Heimreise aus Lüttich per Taxi

19. Januar 2014
866 Views

Nun gut, die Nacht im katastrophalen Hotel war okay, ich hab tief und fest geschlafen, trotz Kloschüssel neben dem Kopf. Am Morgen klingelt der Wecker und ich mache mich fertig und gehe dann nach unten, um von dort aus noch den Blog vom gestrigen Abend hochzuladen. Free Wifi und so. Ich checke also aus und mache es mir so gut es auf Hartplastikschalensitzen geht gemütlich und lade Bilder hoch. Das Netz ist ziemlich langsam, aber Starbucks gibt es in Lüttich leider keinen. Naja, dann bleibe ich eben noch etwas sitzen – ich Trottel. Wär ich mal abgehauen…. bisher hatte man nämlich meine Kreditkarte noch nicht durchgezogen und bei all dem Papierwust den die da hatten, hätten die meine Zahlung ja vielleicht tatsächlich vergessen. Leider fiel der Dame das aber auf, während ich da saß und dann musste ich doch noch berappen. Und das Zimmer war ja definitiv nicht mal annähernd seinen Preis wert.

Dann mache ich mich mitsamt Gepäck nochmal auf durch die Stadt. Die Einkaufsgassen sind schon nett, aber eher englischer Hafenstyle, weit weg vom benachbarten Maastricht oder Aachen.

luettich2_1

Nun ja, dann kommt der Zeitpunkt, an dem es irgendwie einfach vorbei ist und ich zurück will, einfach nur nachhause. Das bedeutet, ich sitze kurz nach 13 Uhr am Bahnhof, hab noch letzte Mitbringsel (belgische Schokolade) besorgt und dann ab ans Gleis, auf den Zug warten. Planmäßige Abfahrt: 15:14.

Es ist 15 Uhr und ich freue mich schon wie Schneekönig, einfach nur noch in den Zug setzen und am besten die Fahrt über schlafen. Es ist 15.14 und plötzlich steht der Zug nicht mehr am Gleis angeschrieben. Ich gerate beinahe in Panik ob der Sprachkenntnisse der hiesigen Bevölkerung. Die Polizisten sprechen aber glücklicherweise a little und sagen, der Zug kommt später. Okay, das ist nun mal die Bahn, Verspätung eben. Halb so schlimm. Dann heißt es anderen Reisenden gegenüber auf holländisch, dass wir eine Stunde Verspätung haben. Und plötzlich steht der Zug auch nicht mehr als verspätet auf der Anzeigentafel.

Dann tun sich 4 Leute zusammen und marschieren ins Bahnzentrum. Alle mit Englisch ausgerüstet und einer auch mit Niederländisch, drei mit Deutsch, einer mit Schwedisch, da wird doch was zu machen sein. Wir erfahren, dass der Zug auf Grund kaputter Türen komplett ausfällt und bekommen alle ne Bescheinigung ausgedruckt, dass wir auf Grund von Verspätungen unsere gebuchten Züge nicht mehr nehmen können und unsere Tickets daher auch in anderen Zügen gültig sind. Juhu. Außerdem bekommen wir neue Zugverbindungen. Meine Verbindung hätte bedeutet: noch zwei Stunden in Lüttich warten (oh no!), bis Köln drei verschiedene Regionalbahnen und ein IC bei gezahlten ICE (hey!!), vier mal Umsteigen anstatt einmal (grrr!) und vor Allem: vier Stunden später in Nürnberg (nein, no way!!!!). Wir überlegen, ob wir verbotenerweise den Thalys nehmen, bekommen nach langem Betteln die Deutsche Bahn ans belgische Bahntelefon (deutsche Servicenummern kann man aus dem Ausland nicht vom Mobiltelefon anrufen) und bekommen da die Zusage, dass wir Thalys fahren dürfen. Dies würde unsere Fahrt um eine Stunde kürzen. Immer noch nicht wirklich erheiternd. Außerdem war uns eine telefonische Zusage eines Callcentermitarbeiters nicht sicher genug, um nicht irgendwo aus dem Thalys zu fliegen und dann dumm da zu stehen. Wir bitten um ein Sammeltaxi, denn auf der Deutschen Bahn Seite im Netz steht, dass Sammeltaxen ab einer Verspätung von einer Stunde bezahlt werden. Vier Stunden sollten das rechtfertigen, bei einem anderen Mitfahrer wären es sogar sieben Stunden gewesen. Die Bahn verneint. Grund: Das Ganze ist ja in Belgien passiert. Die belgische Bahn verneint. Grund: Der Zug ist ja ein ICE von der Deutschen Bahn. Danke Europa!

Der schwedische Geschäftsmann unter uns entscheidet sich dann, dennoch mal nach den Taxipreisen zu fragen und kommt mit einem „250 Euro“ zurück. Zu viel. Er überlegt und überlegt und sagt dann „Ich habe eine Firma. Ich bin geschäftlich unterwegs. Ich fahre Taxi. Ich nehme euch mit. Ihr müsst nichts zahlen, meine Firma zahlt das.“ GEIL!

Wir steigen ins Taxi, fahren von Lüttich bis Düsseldorf, denn genau da muss er hin. In Düsseldorf kommen wir um 18 Uhr an, um 18:09 sehe ich am Automaten, dass um 18:13 ein ICE auf Gleis 15 fährt, mit dem ich nicht mal mehr umsteigen muss. Sehr geil! Ich verabschiede mich hastig und renne wie verrückt mit Gepäck auf dem Rücken zwischen den ganzen Horden von Menschen durch und erreiche den Zug, falle auf einen Platz und atme tief durch. Nürnberg ich komme. Zwei Stunden verspätet verpasse ich dann dank Rückzahlungsmodalitäten genau die S-Bahn und ebenso den Bus, so dass ich dann nochmal auf das Fortbewegungsmittel Taxi zurückgreife und die 7,50 angesichts dieses Tages durchaus selber berappen kann 🙂

Leave A Comment