Wien – Insidertour mit einer Einheimischen

16. Juni 2018
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Häufig habe ich drei oder vier Tage am Stück frei, und diese verbringe ich sehr gerne mit kurzen Trips. Häufig bleibe ich dabei aus ökologischen Gründen nahe an meinem Heimatort, zumal es auch dort etwas zu sehen gibt. Zwischendurch müssen es aber auch einfach besondere Dinge sein. Ende Mai riefen Katja von WellSpa-Portal und Reisebloggerin Gudrun, gemeinsam trafen wir uns in Gudruns österreichischer Heimat in Wien. Es ist nicht ganz ihre Heimat, aber seit vielen Jahren schon wohnt Gudrun in Wien.

Auf einem Städtetrip kann Einem nichts Besseres passieren, als von einem Einheimischen begleitet zu werden. So kam Gudrun schon im Vorfeld mit dem Tipp, dass am Sonntag des geplanten Wochenendes der österreichische Frauenlauf in Wien statt findet. Da ich seit einigen Wochen wieder richtig trainiere, wollte ich diese fünf Kilometer durch den Prater als ersten Lauf seit Jahren her nehmen. Mein erstes Etappenziel sozusagen. Ich war schon in recht guter Form, machte mir keine Sorgen mehr über das anständige Schaffen der Strecke. Vor Allem sollte es Spaß machen, aber ich bin ja immer auch ehrgeizig. Also gemeldet, Shirt dazu bestellt und online bezahlt. Ich nehme es gleich vorweg: ich konnte überhaupt nicht laufen. Ein Bandscheibenvorfall zwei Wochen vor dem Lauf legte mich absolut lahm. An Joggen war nicht zu denken und auch so war Schongang angesagt. Der Clou kommt dann aber später.

Carina musste am Freitag leider noch arbeiten, so dass wir unterschiedlich anreisten. Ich flog bereits früh von Nürnberg aus nach Wien und Carina kam abends mit dem Zug nach. Beides war super unkompliziert. Ich schätze, dass Carina mit dem Zug ungefähr genauso lang gebraucht hat wie ich. Allerdings muss man dazu sagen, dass wir direkt am Wiener Hauptbahnhof im Novotel untergebracht waren. Dementsprechend musste Carina natürlich keinen Weg mehr innerhalb von Wien zurück legen.

Zudem begann meine Reise mit Verspätung, denn am Wiener Flughafen in Schwechat tobte ein mächtiges Gewitter, so dass der komplette Flugverkehr stillgelegt war. Katja flog fast zeitgleich von München aus, beziehungsweise flog eben auch nicht. Wir saßen beide ungefähr eine Stunde im Flugzeug rum und texteten munter unsere WhatsApp-Gruppe voll. Dies sorgte dann schon für die ersten Lacher und diverse Running Gags. Trotz Verspätung starteten wir also stimmungsmäßig gut. In Wien angekommen wartete Katja am Ausgang noch kurz auf mich und gemeinsam fuhren wir erst mal in die Stadt. Wir brachten unsere Sachen ins Hotel und wurden dort von Gudrun abgeholt.

Zuerst haben wir Hunger. Was muss man in Wien unbedingt gegessen haben? „Käsekrainer!“ sagt Gudrun. Wir gehen also an eine Bude und bestellen. Dummerweise finde ich dort auch Debrecziner und entscheide mich dann dafür, aber auch das ist lecker. Zum Glück hab ich Käsekrainer auch schon mal gegessen.


In Wien gibt es natürlich ein absolutes Muss – den Stephansdom. Ich war ja schon einmal in Wien und habe ihn da auch gesehen, allerdings war er komplett verhüllt und auch nur kleine Teile des Dachs waren damals sichtbar. Diesmal ist es anders, wir haben also Glück! Wir entscheiden uns für eine Aufzugtour nach oben auf die Aussichtsplattform des einen Turms. Ich bin unsicher, ob ich den Aufzug überhaupt verlassen kann. Meine Höhenangst spielt mir mitunter üble Streiche. Doch hier geht es ganz gut. Steinboden, genug Platz und vor Allem direkt nebenan erst mal das Dach des Kirchenschiffs. So kann ich sogar relativ ruhig den Aufzug verlassen und mich auf der Plattform bewegen. Es gibt zwar kritische Stellen, aber auch die meistere ich. Und worauf ich ganz stolz bin: ich taste mich an den Rand und strecke meine Hand mit Smartphone durch die Gitter für Fotos ohne Zaun. Zwar ein komplett ausgestreckter Arm, aber ich habe es hinbekommen!

Im Anschluss schlendern wir langsam – ich gebe das Tempo vor – in Richtung Museumsquartier. Einen Stop machen wir auf dem Weg noch, nämlich bei Trzesniewski. Der Gründer hatte seit 1902 eine Imbussbude und siedelte später an den heutigen Standort in der Dorotheegasse. Inzwischen gibt es elf Filialen in Wien. Dort gibt es Brot mit Aufstrichen. Ein kleiner Snack zwischendurch, der auch bei Wienern sehr beliebt ist. Der Laden ist urig dunkel, holzvertäfelt rustikal. Wir teilen uns drei Brotscheiben, Gudrun wählt. Dazu gibt es Pfiff. Dabei handelt es sich um ein sehr kleines Bier im 0,125-Liter-Krug. Eher ein Krügchen, fast analog zum Kölsch. Nur eben noch kleiner. Und besser. Und stilecht aus dem Glaskrug. Wirklich hungrig waren wir nicht, hatten ja kurz zuvor erst die Wurst. Aber die Brote sind klein, mit nur ein paar Bissen sind sie schon weg.

Beim kunsthistorischen Museum fragt Gudrun nach der Klimt-Ausstellung. Klimt gehört nicht gerade zu meinen Favoriten, Katja und Gudrun möchten es aber gerne sehen. Da sich zu diesem Zeitpunkt auch mein Rücken meldet, entscheiden wir ganz simpel: ich lege mich auf die Wiese vor dem Museum und ruhe mich und meinen Rücken aus und die beiden Damen besuchen die Ausstellung. Vor dem Museum stehen penetrante Zigeunerinnen, die sich an Touristennepps versuchen. Gudrun schreitet ein, als sie eine Japanerin schon beinahe bedrohen. Trotzdem trauen sie sich auch noch zu mir und versuchen, mir ihre Blumen anzudrehen. Ich fahre sie ziemlich an und ignoriere dann, das wirkt. Bestimmt eine halbe Stunde liege ich auf der Wiese und beobachte Passanten, dann kommen Katja und Gudrun wieder. Gemeinsam geht es dann weiter zum Museumsquartier.

Dort sind auf dem Platz überall Sitz- und Liegemöglichkeiten verteilt. Wir holen uns ein Frozen Yoghurt und liegen dann fast zwei Stunden auf einem lila Block und reden über das aktuelle Thema schlechthin: die Datenschutzgrundverordnung und vor Allem Bildrechte. Auch versuchen wir uns in Dingen wie dem Profilbildmodus, damit keine fremden Passanten mit abgebildet sind. Dafür sieht man dann aber leider auch nichts mehr von der Umgebung. Langzeitbelichtung ist wohl eine Möglichkeit. Aber mit unseren Smartphones schwierig. Uns dürfen wir ja aber fotografieren. Ein großes Thema ist dann auch noch Einwanderung in Österreich, wie sich das auf Wien auswirkt und was sich die Regierung aktuell so einfallen lässt. Reine Deutschlernklassen für Grundschüler ist ein Stichwort. Neben uns wird gekifft, ganz offen. Der Besitz kleiner Mengen wird in Österreich nicht unbedingt mit einem Strafverfahren geahndet, höre ich dann.  Wäre ich nun alleine als Tourist in Wien unterwegs gewesen, hätte ich nie derartige Einblicke gewonnen. Genau deswegen ist es so wertvoll, mit Einheimischen unterwegs zu sein.

Nachdem wir lange genug Stimmung im Museumsquartier aufgesaugt haben, ist es schon Zeit für ein Abendessen. Gudrun hat nicht weit entfernt im Wiener Wiazhaus einen Tisch reserviert. Dort gibt es gute Hausmannskost, für mich einen Zwiebelrostbraten. Von überall heißt es „geht zum Figlmüller“ und „beim Figlmüller gibt’s die besten Schnitzel von Wien“. Aber wir hören: da gehen nur Touristen hin, ein Wiener würde dort niemals essen. Außerdem sehen wir an einigen Stellen Schilder mit der Aufschrift „das beste Schnitzel in Wien“ und stellen uns dann die Frage, ob Touristen einfach so leichtgläubig sind, solche Aufschriften für bare Münze zu nehmen. Mag ja sein, dass das Schnitzel gut ist und die Location nett, aber es soll ja schon authentisch sein.

Nach dem Essen geht es zurück zum Hotel. Der Weg zur U-Bahn ist wieder nicht weit, und auf den paar Metern geht es noch an der Karlskirche vorbei. Diese habe ich auch vor zehn Jahren schon besucht, und sie ist einen Besuch nicht nur von außen wert. Wir belassen es jetzt aber beim Anblick von außen und es ist fast etwas schade, dass noch nicht blaue Stunde ist. Aber mein Rücken hat genug und außerdem ist es ja auch an der Zeit, Carina abzuholen. Carina war vorher noch nie in Wien und freute sich unheimlich, zumal sie ja ein großer Österreich-Liebhaber ist.

Den Abend verbringen wir an der Hotelbar, zu kaputt um nochmal loszuziehen. Außerdem ist es dort wirklich schön, wir fühlen uns wohl. Das Hotel ist noch nicht lange eröffnet, jedoch auch wieder schon so lange, dass man erste Gebrauchsspuren sehen müsste. Hier sieht man aber nichts, was im Umkehrschluss ja heißt, dass immer wieder investiert wird. Keine Farbstreifen an den Wänden, keine Fußspuren auf den Teppichen. Mir gefällt besonders die Mischung aus geradliniger Moderne und kunterbuntem Schnickschnack.

Wir kosten verschiedenes von der Hotelkarte. Carina hat ja noch nicht gegessen, für sie ist es ein sehr leckerer Burger. Wir probieren verschiedene Drinks und Desserts und nebenbei beschallt uns eine Band über große Monitore. Dabei wechseln immer wieder -auch mitten in den Songs-die Protagonisten. Die Atmosphäre ist entspannt. Am nächsten Abend findet das Finale der Champions League statt, und ich als Fan und Mitglied des Liverpool FC muss das Spiel natürlich unbedingt sehen. Als wir hören, dass es im Hotel ein Public Viewing gibt, ist sofort klar, wo wir das schauen werden.

Zuerst aber schauten wir noch etwas Anderes, wir genossen die Aussicht über Wien. Unsere Zimmer befanden sich im 18 Stockwerk, dem höchsten. Zwar gibt es ein Stockwerk 19, doch das beinhaltet den (sehr schönen) Wellness- und Fitnessbereich. Obwohl dort bis 24 Uhr geöffnet ist, haben wir weder Zeit noch Energie, den Bereich zu nutzen. Von oben beobachten wir am Samstag den Sonnenuntergang, aber vor dem Spiel ist nicht mehr genug Zeit für einen Saunagang und nach dem Spiel ist die Laune nicht mehr vorhanden. Der Ausblick ist aber jedenfalls sowohl vom Wellnessbereich als auch aus unseren Zimmern herrlich, und das sowohl bei Tag als auch bei Nacht als auch zwischendrin.

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Sports. Zwar war bereits klar, dass ich den österreichischen Frauenlauf definitiv nicht laufen kann, aber das umfangreiche Startpaket und mein Shirt wollte ich natürlich trotzdem haben. Auch Gudrun musste ihr Paket abholen. Zuerst ging es früh also an den Prater. Auch den Prater kannte ich schon, allerdings scheine ich damals einen Feiertag erwischt zu haben. Bei meinem letzten Besuch war nämlich alles geschlossen. Umso schöner, das Ganze heute lebendig zu sehen und einmal etwas darüber zu schlendern. Ein Touristending gab es dann doch, aber wir mussten es einfach tun. Das historische Riesenrad am Prater muss man ein mal in seinem Leben gefahren sein. Der Eintritt ist mit 10 Euro zwar echt happig, aber wir legen sie wirklich hin. Dafür geht es ein mal mit dem Riesenrad im Kreis. Natürlich ist das heute nicht mehr zeitgemäß, aber vielleicht ist es ja auch gerade das, warum das Gehirn für einen Moment aussetzt und man auch 10 Euro bezahlt.


Wien scheint also im Zeichen der Aussicht zu stehen, von oben hat man natürlich auch einen wunderbaren Blick über Wien. Ich kämpfe hier relativ stark gegen meine Höhenangst. Auch eine Familie befindet sich mit uns im Waggon, und das Kind beobachtet den Free Fall Tower. Ihre Aussage „und jetzt fallen die runter“ half nicht unbedingt gegen mein Zittern und meine Atemnot. Ich hab es dann aber doch unter Kontrolle bekommen, Carina hat wunderbar reagiert.

Quer durch den Park ging es dann an der Hauptalle entlang bis zum Ernst-Happel-Stadion. Dabei lernten wir, dass an den Straßenschildern immer der Wiener Bezirk mit genannt wird und fühlten uns dann schon peinlich berührt mit unserer Frage, wie viele Hauptalleen der Prater denn habe. „2., Hauptallee“. Das Komma hatten wir übersehen. Am Stadion waren haufenweise Buden und Zelte aufgebaut und es hieß erst mal wieder Pause. Es war ziemlich warm, also erst mal was trinken. Gudrun und ich holten unser Startsackerl ab, und das Ganze ging erstaunlich schnell. Wenn man bedenkt, dass innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums 35000 Läuferinnen erst ihre Startunterlagen holen, damit dann ihr Goodie-Bag und dann nochmal ihr Laufshirt, rechnet man eher mit einer langen Wartezeit. Doch alles war gut organisiert, es dauert nur wenige Minuten, bis wir alles in den Händen halten.

Mein vollgepacktes Set drücke ich Carina in die Hand, denn Tragen funktioniert momentan ja eher nicht so. Carina kommt dann spontan auf die Idee, dass sie ja laufen könnte an meiner Stelle. Die Atmosphäre scheint sie anzustecken. Sie ist sich allerdings unsicher, ob sie diese fünf Kilometer überhaupt schaffen würde. Da wir ja gemeinsam trainieren, bin ich wiederum absolut sicher, dass sie das ohne Probleme schafft und überzeuge sie. Auch Gudrun und Katja unterstützen mich, und so entscheidet Carina sich wirklich für einen Start mit meiner Startnummer. Sie bekommt mein Laufshirt, auch wenn das zu groß ist. Schuhe? Hose? Wir tüfteln etwas und haben dann das wunderbare Ergebnis, dass wir nicht mehr shoppen gehen müssen. Gudrun leiht Hose und Socken, ich meine AirMax. Die sind Carina zwar etwas zu groß und umgekehrt sind mir ihre Schuhe, die ich dann vorübergehend tragen muss deutlich zu klein, aber das ist es wert. So sind wir den ganzen Tag ein klein wenig aufgeregt. Nur eine kleine Tasche bräuchten wir noch, damit Carina auf dem Weg Musik hören kann, so wie wir es beim Training eben immer tun. Auf dem Rückweg zum Hotel müssen wir also einen kurzen Stop einlegen. Zuvor haben wir aber Hunger. Wir wollen zurück zum Prater, aber mir hat der Weg schon gereicht. Also fahren wir mit der Liliputbahn zurück und sparen uns weitere Schritte. Dabei haben wir wirklich Glück, denn wir erwischen dabei die Dampflok, die nur selten fährt. Das ist natürlich spannender und schöner als eine normale Bahn.

Wieder am Prater angekommen geht es zum Mittagessen ins Schweizerhaus. Dort haben wir Glück, dass gerade ein Tisch draußen frei wird. Überall stehen so weit ich mich erinnere Kastanien, nur wir sitzen unter der Linde und werden munter vollgeworfen vom Baum. Wir trinken Bier oder Radler und essen zünftig. Es gibt Backhendl und Schnitzel und die beiden Bloggerkolleginnen Katja und Gudrun teilen sich eine Stelze. Bei uns ist das unter dem Namen Haxe bekannt. So sehr es mir auch angepriesen wird, da krieg ich Probieren einfach nicht hin. Stinkfrucht? Kein Problem. Fliegen? Kein Problem. Schnecken? Kein Problem. Aber Schweinshaxe, da kann ich mich nicht überwinden. Ich bin sowieso kein Fan von Schweinefleisch, das gibt es bei uns zuhause nie. Schmeckt uns einfach nicht wirklich und gesund ist es ja auch nicht gerade, deswegen verzichten wir lieber. Was ich aber wirklich richtig eklig finde, das ist die Schwarte. Und deswegen kann ich mich auch nicht zum Kosten überwinden.

Nach dem Essen kommt dann der bereits erwähnte Stop mitten in der Stadt. So hat auch Carina die Möglichkeit, etwas mehr von Wien zu sehen. Auch sie fährt im Stephansdom nochmal nach oben, während ich unten in einer Kirchenbank sitzend warte und einfach die Atmosphäre aufsauge. Wir finden schon im zweiten Laden eine Bauchtasche, somit ist das Shoppen bereits erledigt. Da der Tag noch sehr jung ist, schlendern wir noch etwas weiter, bis zur Ubahn müssen wir ja sowieso. Wir kommen am Hotel Sacher und an der Oper vorbei. Die Oper ist so gut wie immer ausverkauft. Doch es gibt einen eigentlich unglaublichen Service: viele Aufführungen werden live nach draußen übertragen. Wenn man abends mit einem Liegestuhl kommt, kann man sich vor der Oper gemütlich platzieren und die Aufführung sehen, auch wenn diese ausverkauft ist. Wir wollen in den Burggarten und kommen auf dem Weg noch an der Albertina vorbei. Es ist unglaublich, wie geballt es in Wien mit Sehenswürdigkeiten ist. Vom Stephansdom zum Burggarten sind es vielleicht fünfhundert Meter. Im Burggarten trinken wir sehr teure, aber auch sehr leckere hausgemachte Limonade und besuchen dann noch das Schmetterlinghaus. Auch das kenne ich bereits, und diesmal kommt es mir deutlich kühler vor als letztes Mal. Wir sind fasziniert von den wunderschönen Lebewesen!

Das Schmetterlinghaus ist kleiner als ich es in Erinnerung hatte, so sind wir schnell durch. Wir bemerken aber, dass wir doch Einiges übersehen haben. Man muss langsam machen, genau schauen. Bei einer zweiten Runde fällt uns viel mehr auf und wir bleiben auch einfach mal stehen und beobachten. Nach einer halben Stunde sind wir trotzdem durch und fahren zurück ins Hotel. Wir brauchen eine Pause. Auch nach der Pause bleibt es gemütlich, an der Hotelbar schauen wir das Champions League Finale. Für mich als Fan und Mitglied des Liverpool FC hat das ja ein nicht gerade rühmliches Ende, aber ich nehme es mit relativer Gelassenheit. Hinter uns sitzt ein ziemlicher Quacksalber, der vor Allem ständig unlogische oder gar falsche Dinge rumposaunt. Wir haben also genug zum Amüsieren.

Am nächsten Morgen ist die Aufregung groß. Schon sehr früh starten wir mit dem wunderbaren Frühstücksbuffet. Während wir am Vorabend dachten, um so eine Uhrzeit hätten wir das Buffet möglicherweise für uns alleine, wurden wir heute vom Gegenteil überzeugt. Denn die eingebuchten Reisegruppen müssen anscheinend früh wieder im Bus sitzen. Dennoch finden wir gut Platz und sind ordentlich gestärkt. Während neben mir hauptsächlich Chia-Pudding verdrückt wird, halte ich es eher mit den deftigen Speisen.

Carina wirft sich in ihr geliehenes Dress, die Schuhe tauschen wir allerdings erst kurz vor dem Start. Für sie ist das relativ unproblematisch, für mich wird es im Laufe des Laufs ein wenig zur Qual und ich bin froh, als ich nach dem Lauf wieder befreit bin. Bereits an der U-Bahn in der Stadt ist es unglaublich, wie viele Menschen auf Grund des Laufs unterwegs sind. Spätestens am Stadion ist man überwältigt, denn ganze Menschenströme werden hier aus der Bahn ausgespuckt und laufen zu ihren Startblöcken. Man wurde im Vorfeld in verschiedene Blöcke eingeteilt. Weiter hinten starten ist kein Problem, weiter vorne starten bedeutet Disqualifizierung. Als wir ankommen, geht gerade der erste Block auf die Strecke. Wir verabschieden uns an Carinas Startblock und suchen uns ein Stück weiter einen schönen Platz zum Anfeuern. Nicht aber um noch den Start weiterer Blöcke zu beobachten. Es ist einfach faszinierend, wenn 35000 Läuferinnen an den Start gehen, und selbst trotz der Einteilung in Startblöcke ist die Masse an Läufern nach jedem Startschuss einfach mitreißend. Ich habe einen Klos im Hals und Gänsehaut. Als Carina startet, warten wir schon auf einer Bank auf sie. Nach und nach nähern sich die Buchstaben. Wir sehen auch Gudrun vorbei laufen und feuern ordentlich an. Sie läuft in einem deutlich früheren Startblock, so dass wir sie nur ein mal auf der Strecke sehen. Carina läuft und sieht extrem entspannt aus, strahlt als sie uns sieht. Kaum ist sie vorbei, verlagern wir unseren Platz. Sprich wir gehen ein paar Meter in Richtung Ziel, ohne dabei die ganzen Schleifen der Läufer mitzunehmen. Der direkte Weg zählt für uns. Und so schaffen wir es tatsächlich: wir können Carina relativ kurz vor dem Ziel ein zweites Mal anfeuern. Immer noch sieht sie total entspannt aus, als wäre das einfach gar nichts, was sie gerade gemacht hat. Hinterher ist sie dementsprechend stolz, und als ich später ihre Laufzeit Google, jubelt sie sogar. Gut 36 Minuten hat sie gebraucht. Das war besser als meine beste Zeit bisher auf dieser Strecke.


Im Hotel war man so nett, uns auf Grund des Laufs einen Late Checkout zu geben. Also fahren wir zurück ins Hotel, wo Carina in Ruhe duschen kann. Und tatsächlich gehen wir auch ein zweites Mal zum Frühstück, und diesmal probiere ich den Chia-Pudding. Wir checken aus und deponieren unser Gepäck im Gepäckraum des Hotels. Einen paar Programmpunkte haben wir nämlich noch. Zuerst geht es zum Schloss Schönbrunn, wo wir ein Sissi-Ticket haben. Wir nehmen keinen Audioguide, lesen an einigen Stellen und schauen ansonsten einfach nur die Fotos an. Ich bin etwas geschockt von den kleinen Einzelbetten, und auch das gemeinsame Schlafzimmer kann diesen Eindruck nicht mehr verändern. Ich muss dazu sagen, dass ich die Sissi-Filme nicht mal kenne, aber im Prinzip die Quintessenz daraus. Das ach so romantische Königspaar. Davon ist hier nichts zu sehen. Auch auffällig ist, dass viele Räume sehr identisch mit Möbeln bestückt und lediglich in anderer Farbe gehalten sind. Man kann sich also überlegen, ob man heute hier oder da Kaffee trinken mag, je nach Stimmung oder Farblaune. Im Schloss ist Fotografieren leider verboten, so dass es lediglich von außen Bilder gibt. Wir sind erstaunlich schnell durch und besuchen dann den Schlossgarten. Hier wird in wenigen Tagen ein Open Air Konzert statt finden. Für uns bedeutet das leider, dass alle Grünflächen bereits mit Bauzäunen umrandet sind und sich der Anblick dadurch doch negativ verändert. Ich brauche eine Pause, mein Rücken tut weh. Also entscheiden wir, dass der Rest ohne mich weiter geht. Unser Ticket gilt nämlich auch noch für das Sissi-Museum in der Innenstadt. Für mich geht die Gesundheit vor und somit das Schonen meines Rückens. Ich bleibe eine Weile auf einer Bank im Schlossgarten liegen. Gegenüber liegt eine Familie. Mama auf einer Bank, Papa und kleine Tochter auf der anderen Bank. Ein toller Anblick. Ich akzeptiere die Privatsphäre und fotografiere nicht, während andere Passanten ihren Fotoapparat mitten in die Gesichter der Schlafenden halten.

Nach einiger Zeit Pause mache ich mich auf den Weg zurück und relativ zeitglich treffe ich mit den Anderen am Hotel ein. Dort holen wir unser Gepäck und steigen direkt gegenüber am Hauptbahnhof in den Zug zum Flughafen.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei Gudrun für die Organisation bedanken! Und natürlich ein wenig Werbung für die Artikel meiner Kolleginnen machen. Gudrun hat eigene Zeilen über unser Wochenende geschrieben. Auch Katja hat bereits über unseren Trip gebloggt, hier könnt ihr den Trip aus ihrer Sicht nachlesen.

Wir wurden vom Novotel Wien Hauptbahnhof für zwei Übernachtungen mit Frühstück eingeladen. Alles was wir sonst dort im Hotel verzehrt haben, haben wir ganz normal bezahlt. Dementsprechend kamen wir nicht in einen Sondergenuss sondern wurden von den Mitarbeitern als ganz normale Kunden wahrgenommen. Mein sehr positives Urteil über das Hotel ist also nicht durch Sonderbehandlung beschönigt.

 

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