlich extrem, aber auch sonst wirst du mehr durch den Markt geschoben, als das du selbst entscheidest wo du entlang läufst. Der zweite Grund ist auch recht simpel: es reiht sich ein rotweißer Stand an den nächsten, und alle fünf Stände wiederholt sich das Angebot. Ich finde nichts besonderes. Bratwurst, Glühwein, Lebkuchen, Weihnachtsschmuck und Holzspielzeug. Die berühmten Zwetschgenmännchen gibt es kaum noch. Und irgendetwas Spezielles sucht man ganz vergebens.

Ich habe mich also auf die Suche gemacht, wo es in und um Nürnberg besondere Märkte gibt und bin dabei auf jeden Fall fündig geworden. Und mein erster Fund wird die Nürnberger so gar nicht erfreuen.

 

Weihnachtsmarkt Fürth

Nürnberg und Fürth sind zwei zusammen gewachsene Städte. Fürth ist etwas älter als Nürnberg, doch Nürnberg hat sich schneller entwickelt und ist deutlich größer geworden. Beide Städte verbindet nicht nur eine U-Bahn, sondern auch eine deutliche Rivalität. Fürth und Nürnberg, das ist wie Frankfurt und Offenbach oder Köln und Düsseldorf. Gestern erst habe ich gehört „Den Fürther Markt kenne ich nicht, mein Auto fährt nicht nach Fürth“. Ich bin gebürtige Fürtherin und wohne in Nürnberg, und ich kann mit solchen Rivalitäten generell wenig anfangen. Also habe ich es gewagt und den Fürther Markt besucht.

Der Markt liegt sehr zentral, nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt auf der Fürther Freiheit, einem großen Marktplatz. Die Gegebenheiten sind also gar nicht so anders als in Nürnberg. Aber: der Fürther Markt ist in zwei Hälften geteilt. Die eine Hälfte ist ein relativ standardisierter Weihnachtsmarkt, die andere Hälfte ist ein Mittelaltermarkt.

 

Hier gibt es Eintopf aus dem Brotlaib, Met in Hörner gefüllt und rund um Feuerstellen getrunken. Auf einer kleinen Bühne treten Gaukler und Musikanten mit Schalmei und Ähnlichem auf. Alle Verkäufer sind auch entsprechend gekleidet. Es gibt mittelalterliche Kleidung und sogar Ritterrüstungen zu kaufen. Kinder können sich im Axtwerfen und Armbrustschießen probieren. Es ist vor Allem bei Dunkelheit ein kleines bisschen eine andere Welt. Und wenn du dann wieder in die Gegenwart zurückkehren möchtest, gehst du einfach ein paar Meter weiter in den „normalen“ Weihnachtsmarkt. Und selbst der ist abwechslungsreicher als der große Bruder in Nürnberg. Natürlich gibt es auch hier die obligatorischen Bratwürste, Lebkuchen und Glühweinstände. Aber es gibt auch eine Eisenbahn durch winterliche Gefilde, eine große Krippe und vor allem sogar eine lebendige Krippe mit Ziegen und einem Esel.

 

Historischer Weihnachtsmarkt Erlangen

Auch Erlangen liegt sehr nahe bei Nürnberg und Fürth und bildet mit den beiden ein Städtedreieck. Die Franken sagen paradoxerweise Metropolregion. Ein wenig großspurig und fernab jeglicher Realität. Alle drei Städte gemeinsam haben 750000 Einwohner. Erlangen ist relativ knapp hinter Fürth die kleinste der drei Städte. Dafür beheimatet Erlangen aber eine Universität und große Teile von Siemens. Erlangen hat also ein etwas besonderes Flair, das immer ein bisschen zwischen alternativ und versnobt pendelt. Der größte Teil der Erlanger Bevölkerung sind zwischen 30 und 50 Jahre alt, knapp gefolgt von 18-30. Es handelt sich also um eine relativ junge Stadt, was auch im Alltag auffällt.

Erlangen hat einen ganz traditionellen Weihnachtsmarkt auf dem Schlossplatz, der auf Grund seiner Kulisse auch sehenswert ist, aber es gibt auch hier einen historischen Markt, den wir besuchen. Beide Märkte trennen nur ein paar hundert Meter. Rund um die Neustädter Kirche beherbergt der Kirchenplatz ein Rund an kleinen Ständen. Der Markt ist rein auf Erwachsene ausgelegt, ein Axtwerfen oder Ähnliches sucht man vergeblich. Schon von Weitem leitet uns die Musik an den richtigen Platz. Das Programm ist musikalischer als in Fürth, wo häufiger Zauberer und Gaukler auf der Bühne stehen. Glühwein gibt es hier nicht aus den typischen Tassen sondern aus Tonkrügen, und neben einigen Upcycling und altertümlichen Weihnachtsschmuckständen finden wir einen Hanfstand. Dort gibt es nicht nur Hanfbier, Hanfmet und Hanföl, sondern auch verschiedene Varianten einer pitaähnlichen Speise mit Hanföl und Hanfsamen. Schon aus einiger Entfernung riecht es unglaublich lecker, so dass wir nicht widerstehen können und die vegetarische Variante probieren. Tatsächlich schmeckt man den Hanf heraus, wenn auch nicht aufdringlich.

 

Zeltner Schloss

Ein ganz kleiner. aber trotzdem erwähnenswerter Weihnachtsmarkt ist der Markt am Zeltner Schloss unweit des großen Wöhrder Sees mitten in Nürnberg. Lange habe ich mit Blick auf das Zeltner Schloss gewohnt, und doch habe ich es nie von innen gesehen. Häufig sind die Türen verschlossen, denn die ehemalige Wasserburg befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Nur zu Veranstaltungen kann man zumindest Teile betreten und die Burg auch von innen sehen. Das Umfeld der Burg ist wenig sehenswert, der Stadtteilname Gleishammer sagt eigentlich schon alles. Das Schloss ist eingebettet in Gleisanlagen und kurz vorher muss man auch unter einer Zugbrücke durch. Von diesem lauten Umfeld sondert sich das Zeltner Schloss durch den großen Wassergraben und viel Grün ab.

Der Markt findet nur an zwei Tagen statt und ist sehr klein, bezeichnet sich aber zu Recht als romantischer Weihnachtsmarkt. Für das leibliche Wohl ist sowohl im zum Schloss gehörenden Weihnachtscafé gesorgt als auch durch einen Stand der in Nürnberg bekannten Bäckerei Hildes Backwut. Es handelt sich dabei um eine der wenigen Bäckereien, in denen keine Backmischungen verwendet werden und alles noch traditionell hergestellt wird.

Einige der hier anwesenden Stände verkaufen für einen guten Zweck, viele Dinge wurden in Werkstätten von beeinträchtigten Menschen oder in Schulen hergestellt. Wir unterstützen dabei ein Projekt, in dem Maya-Kinder in Guatemala beschult werden. Eine Gegenleistung wollen wir nicht, obwohl es wirklich Schmuckstückchen gibt. Von meinem Monatsbudget für November hatte ich noch einen 10-Euro-Schein in der Tasche, den ich einfach gespendet habe. Es ist schließlich schon Dezember, ich habe ihn also übrig.

 

Winterträume Stein

Sehr früh im Jahr lockt Faber Castell nach Stein. Bereits Mitte November finden jährlich die Winterträume im Graf von Faber Castellschem Schloss statt. Offiziell handelt es sich hier wohl um eine Messe, doch davon merkt man als Besucher nichts. Auch das Steiner Schloss ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, zumal es bewohnt ist. Für dieses eine Wochenende jedoch kann man Teile besichtigen.

Themen des Marktes ist vor Allem die Dekoration, aber auch der Wildtierschutz und Pflanzenschutz spielt eine Rolle. Vor Allem ist hier viel moderner Weihnachtsschmuck erhältlich. Wenn du eine weihnachtliche Shoppingtour planst, bist du hier genau richtig. Wer die Veranstaltung verpasst, kann auch ganz unromantisch online shoppen.

 

Gut Wolfgangshof Anwanden

Unweit von Nürnberg, aber schon etwas außerhalb liegt das kleine Örtchen Anwanden. Mit dem Auto ist es schnell und einfach zu erreichen, aber mit der S-Bahn von Nürnberg aus geht es am schnellsten. In nur zwölf Minuten ist man vor Ort. Das Gut Wolfgangshof besteht größtenteils aus einer Mischung aus rotem Backstein und darüber liegendem gut restaurierten Fachwerk. Das alleine ist hier in der Gegend schon eine seltene Mischung. Auch hier hat die Familie von Faber Castell wieder die Finger im Spiel, denn vor ungefähr 130 Jahren wurden dort zwei Güter angekauft und entwickelten sich nach und nach zum heutigen Wolgangshof.

Der Weihnachtsmarkt in Anwanden kostet Eintritt, was mich erst einmal abschreckt. Doch als ich dann drin bin, sehe ich warum. Alleine der Lichtergarten und wie alle Gebäude generell beleuchtet sind, das ist den Eintritt schon wert. Auch hier gibt es viel traditionellen Schmuck, aber auch viele moderne Artikel, besonders Upcycling steht hoch im Kurs. Kinderattraktionen, kulinarsiche Spezialitäten (zum Beispiel Flammlachs) und eine extra große Portion Romantik machen den Weihnachtsmarkt im Gut Wolfgangshof zu einem Muss des fränkischen Weihnachtsliebhabers. Und selbst bei Nichtliebhabern (und da zähle ich mich deutlich dazu), kommt hier weihnachtliche oder zumindest besinnliche Stimmung auf.

Hier sind dabei sowohl Stallungen und andere historische Räume geöffnet als auch rund um das ganze Gut eine Vielzahl an Buden aufgebaut. Manche Buden sind dabei komplett in Zweige eingehüllt, andere sind wie kleine Zelte. Ein Gang über diesen Weihnachtsmarkt ist ein bisschen wie ein Besuch in einem Märchenland. Geöffnet ist hier an den vier Adventswochenenden

 

Weihnachtsmarkt Spalt

Durch Zufall wurden wir noch auf ein wirkliches Schmuckstück aufmerksam. In Richtung Fränkisches Seenland mit Anschluss an den Brombachsee befindet sich das Örtchen Spalt. Spalt ist entgegen aller Erwartungen sogar eine Stadt, und dementsprechend groß ist dann auch der durch die ganze Innenstadt verteilte Weihnachtsmarkt. Die ganze Stadt ist hier auf den Beinen und die Nummernschilder zeugen von großem Zuspruch aus den umliegenden Gebieten.

Spalt hat dabei mehrere Besonderheiten. Zum Einen ist die ganze Innenstadt gesperrt, mit dem Auto kann der Ort so nicht durchfahren werden. Es ist eben überall Weihnachtsmarkt. Alle Wege sind mit Gläsern und Teelichtern ausgestattet, der Aufbau muss unglaublich viel Arbeit sein. Nur ein Adventswochenende öffnet der Markt und lädt dann nicht nur in Buden ein sondern auch in Hopfenstuben, Garagen, Gewölbe und Hinterhöfe. Orte, die das ganze Jahr verschlossen bleiben, sind in diesen Tagen sowohl geöffnet als auch in Weihnachtsbuden umgebaut. So entsteht ein sehr liebevoll wirkender und eindrucksreicher Weihnachtsmarkt.

Zusätzlich haben auch viele Läden und Bäckereien auch am Adventssonntag geöffnet. Zudem gibt es ein Märchenzelt. Abwechselnd gibt es dort Märchenstunde und Stockbrot. Natürlich ist das eher etwas für Kinder, doch wir haben eine Erzählstunde miterlebt und können den Erzähler und die Atmosphäre des Augsburger Märchenzelts nur loben.

Wir haben es gar nicht geschafft, wirklich den ganzen Ort anzusehen, doch einen umfassenden Eindruck haben wir trotzdem gewonnen. Spalt lohnt sich absolut!

Wir sehen Unmengen verschiedener Weihnachtsdekorationen, Krippen, Beleuchtungsideen und hauptsächlich handgemachte Ware. Besonders die geschnitzten Krippen haben es in sich, sowohl preislich als natürlich auch handwerklich. Wir nehmen ein paar Weihnachtswichtel mit und genießen ansonsten einfach die Atmosphäre. Extrem niedlich waren die Esel und natürlich die Alpakas, mit denen man auch Wanderungen machen kann.

Das einzige Manko: wir finden zwar vielerorts Verpflegung, doch abwechslungsreich ist hier nur die flüssige Form und Süßspeisen. Wer etwas Deftiges möchte, sollte genügsam sein und sich mit einer Bratwurst zufrieden geben.

 

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