Kärnten zum Genießen

28. Oktober 2019
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In unserer viel zu kurzen Zeit in Kärnten erleben wir ein buntes Programm. Wir sind in Sachen Fußball unterwegs und sehen ein Spiel der österreichischen Bundesliga, probieren verschiedene Outdooraktivitäten wie StandUp-Paddling aus und dürfen auf einer geführten Bergtour nicht nur die Natur intensiv erleben sondern auch in die Fabelwelt der Region eintauchen. Doch auch bei einer Menge Action darf der Genuss bei uns nicht zu kurz kommen.

Natürlich ist Genuss immer subjektiv, meine Genussfaktoren habe ich ja in der Vergangenheit auch schon einmal durchdacht und niedergeschrieben. In Kärnten gibt es für uns dabei zwei verschiedene Arten zu genießen. Die eine Art ist die, die sozusagen ganz von selbst passiert. Wenn man sich an einem Ort wohl fühlt und zur Ruhe kommt, die Gedanken weg vom Alltag, weg von der Arbeit und weg von Sorgen sind. Wenn innere Ruhe einkehrt. Und es gibt natürlich die Art Genuss, die man ganz gezielt sucht, beispielsweise kulinarischer Art. In Kärnten begegnen wir dabei verschiedensten Dingen, die zu unserem persönlichen Genuss beitragen.

Unser Ausgangspunkt für alle Erlebnisse liegt am Faaker See. Carina war hier oft in ihrer Kindheit und so hatte ich natürlich schon viele Geschichten gehört. Von Tirol aus starten wir also und so ist unser Fahrtweg nicht mehr so weit. Auf dem Weg werde ich mit Wolfgang Ambros‘ Schaffnerlos und dem Watzmann noch ein wenig eingestimmt in Carinas Nostalgiegefühl. Wir haben für unsere Strecke die Wahl zwischen der schnellsten und der kürzesten Route. Die schnellste führt uns zurück nach Deutschland und über Autobahnen und hat fast 60 Kilometer mehr. Wir entscheiden uns für die kürzeste Route, auch wenn wir hier viel auf der Landstraße unterwegs sind. Wir fahren also über Kitzbühel und den Großglockner, haben daher eine schöne und spannende Strecke, bis wir in Egg am See ankommen.

Unterkunft: Villa Désirée in Egg am See

Dort beziehen wir ein Zimmer in der Villa Désirée. Diese besticht schon alleine durch die Lage direkt am See. Von unserer Suite aus haben wir sowohl aus dem Schlafzimmer als auch vom Balkon direkten Blick auf den See. Der Clou unserer Suite: im Wohnzimmer steht eine große Badewanne. Man kann also sogar mit Blick auf den See baden. Auch beim Frühstück auf der Terrasse gleitet der Blick vom Wasser zu den Bergen und zurück.

Die Villa Désirée ist ein Erwachsenenhotel, was für uns natürlich ein optimaler Erholungsfaktor ist. Carina arbeitet im Kindergarten und ich in einer Wohngruppe. Für unsere Ohren ist es daher eine Wohltat, im Urlaub so wenig Kindergeschrei wie möglich abzubekommen. Nicht weil wir Kinder nicht mögen würden, sondern weil man sich sonst auch im Urlaub vorkommt als wäre man in der Arbeit.

Die Unterkunft ist geprägt von einem sehr eigenwilligen Design. In einer Bewertung lese ich, dass nur zwei Schwule es schaffen können, ein Haus so zu dekorieren. Diese Behauptung möchte ich noch einmal unterstreichen, und zwar im Positiven! Auf den Fluren finden wir haufenweise Filmbezug zu Größen wie Marilyn Monroe und Audrey Hepburn. Modern wird hier bunt gemischt mit urig gemütlich, verspielte und kitschige Details wie verschnörkelte Bilderrahmen finden sich neben modernen Kunstwerken. Wir finden es auf jeden Fall genial, weil es so viel Liebe fürs Detail verrät. Weil es außergewöhnlich ist. Wo sonst findet man einen Hirschkopf über einem Sofa mit Leopardenmuster? Oder einen Buddha neben Da Vinci?

Wir frühstücken im Haus und haben eine wunderbare Auswahl, es gibt sogar frische selbst gemachte Punschkrapferl. Ei wird uns frisch so serviert wie wir es wünschen, Gleiches gilt für Kaffee. Das Buffet wirkt zwar nicht besonders groß, bietet aber eine absolut umfangreiche Auswahl aus allen Bereichen, die man sich so zum Frühstück wünscht. Auch hier steckt also viel Liebe im Detail.

Gäste des Hotels erhalten auf Nachfrage Tickets für das Seebad in Egg am See ausgehändigt, so dass ein Besuch dort kostenlos ist. Das Seebad ist in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen und weniger voll als vermutet. Im Haus selbst gibt es auch die Möglichkeit, ins Wasser zu springen. Ein kleiner Wellnessbereich mit Pool, Sauna und modernen Liegen lädt zum Entspannen ein. Wir nutzen zwei mal das Strandbad und einmal den Wellnessbereich und sind mit Beidem glücklich.

 

Außergewöhnlicher Genuss: Der Zitrusgarten

Zitrusfrüchte würde man eher weiter südlich verorten, nach Italien oder Spanien. Doch in Kärnten gibt es sozusagen eine kleine Enklave. Der Zitrusgarten  ist das Zuhause von ungefähr 280 verschiedenen Zitronenarten. Ursprünglich war der Betrieb eine gewöhnliche Gärtnerei, doch Inhaber Michael Ceron verbindet seinen Beruf mit seiner Leidenschaft und so wächst nach und nach eine große Sammlung heran – wohl die größte in Europa. Die Gärtnerei hat sich also immer weiter entwickelt, ist heute eine Mischung aus botanischem Garten und Feinkostladen, in dem alle Produkte völlig ohne Zusatzstoffe rein biologisch hergestellt werden.

Die Gewächse hier stammen aus aller Welt, wir finden einige Früchte, die mit der uns bekannten Zitrone kaum etwas gemeinsam haben. Niemals hätten wir darin eine Zitrone erkannt. Michael Ceron sagt mehrfach über sich selbst, dass man nicht nur ein bisschen verrückt sein muss, um so eine Idee umzusetzen, sondern wirklich spinnen muss. Er sprüht vor Erzählfreude, man merkt ihm seine Liebe deutlich an. Denn zu Beginn ist natürlich nicht klar, wie sich das Ganze entwickelt. Besonders exotische Gewächse haben natürlich ihren Preis und Ceron investiert ein Vermögen sowohl in den Kauf als auch in die Zucht seiner Pflanzen. Dabei holt er nicht nur Arten aus der Ferne sondern auch antike Sorten aus der Zeit der Medici werden hier am Leben gehalten.

Der Garten lohnt sich zu jeder Jahreszeit, da die Zitronen völlig unterschiedliche Reifezeiten haben. Daher gibt es zu jeder Jahreszeit etwas zu bestaunen. Ab April beginnt die Hauptblüte vieler Sorten, so dass im Sommer bereits der Duft von Zitronen in der Luft liegt. Die größten Früchte wiegen bis zu drei Kilogramm – auch das ist für uns als Nutzer der Standardzitrone aus dem Supermarkt kaum vorstellbar.

Wir erfahren, dass viele Spitzenköche hier bestellen. Vor Allem die hier abgebildete Buddhas Hand ist dort sehr gefragt. Auch andere Zitronen werden an Köche geliefert, allerdings mit einer Besonderheit: Ein Bestellformular von irgendwoher gibt es nicht. Wer hier eine Zitrone bestellen will, der muss sich wirklich dafür interessieren und in Kontakt treten. Die Frucht soll schließlich mit genauso viel Liebe und Leidenschaft verarbeitet werden. Eine einzelne Frucht kann dabei auch schon mal über hundert Euro kosten.

Nach einem Rundgang durch den Garten verkosten wir verschiedene Produkte aus dem Feinkostladen. Vor Allem die verschiedenen Marmeladen haben es uns angetan. Wir erwarten viele Bitterstoffe, leiten das von der typisch englischen Orangenmarmelade ab. Doch es gibt hier ungefähr jede mögliche Ausprägung eines fruchtigen Geschmacks. Mir persönlich schmeckt die Sorte Bergamotte am besten. Natürlich darf an so einem Ort auch ein Limoncello nicht fehlen. Während mir das für gewöhnliche in viel zu süßes und künstliches Gepansche ist, schmeckt mir dieser Limoncello. Er ist zurückhaltend. Süß, aber nicht zu süß. Weich, sanft. Es ist nicht einfach, etwas Hochprozentiges zu produzieren, das ich ohne Würgen und Ächzen zu mir nehmen kann, doch hier ist es gelungen.

 

Kärntner Spezialität: Die Finkensteiner Nudelfabrik

Die Zitronen aus Kärnten sind über die Landesgrenzen bekannt, doch es gibt auch noch eine Vielzahl anderer kulinarischer Genüsse und Spezialitäten. Eine davon sind Teigwaren. Von den Kärntner Kasnudeln wird mir schon im Vorfeld vorgeschwärmt. Es liegt daher nahe, dass wir auch eine Nudelfabrik besuchen und dort im MarktCafé essen.

Seit 130 Jahren werden hier schon Nudeln hergestellt und das Sortiment wurde im Lauf der Jahre erweitert. Hier gibt es nur Waren aus biologischer Herstellung mit ausschließlich regionalen Zutaten, die mit Karawankenwasser produziert werden. Das alles wissen wir aber noch nicht, denn bevor wir den kleinen Fabrikverkauf besuchen, stillen wir unseren Hunger. Das Publikum hier ist alterstechnisch bunt gemischt und auf dem Hof sieht man Kennzeichen aller Art. Sowohl Touristen als auch Einheimische essen hier und kaufen hier ein. Wir sitzen draußen, haben ein lauschiges Plätzchen unter Schirmen und Weingewächsen. Bedient werden wir sehr freundlich und flott.

Damit Jeder mehr als ein Gericht probieren kann, teilen wir wie immer alles, und hier haben wir noch Glück! Denn es gibt Pastavariationen, bei denen man mehrere Pestoarten probieren kann. Das nutzen wir natürlich, zumal wir beide Pesto lieben, wenn es nicht das Standart-Billig-Pesto ist. Und wir sind absolut zufrieden mit unserer Wahl!

Im Anschluss besuchen wir den Laden und shoppen sowohl für unsere eigene Vorratskammer als auch für Mitbringsel. Obwohl viel los ist, nimmt sich die Chefin Zeit zum Plaudern. Und das nicht nur für uns, zumal sie nicht einmal weiß, dass wir über den Besuch berichten werden. Wir haben also ein realistisches Bild erhalten.

 

Genuss mit Aussicht: Der Baumgartnerhof

Auf unserem Programm stand ein Abendessen im Baumgartnerhof, der uns schon im Vorfeld angepriesen wurde. Richtig traditionell solle es hier zugehen und die Aussicht sei ein Traum! Wir sind also gespannt, als wir uns auf den Weg machen. Es geht ein Stück bergauf und dann sind wir schon da. Carina sieht sich um und sagt „hier war ich schon, da bin ich mir sicher!“, per Handy bekommen wir dann auch die Bestätigung von der Mama. Wir wandeln also gerade so richtig auf Kindheitsspuren.

Wir haben einen reservierten Platz, und das ist auch gut so. Der Baumgartnerhof ist Hotel und Restaurant, und das merkt man auch. Es ist brechend voll, hauptsächlich mit Touristen. Wir bekommen einen optimalen Platz auf der Terrasse und haben hier eine fantastische Aussicht. Wir blicken sowohl auf den Faaker See als auch auf die Burgruine von Alt-Finkenstein. Das wird besonders schön, als die Sonne langsam untergeht.

Uns wird direkt beim Hinsetzen gesagt, dass es etwas länger dauern kann. So können wir uns also auf Wartezeit mit Ausblick einstellen. Prinzipiell also eine gute Handhabung. Doch dann dauert und dauert es, alleine bis wir unsere Getränke bestellen können, vergeht schon eine halbe Stunde. Eine weitere halbe Stunde vergeht, bis Wasser und Wein bei uns ankommen und nochmal fast 45 Minuten, bis wir unser Essen erhalten. Ob es bei vollem Haus immer so ist oder wir einen schwarzen Tag erwischt haben, das können wir nicht sagen, da wir ja nur ein mal dort waren. Warten wenn es angekündigt wird ist okay, aber so eine Wartezeit sollte trotzdem nicht sein.

Immerhin entschädigen uns die sehr leckeren traditionellen Kasnudeln in Kombination mit dem Ausblick. Carina kennt diese regionale Spezialität schon. Ich nicht und habe sie mir völlig anders vorgestellt. Eher wie Käsespätzle, schwer und mächtig. Ich bin daher sehr positiv überrascht!

 

Genuss pur: Natur und Lebensart

Der größte Erholungsfaktor für uns ist Zeit in der Natur. Mit einer Kombination aus Bergen und Wasser liegen wir optimal. Das ist unabhängig vom Land oder der Region, doch hier kommen einfach alle Faktoren zusammen.

Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, keine Hektik beim Einkaufen, kein Hupkonzert auf dem überfüllten Parkplatz. Wir Deutschen sagen den Österreichern nach, dass sie langsam wären. Wenn ich mir das hier so ansehe sage ich, etwas mehr Entschleunigung täte uns in Deutschland ganz gut. Diesen Schluss habe ich auch schon nach den Aufenthalten in Schweden gezogen, wo die Kassierer nervös werden, wenn man schon anfängt in die Tüten zu packen, während sie noch am Kassieren sind. Und auch hier fällt mir das auf. Hier liegt mehr Gelassenheit und Ruhe in der Luft.

Hinzu kommt, dass man gefühlt überall in der Natur ist, innerhalb von Minuten hat man sozusagen die Zivilisation hinter sich gelassen. Natürlich sieht man deren Spuren, doch es kehrt irgendwie fast automatisch eine Ruhe ein. Jeder scheint das Umfeld einfach zu genießen. Selbst wenn wir in Sachen Action unterwegs sind, wie auf unserer Mountainbike-Tour oder mit dem SUP, der Genuss steht sogar hier an erster Stelle. So verstehe ich Carinas Erinnerungen absolut und kann ihre Eindrücke von früher nur bestätigen. Kärnten ist zum Genießen da, Kärnten ist zum Erholen da. Wir fühlen uns von der ersten Sekunde an wohl und als es wieder nachhause geht, würden wir lieber noch bleiben. Dementsprechend klar ist uns auch, dass wir wieder kommen.

 

Diese Tour war Teil einer von Kärnten Tourismus organisierten Pressereise. Eine Bezahlung haben wir nicht erhalten, auch nicht in Form von Produkten. Unsere Einkäufe haben wir komplett bezahlt, wie jeder andere Mensch auch. Wir bedanken uns ganz herzlich für die Einladung und diese Erfahrung!

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