Schmuckstück Salzburg

7. Mai 2019
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Von unserem Heimatort Nürnberg aus ist Salzburg eines der Schmuckstücke, die leicht und schnell zu erreichen sind. Diese Tatsache verbunden damit, dass der letzte Besuch in Salzburg schon wieder viel zu lange her ist (bei Carina ein Jahr, bei mir ein paar Jahre mehr) lässt uns sofort zusagen, als Katja von WellSpa-Portal nach einem gemeinsamen Trip fragt. So erkunden wir Salzburg gemeinsam und trotzdem auf unterschiedliche Art und Weise und mit verschiedenen Blickwinkeln.

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Wir kommen etwas später los als erwartet, aber sehr gut durch und so landen wir am frühen Nachmittag mitten in Salzburg. Unsere noble Herberge für die nächsten Tage ist das Arte Hotel Salzburg direkt am Bahnhof, bei dem wir auch die Tiefgarage nutzen können. Unser Kennzeichen haben wir im Vorfeld durchgegeben und so öffnen sich automatisch die Schranken für uns, als wir dort ankommen. Katja ist schon in der Stadt unterwegs, deswegen halten wir uns gar nicht lange auf. Ein kurzer Check-in und ein Ablegen der Sachen im Zimmer müssen erst mal ausreichen und dann geht es sofort los. Einen ersten Eindruck gewinnen wir trotzdem. Große moderne Zimmer und eine schlichte, ja sogar minimalistische Lobby. In letzter Zeit haben wir viele besonders bunte und detailreiche, verspielte Hotellobbies gesehen und fanden diese auch sehr schön. Doch diese hier ist erfrischend anders. Das Auge verliert sich nicht mehr und kann sich aufs Wesentliche konzentrieren. Rückblickend sage ich, dass dieses Konzept sehr passend zum Fokus auf Kunst ist. Es gibt nichts, was das Auge ablenkt. Bei unserem Aufenthalt ganz kurz nach Eröffnung gab es zwar keine feste Ausstellung, es gibt jedoch bereits einen Kalender mit Auftritten in der Rooftop Bar und Festivals, an denen das Hotel beteiligt ist. Alles wirkt offen und modern.

Die Lage des Hotels direkt am Bahnhof ist optimal für ein Erkunden der Stadt zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln, beides tun wir ausgiebig. Gleichzeitig sorgt diese Lage auch für einen ganz besonderen Spot. Ich liebe Flughäfen und Bahnhöfe und habe schon viele Stunden damit verbracht, Flugzeuge beim Abheben und Landen zu beobachten und Züge bei der Ein- und Ausfahrt. Ich bin damit nicht alleine, denn nicht umsonst heißt ein berühmter Film aus den 90ern Trainspotting. Das Hotel greift Filmtitel und Lage auf und richtet über der Lobby einen Platz direkt an den Gleisen ein. Hätte ich mehr Zeit, säße ich hier nicht nur ein paar Minuten!

Wir wollen aber nicht nur im Hotel sitzen, sondern in die Stadt eintauchen. Zunächst geht es zu Fuß los, trotz Schmuddelwetter  machen wir uns auf den Weg in Richtung Altstadt. Erster Stop auf unserem Weg ist Schloss Mirabell mit dem dazugehörigen Garten. Im Sommer ist es hier richtig bunt, doch auch jetzt Ende April blüht bereits Einiges. Das Schloss selbst steht unter Denkmalschutz und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe der historischen Altstadt Salzburgs. Erbaut wurde es durch Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Zu den Erzbischöfen bekommen wir später noch ein deutlich gespalteneres Verhältnis. Dieser Herr hier baute jedenfalls ein wunderbares Schloss für seine heimliche Geliebte oder Ehefrau, so sicher sind sich die Experten hier nicht. Jener Erzbischof hatte auch 15 legitimierte Kinder und damit Erben. Heute beherbergt das Schloss hauptsächlich die Stadtverwaltung, die Kapelle und der Marmorsaal werden für Konzerte und Hochzeiten genutzt. Auch während unserer Anwesenheit posierte ein Paar im wunderschönen Schlossgarten.

Mitten in Salzburg fließt die Salzach und teilt die Stadt. Magischer Anziehungspunkt für alle Touristen und Tausende von Liebesschlössern ist der Makartsteg, der nur für Fußgänger gebaut wurde. Zunächst war er einfach nur eine moderne Fußgängerbrücke, so habe ich ihn vor einigen Jahren kennen gelernt. Heute ist er selbst ein Highlight mit all den Liebesschlössern aus aller Welt, die ihn zieren. Mitten auf dem Fluss hat man eine wunderbare Rundumsicht auf die höher gelegenen Salzburger Sehenswürdigkeiten, vor Allem auf die Festung, den Dom und den Mönchsberg. Die Festung thront nahezu über der Stadt. Wir haben sie beide schon in der Vergangenheit besichtigt und lassen sie diesmal aus, da es noch so viel mehr zu sehen gibt. Trotzdem wendet sich immer wieder unser Blick in ihre Richtung, wie magisch angezogen.

Der Makartsteg vor zehn Jahren noch sehr jungfräulich

Und der Makartsteg heute – im Hintergrund thront die Festung

Ein Besuch in der Festung lohnt sich aus verschiedenen Motiven. Wer historisch interessiert ist, kann hier viele alte Alltagsgegenstände ebenso sehen wie ein Fürstenzimmer mit alten Uniformen, eine gigantische Holzdecke, einen kunterbunten Kachelofen und historische Kanonen. Ich bin ein besonderer Freund von Türen. Generell ist Salzburg diesbezüglich ein Mekka, aber die Festung bietet eine ganz besondere Auswahl an Material, Farbe, Beschlägen und Größe. Auch auf der Festung gibt es erstaunlich verwinkelte Ecken. Außerdem hat man natürlich von ganz oben den perfekten Ausblick über die Stadt. Der Fußweg nach unten (wahlweise auch nach oben, wofür man sich auf jeden Fall mehr Belohnung verdient als abwärts) ist eine Alternative zur Fahrt mit der Bahn und belohnt mit wunderbaren Blickwinkeln.


Salzburg ist für Kultur bekannt und vor Allem als Heimatort Mozarts. Wir kommen am Wohnhaus und am Geburtsthaus vorbei, als wir durch die kleinen Gassen schlendern. Beides lassen wir heute links liegen, obwohl sich ein Besuch vor Allem des Geburtshauses lohnt. Dieses befindet sich nämlich in Mitten der verwinkelten Gassen und man erhält einen Einblick, wie das Wohnen hier in alter Zeit war. Noch heute fasziniert mich an Salzburg diese Gegend ganz besonders. Man läuft durch die Fußgängerzone und rechts und links gegen unter den Häusern kleine Passagen hindurch, so dass man auch stundenlang von Laden zu Laden und Gasse zu Gasse und hin und her laufen kann. Wenn nur nicht alles so überfüllt wäre. Wir haben noch Glück durch das schlechte Wetter. Wer nicht wirklich shoppen will, sondern tatsächlich an der Architektur und zauberhaften Winkeln interessiert ist, der besucht dieses Areal am besten vor 8 Uhr morgens oder am späteren Abend. Trotz vieler Menschen ist es schön, doch die richtige Magie und erstaunlich südländischen Flair entfaltet es im leeren Zustand.

Während in Salzburg viel klein und beschaulich wirkt, protzt der Dom gar mit überdimensionaler Größe und Wuchtigkeit und auch die Plätze rundherum wirken zu groß und weitläufig. Die Zahlen wirken dann wiederum gar nicht so imposant. Mit einer Turmhöhe von 81 Metern und einer Kuppelhöhe von 79 Metern liegt er eher im Mittelfeld. Das Ulmer Münster beispielsweise ist doppelt so hoch. Auch Wien, Linz und Graz haben deutlich höhere Türme. Wien hat sogar mehrere höhere Sakralbauten. Dass der Dom trotzdem so imposant wirkt macht umso mehr deutlich, wie schön beschaulich und verwinkelt Salzburgs Altstadt eigentlich ist.

Am Kapitelplatz hinter dem Dom befindet sich eine weitere ungewöhnliche Sehenswürdigkeit namens „Sphaera“. Ein Mann steht auf einer riesigen goldenen Kugel. Zu diesem Kunstwerk gehört noch eine weibliche Figur in einer Felsspalte im Toascaninihof ein paar Straßen weiter. Die Frau ist jedoch recht unspektakulär. Doch die goldene Kugel fällt auf, gerade bei Sonnenschein strahlt und glänzt sie. Als wir beim jetzigen Besuch dort waren, war es sehr düster und trotzdem leuchtete das Gold noch. Umgangssprachlich bezeichnen viele dieses Werk als „Mozartkugel“, auch wenn diese eigentlich nicht golden verpackt sind.

Wir gehen weiter und kommen am berühmten Stieglkeller vorbei in Richtung Festungsbahn. Direkt daneben befindet sich der wunderschöne Petersfriedhof. Diesen habe ich vor vielen Jahren auch schon einmal besucht, und zwar an Allerheiligen. Es war schon dunkel und der Ort wirkte mystisch. Als dann noch eine Prozession vorbei kam, waren wir wie gefesselt und beobachteten die uns fremden Vorgänge. An jenem Wochenende besichtigten wir absolut alle Kirchen Salzburgs und so wollten wir auch die anliegende Kirche St. Peter ansehen. Was wir dabei nicht realisiert hatten war, dass die Prozession Auftakt des Gottesdienstes zu Allerheiligen war. Man besichtigt eine Kirche nicht zu Gottesdienstzeiten, nun aber standen wir schon mitten drin. Uns blieb nichts Anderes als Platz zu nehmen und den über zweistündigen Gottesdienst zu besuchen. Eine spannende Erfahrung! Die Kirche war also bereits zur Genüge besehen worden, doch der Friedhof war auch tagsüber sehr interessant und hübsch anzusehen.

Inzwischen war es Abend geworden und die Mägen knurrten. Dementsprechend machten wir uns auf den Rückweg. Nur wenige Meter vom Hotel entfernt speisten wir traditionell im Braurestaurant Imlauer. Gemütliche Atmosphäre, bodenständige Preise und freundliches Personal mit Witz auf den Lippen waren anständige Rahmenbedingungen für einen witzigen gemeinsamen Abend. Bei uns standen Backhendl und Salzburger Schnitzel auf dem Programm. Das Salzburger Schnitzel ist eine schöne Alternative zum überall bekannten Wiener Schnitzel. Es ist gefüllt mit Champignons, Zwiebeln und Speck und daher ordentlich deftig und auch etwas salzig.  Ordentlich gesättigt machten wir uns auf die paar Meter zurück zum Hotel. Zeit für einen Absacker!

Dafür eignet sich kaum etwas besser als die hoteleigene Bar Hu:goes14. Im Namen befinden sich gleich mehrere Wortspiele. Tatsächlich fragt uns Katja „kommt ihr noch mit?“, also „who goes“. Die 14 für das 14. Stockwerk, höher geht es nur noch zum Frühstückssaal. Ebenfalls im Namen das Trendgetränk Hugo, von dem es hier die unterschiedlichsten Varianten gibt. „We go 14“ und die Getränkewahl ist dann auch eine einfache Sache. Wir probieren drei der angebotenen Hugos. Die Variante mit Lavendel gewinnt geschmacklich und vermutlich auch optisch. Die Atmosphäre ist entspannt, das Personal freundlich. Am besten gefällt uns hier oben aber der Ausblick sowohl jetzt im Dunklen als auch am nächsten Tag bei Sonnenschein. Das Arte Hotel ist das zweithöchste Gebäude der Stadt und somit natürlich auch einer der bestmöglichen Aussichtspunkte. Wenn man nicht nach einem langen Tag so müde wäre, könnte man noch stundenlang auf die Lichter der Stadt blicken!

Endlich sind wir also mal richtig im Zimmer angekommen. Das Hotel besticht durch einen sehr schlichten modernen und dennoch luxuriösen Stil. Beton, Stahl und Glas und trotzdem gemütlich und einladend. Wir bewohnen ein Eckzimmer im 13. Stockwerk, haben also beinahe den gleichen Ausblick wie in der Bar. Vom Bett aus betrachten wir dank kompletter Glasfront lange die Umgebung. Wände gibt es nur im Innenleben des Zimmers, und auch hier haben wir viel Glas. Die offene Dusche beispielsweise ist nur durch Glas und einen Vorhang vom Schlafbereich abgetrennt. Zum Schlafen lassen wir die automatischen Rollos nach unten fahren. Das ist auch gut so, denn am Morgen um 8 Uhr hätten sie uns sonst automatisch aufgeweckt. Dabei handelt es sich allerdings nicht nur um einen unfreiwilligen Wecker sondern auch dem Schutz der Gäste. Denn mit aufgehender Sonne kann es dank Glasfront sehr schnell sehr warm werden. Damit das nicht passiert, fahren die Rollos nach unten. Per Knopfdruck können sie aber auch dann noch bewegt werden.

Ein wichtiges Kriterium für eine Bewertung von Hotels ist für uns das Frühstück. Vor einer Buchung lesen wir öfter nach, wie das Frühstück von anderen Gästen beurteilt wurde und auch selbst vergleichen wir hier immer wieder mit anderen Hotels, die wir in der Vergangenheit besucht haben. Dabei haben wir wirklich schon die ganze Palette erlebt. Von „wir fahren zum nächsten Supermarkt und holen uns Frühstück“ bis „mehr als das Herz begehrt, das ist schon etwas übertrieben“ gab es schon alles.  Hier fällt uns zuerst wieder der Ausblick auf, wir können komplett rund herum sehen. Eine bessere Kulisse kann man sich nicht vorstellen. Das Frühstück selbst bietet eine gute Mischung aus Deftig/Süß und Warm/Kalt sowie viele kleine Extras, beispielsweise Essiggurken und Silberzwiebeln. Gerade solche Details fehlen mir oft, denn ich bin ein Häppchenfrühstücker. Ein paar Cocktailtomaten, ein paar Oliven, eine Gurke, ein bisschen Aufstrich, ein Stück Käse, etwas Rührei und eine Scheibe Brot und dann wird munter kombiniert. Hier sind wir mit dem Frühstück rundum zufrieden.

Frühstück mit Ausblick

Für den heutigen Tag haben wir etwas mehr geplant, während wir uns gestern nur haben treiben lassen. Wir wollen Schloss Hellbrunn und die dazugehörigen Wasserspiele besichtigen. Wir haben eine Salzburg-Card, die uns freie Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ebenso ermöglicht wie haufenweise freie Eintritte in der Stadt. Sie ist erhältlich in der Touristeninformation, am Flughafen, in Ticketcentern und auch direkt in Hotels. In unserem Arte Hotel beispielsweise kann man ein spezielles Package buchen, das die Card beinhaltet. Ich bin ein großer Freund von Onlinetickets und buche beinahe alles einfach direkt aufs Smartphone, doch hier mache ich eine Ausnahme. Wer sie nämlich online bucht, muss sie mit Voucher im Informationscenter abholen, dementsprechend empfehle ich tatsächlich eine Buchung über das Hotel. Wir haben unsere Card nämlich direkt beim Check-in in die Hand gedrückt bekommen.

Mit dem Bus fahren wir vom Bahnhof aus direkt bis zum Schloss. Hier dürfen wir kostenlos besichtigen. Wir wollen in das Gebäude selbst und in die daneben befindlichen Wasserspiele. Dort gibt es Zeitfenster mit Führungen und so müssen wir um eine bestimmte Uhrzeit am Tor der Gärten sein. Eine halbe Stunde haben wir Zeit für das Schloss selbst und ich frage mich schon, wie das bitte reichen soll. Schnell stellt sich aber heraus, dass das Schloss zwar sehenswert, aber nicht besonders groß ist. Hier im Schloss begegnen wir dem nächsten Erzbischof, nämlich Marcus Sittikus von Hohenems. Sittikus war deutlich gegenreformatorisch gesinnt und sorgte sozusagen sehr schnell nach Amtsantritt für Zucht und Ordnung in seinem Herrschaftsbereich. Beispielsweise stellte eine Kommission fest, dass die meisten Landpfarrer sich nicht an das Zölibat hielten. Mit Vorschriften und einer Disziplinierungsphase griff er durch. Später wurde bekannt, dass unter der Hand alles weiter lief wie bisher. Sittikus war es, der mit Bruderschaftsumzügen katholische Propaganda einführte. Er war für einige Bauprojekte verantwortlich, allerdings weit bescheidener als sein Vorgänger. Der Dom beispielsweise sollte deutlich größer werden, doch Sittikus änderte die Pläne seines Vorgängers und reduzierte die geplante Größe um zwei Drittel. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie überdimensioniert ein drei mal größerer Dom gewesen wäre. So bescheiden und gläubig wie Sittikus hier auch handelte, so grausam und unwürdig war er an anderer Stelle.

Man munkelt, dass Sittikus das Schloss Hellbrunn für seine eigene Geliebte erbauen ließ. Welch Doppelmoral! Sittikus war fasziniert vom venezianischen Fasching und brachte die Fassnacht nach Salzburg. Wie diese ablief, zeigt uns ein Kurzfilm im Schloss. Glücklicherweise ist dort alles zeichnerisch dargestellt, doch selbst dabei wird mir schlecht. Hetzjagden bis zum Tode, sogenanntes Schweineschlagen und das Katzenklavier sind nur einige der brutalen Methoden, aus heutiger Sicht glücklicherweise überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Beim Katzenklavier beispielsweise wurden mehrere Katzen an den Schwänzen festgebunden. Diese wurden dann nach und nach mit Nägeln traktiert. Die Musik entstand dabei durch die unterschiedlichen Schmerzensschreie der armen gequälten Tiere. Damit war er natürlich bei uns definitiv unten durch. So viel zum Thema Erzbischöfe und Institution Kirche und ihre Würdenträger. Sicher waren es damals andere Zeiten, das ist uns durchaus bewusst. Aber sich an der Qual anderer Lebewesen zu ergötzen war noch nie in Ordnung und wird es auch nie sein.

So schön das Schloss auch ist, der Gedanke an das Katzenklavier lässt uns nicht mehr los und wir müssen erst mal durchatmen. Die halbe Stunde für das Schloss neigt sich dem Ende zu und wir machen uns auf den Weg zum Eingang der Wasserspiele. Die Gärten sind sehr schön angelegt und doch ganz anders als wir sie uns vorgestellt haben. Unter Wasserspielen hätten wir eher besonders verschnörkelte Brunnen, Wasserwege und Kaskaden verstanden. Doch auch hier zeigte Sittikus, dass es ihm lediglich um sein eigenes Wohl und seine eigene Belustigung auf Kosten Anderer geht. Die Wasserspiele beginnen mit einem schönen Tisch, der in der Mitte eine Rinne hat. Hier kann Wein gekühlt werden. Da hat Jemand mitgedacht, denke ich zuerst. Aber die Geschichte geht noch weiter. Wenn die Gäste dann betrunken waren, kam das wahre Spiel des Tischs zum Einsatz. Unter jedem Sitz war eine große Wasserdüse montiert. Sittikus konnte auf Knopfdruck all seine Gäste einfach klatschnass spritzen. Dieses Konzept zieht sich durch den ganzen Park. Im Sommer ist das witzig und eine erfrischende und vermutlich willkommene Abkühlung. Heute ist es nicht besonders warm und unser Guide achtet daher zum Glück darauf, dass wir nicht klatschnass werden. Ein schön angelegter Park und auch tolle Brunnen, viel sieht nach italienischem Stil aus. Auch das Vorhandensein des Wassers ist beruhigend und viel sieht wirklich schön aus. Die Spritzereien des Sittikus sind schnell nur noch nebensächlich und wir machen unsere eigenen Späße in der Anlage – und das ohne Jemanden dabei zu quälen.


Im Anschluss an das historische Schloss wollen wir etwas Kontrastprogramm. Die Entscheidung fällt schnell auf den Mönchsberg und das Museum der Moderne. Wir fahren also mit dem Bus zurück in die Stadt und ebenso dank Salzburg-Card kostenfrei mit dem Aufzug nach oben. Dort gibt es zuerst eine herrliche Aussicht. Dabei wechselt das Wetter innerhalb der nächsten zwei Stunden so häufig. Bei unserer Ankunft auf dem Berg haben wir strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel. Als wir im Museum auf der Terrasse sitzen erleben wir graue Suppe und Regen. Und als es wieder nach unten geht, kommt die Sonne wieder raus. Auch vom Mönchsberg aus ist die Festung ein sehr markanter Punkt, doch man kann den Blick über die komplette Stadt und das Umland schweifen lassen. Die Salzach und ihre Brücken, der gegenüberliegende Kapuzinerberg, alles ist im Blick.

Rund um das Museum der Moderne befindet sich auf dem Mönchsberg ein Naherholungsgebiet mit Wald- und Wiesenflächen und vielen Spazierwegen vorbei an alten Villen und Schlössern machen den Berg zu einem beliebten Ort nicht nur für Touristen. Auch auf öffentlichem Raum stehen ein paar Kunstwerke, und so ist es naheliegend, dass mein liebstes Bild des Trips hier auf dem Berg entsteht.

Im Museum selbst stellen wir geschlossen fest, dass uns wohl der Blick für moderne Kunst fehlt. Es gibt nicht viele Werke, bei denen wir wirklich die Botschaft verstehen. Die verständlichen wiederum sind sehr deutlich und beschäftigen sich hauptsächlich mit Konsum. Sie sind als Konsumkritik zu verstehen. Dies wiederum ist eine Message, hinter der wir ebenfalls stehen. Eine Reihe beispielsweise zeigt den Unterschied zwischen der Darstellung von Tieren in Büchern und Werbung im Vergleich zu der Realität. Botschaft angekommen und obwohl das Wissen um die Realität vorhanden ist, wirkt es doch schockierend. Anderes verstehen wir überhaupt nicht. Wir fragen uns, wer eigentlich entscheidet was Kunst ist und was weg kann. Wir sind es ganz offensichtlich nicht. Einige Werke sehen in meinen Augen so aus, als hätten Carinas Kindergartenkinder Wachsmalkreide in die Hand bekommen und damit getobt. Wenn man damit reich wird, werde ich ab sofort Künstler, denke ich mir. Aber so einfach ist es nicht. Den Gipfel der Verständnislosigkeit erreichen wir bei einem relativ kleinen Werk. Fotografieren ist auf Grund von Urheberrechten im Museum lediglich im obersten Stockwerk erlaubt, wo es jedoch kaum noch etwas fotografieren gibt. Das fragliche Kunstwerk muss ich also beschreiben. Es handelte sich um ein weißes Blatt Papier ungefähr in der Größe DIN A5. Mitten auf dem Blatt klebte eine weiße Tablette. Etwas darunter stand mit Schreibmaschine geschrieben „ein Haus im Grünen“. So ganz sicher bin ich mir über den genauen Wortlaut schon gar nicht mehr, so sinnlos habe ich ihn empfunden. Moderne Kunst ist also nur sehr bedingt etwas für uns, stellen wir fest. Gleichzeitig sehen wir aber Menschen sehr intensiv und interessiert vor Kunstwerken stehen und sinnieren. Das Fazit ist, dass man moderne Kunst eben liebt oder nicht. Und wer sie liebt, scheint hier auf seine Kosten zu kommen. Trotz unserer Verständnislosigkeit kommen aber auch wir auf unsere Kosten, nämlich im zum Museum gehörenden Café mit Sonnenterrasse. Es bietet sich ein inzwischen schon vertrauter Ausblick aus einem etwas anderen Winkel, was Dom und Festung in Relation zueinander setzt.

Mit diesem Ausblick tauschen wir unsere Eindrücke aus dem Museum aus und machen uns bereit für neue Wege. Diesmal wollen wir noch ein wenig am Fluss entlang und nicht den Makartsteg nehmen, den wir nun schon einige Male überschritten haben. Und vorher wollen wir noch ein Eis genießen! Durch Zufall haben wir in der berühmten Getreidegasse in der Altstadt eine kleine Eisdiele entdeckt, in der sämtliches Eis mit Schafsmilch produziert wird, die Sorbets natürlich ausgenommen. Passenderweise heißt sie auch noch Eisl! Da wir zu viert unterwegs sind, können wir nahezu alle Sorten probieren und essen trotzdem nur zwei Kugeln pro Person. Zugegeben ist das Eis hier teuer, aber es handelt sich eben auch um etwas Spezielles. Meine liebste Sorte ist dann tatsächlich auch die mit Schafskäse und gesalzenem Honig, eine beinahe göttliche Mischung. Die Sorten schmecken anders als gewohnt, deutlich frischer und leichter. Ich kann hier nur eine volle Empfehlung aussprechen!

Nach den weiteren Kilometern qualmen doch die Füße und wir werden müde. Wir begeben uns also vor dem Abendessen kurz ins Hotel und ruhen eine Dreiviertelstunde. Wir stellen fest, dass ein Wochenende doch relativ kurz ist, auch wenn die Stadt klein und beschaulich wirkt – sie ist es nicht. Wir haben bei Weitem nicht alles intensiv angesehen und Manches sogar ganz weggelassen. Man braucht also ein paar Tage mehr, um Salzburg wirklich zu erleben.

Carina und ich hatten uns eigentlich auch vorgenommen, ein wenig in das queere Leben Salzburgs einzutauchen. Es gibt einen speziellen Queer Guide für die Stadt mit einer Auflistung besonderer kultureller Highlights und vor Allem einer Auflistung an Bars und Cafés, die mindestens homofreundlich sind. Einige der dort genannten Tipps hätten wir tatsächlich gerne gesehen, beispielsweise den Hangar 7. Es sieht so aus, als bräuchten wir einen weiteren Trip in diese offene Stadt!

Online ist der Gay Guide Salzburg immer aktuell abrufbar, vor Allem auch mit Veranstaltungstipps. Ehrlich gesagt hatten wir so etwas von Salzburg nicht erwartet, da die Stadt eigentlich doch katholisch geprägt ist – sowohl historisch als auch aktuell mit ungefähr der Hälfte der Einwohner mit katholischem Glauben. Dementsprechend erstaunt sind wir auch, als wir eigentlich nirgends in der Stadt seltsam angesehen werden, wenn wir Hand in Hand laufen oder uns küssen. Für die meisten Menschen unter uns ist einfach nichts dabei, mit ihrem Partner Hand in Hand zu laufen, doch für Homosexuelle bedeutet das immer und an den meisten Orten der Welt auch, sich vorsichtig umzusehen. In 72 Staaten ist Homosexualität auch heute noch verboten, in acht davon wird nach wie vor die Todesstrafe verhängt. In 14 weiteren Staaten geht man für homosexuelle Handlungen viele Jahre ins Gefängnis. Es ist also nicht selbstverständlich, dass wir uns frei bewegen und offen zueinander stehen können. Auch ist es nicht selbstverständlich, dass wir verheiratet sind (das waren wir schon vor der so diskutierten „Ehe für Alle“, die nur noch eine Angleichung mancher Rechte war – die Pflichten einer Ehe gab es bereits bei der sogenannten Verpartnerung, die einer Heirat im Prinzip gleich kam). Auch in Salzburg ist eine Ehe für Homosexuelle erlaubt, man kann analog zu heterosexuellen Paaren beispielsweise im Schloss Mirabell heiraten. Egal wo wir sind, ich achte immer auf die Umwelt und die Reaktionen um uns herum. Auch in Europa gibt es noch viele Länder, wo ein Händchen halten für uns gefährlich werden kann. In Salzburg ist davon keine Spur. Es gibt keine dummen Sprüche (ja, auch das ist unser Alltag), keine neugierigen Blicke, kein Getuschel. Insbesondere gilt dies für unser Hotel. So wünschen wir uns das weltweit! Wir fühlen uns wohl und sicher und sind dafür dankbar.

Dementsprechend wird das wohl nicht unser letzter Besuch in Salzburg gewesen sein. Einiges kann man gerne auch öfter als ein mal sehen, Einiges fehlt uns noch ganz.

Katjas Blick auf die Stadt und unsere Erlebnisse (und auch das, was sie erlebt hat, als wir noch nicht angekommen waren) findet ihr auf ihrem Blog WellSpa-Portal.de.

Offenlegung: Ich habe für meinen Beitrag über Salzburg und das Arte Hotel inklusive Salzburg-Card ein Honorar erhalten. Meine eigenen Eindrücke und meine hier und in sozialen Medien geäußerte Meinung sind davon unbeeinflusst. 

 

 

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