Luzern – ich mag dich!

28. Oktober 2014
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Im September war es mal wieder so weit – ich durfte an einer organisierten Fahrt in die Schweiz teilnehmen. Mit selbiger Gruppe war ich bereits vor einem Jahr in den Niederlanden, und weil ich immer noch in der Betriebsmannschaft dieser großen Nürnberger Firma aktiv bin und dort das Coaching übernehme, obwohl ich gar nicht dem Betrieb angehöre, fand man auch dieses Jahr eine Lösung, mit der ich an der Fahrt teilnehmen durfte.

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Freitag früh um 6 Uhr ging es los. Auf dem Weg holten wir noch Brezen vom berühmten Nürnberger Brezen Kolb und dann sollte es los gehen. Irgendwie fehlte da aber Jemand, so dass sich unsere Abfahrt ganz schön verzögerte. Wir kamen zwar gut durch, doch durch unsere verspätete Abfahrt verpassten wir in Friedrichshafen die Fähre. Klar kann man auch anders in die Schweiz kommen, aber die Fährfahrt sollte das erste Highlight sein.

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Wir mussten also auf die nächste Fähre warten, und die nahm uns mit und sorgte für tolle Ausblicke.

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In der Schweiz angekommen, konnte es doch nicht mehr weit sein – so dachten wir. Doch irgendwie zog sich alles endlos. Zwischendurch standen wir auch noch im Stau. Als wir unsere Hotelzimmer im Etap in Luzern bezogen war es bereits Anstoßzeit, und da hatten wir noch keine Schweizer Franken. Wir versorgten also noch eine Busladung mit Geld (zeitgleich bei drei Banken um Zeit zu sparen) und dann ab auf den Sportplatz des FC Hergiswil, denn der erste Programmpunkt war ja das Match gegen die Schweizer Kollegen.

Da uns die Schweizer letztes Jahr in Deutschland besucht hatten, kannten wir uns bereits zum großen Teil und feierten ein freudiges Wiedersehen. Viel Zeit dazu blieb nicht, denn wir waren gerade einmal hin und her über den Platz gelaufen, mussten wir zum Mannschaftsfoto antreten. Danach wollte der Schiri bereits anpfeifen, doch ich bat darum, dass wir wenigstens noch kurz den Ball am Fuß haben dürften.

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Über das Spiel verliere ich lieber nur wenige Worte. Wir hatten zwar die ersten und besseren Chancen,wurden aber klassisch ausgekontert und auf diese Weise direkt abgeschlachtet. Zur Halbzeit stand es 0:6 für unsere Gegner. In der Halbzeitpause stellten wir um und so gewannen wir die zweite Hälfte mit 3:2. So hingen unsere Köpfe nicht mehr ganz so dramatisch, erfreulich war das Ergebnis allerdings nicht.

Im Anschluss an unser Spiel gab es ein spannendes und hochdramatisches Spiel der Männer, und auch hier behielten die Schweizer die Oberhand und gewannen mit 1:0.

Im Sportheim gab es danach ein Buffet und Getränke und ein Teil von uns zog anschließend in Luzern noch um die Häuser. Ich persönlich war dafür zu platt. Zu sehr hatten mich die letzten Wochen in der Arbeit strapaziert. Ich wollte nur noch ins Bett.

Im Hotel kam ich dann dazu, endlich mal das Zimmer etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Dies ist nicht meine erste Unterbringung in einem Etap-Hotel, aber diese Variante ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Unser Zimmer hat nämlich ein Etagenbett. Das untere Bett ist ein reguläres Doppelbett. Wir konnten uns die Zimmerbelegung aussuchen, aber ich bin da etwas eigen. Es fällt mir schwer, mit Fremden in einem Raum zu schlafen, meist liege ich ewig wach. Mir ein Bett mit Jemandem zu teilen, mit dem ich nicht absolut vertraut bin, das kommt für mich nicht in Frage. Daher nutzte einer von uns das untere große Bett und einer die obere Etage, die wiederum so klein war, dass so manch einer echt Schwierigkeiten hatte. In unserem Fall durfte ich unten schlafen und meine Zimmermitbewohnerin hatte auch keine Größenprobleme mit dem oberen Bett. Auch auffallend war, dass sich die Toilettentür weder schließen noch absperren ließ. Es handelte sich nur um eine Schwingtür, der Griff war ein Loch in der Tür (nicht weil der Griff fehlte sondern weil er so konzipiert war) und vor Allem reichte die Tür nicht zum Boden sondern war frei schwingend ca 20 cm höher angebracht. Das mag vielleicht stylisch zu Etap passen. Zu mir passt es aber nicht. Meine Geräusche auf der Toilette und diverse Gerüche dürfen genauso wenig ins Zimmer dringen wie ich fremde Geräusche und Gerüche haben möchte. Besonders weit gedacht haben die Architekten hier jedenfalls nicht. Auf Grund dieser Mankos würde ich das Hotel nur bedingt weiter empfehlen.

Am nächsten Morgen ging es dann zum Frühstücksbuffet, das etaptypisch nicht zu umfangreich, aber völlig ausreichend war. Das Personal hatte am Vortag von uns wissen wollen, um wie viel Uhr wir zum Frühstück kommen würden, was ich auch als etwas ungewöhnlich empfand. Auf der anderen Seite kann ich es auch verstehen, wenn man eine Gruppe erwartet.

Ein kleiner Teil von uns machte sich dann zu Fuß auf und erkundete die Stadt. Ziemlich schnell landeten wir am Vierwaldstädter See und gingen dann eine ganze Weile am Ufer entlang. Wirklich schön!

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An einer kleinen Bude mit Seeblick gönnten wir uns eine Pause und ich schlürfte einen Chai Latte. Da ich am Abend zuvor kein Geld ausgegeben hatte, durfte ich mir das heute gönnen, und hier war der Preisunterschied zu Deutschland gar nicht so groß.

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Nach und nach kamen immer wieder größere Gruppen in Bussen an. Ein Bus der Armee, alle in chicen Uniformen, eine italienische Folkloregruppe, ein Spielmannzug. Wir wunderten uns doch ein wenig, doch als wir weiter gingen, wurden wir sehr schnell aufgeklärt. Im Hafen fand ein kleines Festival statt, das in Kürze beginnen sollte. Wir konnten jedoch nicht verweilen und lauschen, weil ja auch noch Programmpunkte anstanden.

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Auf dem Weg zum Treffpunkt kamen wir noch am wohl größten Wahrzeichen der Stadt vorbei, einem hölzernen Steg. Hier hat es vor vielen Jahren mal gebrannt, aber der Steg konnte erhalten und restauriert werden und er sieht wirklich schön aus. Als wir über den Steg gehen habe ich bereits mein heutiges Schrittziel erreicht (mein Handy zählt automatisch meine Schritte, und 10000 ist das tägliche Ziel), obwohl noch nicht mal die Hälfte des Tages vorbei war.

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Wir trafen uns alle gemeinsam und bekamen eine Stadtführung von Einheimischen. Keine professionelle Führung, aber eine Führung, bei der man sich auch etwas gedacht und ausgedacht hatte, mit viel Witz und Charme.

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Zunächst sahen wir uns das Löwendenkmal an. Schon alleine die Details und die Größe des in den Felsen geschlagenen Löwen ist nicht von schlechten Eltern. Unter dem Löwen eingemeißelt sind Namen der gefallenen und der geretteten Soldaten der Schweizer Garde, die beim Tuileriensturm während der Französischen Revolution beteiligt waren. Uns wurde noch erzählt, dass dieser Löwe einmal bemalt wurde und später Spezialisten aus den USA eingeflogen wurden, um die Farbe Pigment für Pigment wieder abzutragen. Verrückt!

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Die erste Besonderheit der heutigen Stadtführung war ein gemeinschaftlicher Schnupf. Bereits beim Besuch der Schweizer letztes Jahr wurden die meisten von uns in diesen Brauch eingeweiht, und die meisten von ihnen wiederum finden diese Sache eigentlich ganz cool. Ich für meinen Teil habe mir letztes Jahr sogar selbst Schnupftabak besorgt und ihn auch immer wieder verwendet. Das alles ist jedoch nichts gegen einen Schnupf im Kreise von Freunden und dann auch noch im Kreise von Schweizern! Und das hier war der größte Schnupfkreis, den ich bisher gesehen habe.

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Hierfür muss vielleicht einmal das Prozedere erklärt werden. Jeder Teilnehmer erhält zwei kleine Häufchen Schnupftabak auf seine linke Hand. Dann treffen sich alle Hände in der Mitte und suchen den Kontakt zueinander, indem man den Daumen und den kleinen Fingerabspreizt und durch Kontakt zu den anderen einen Kreis bildet. Ein Auserwählter bringt dann einen Schnupfspruch vor, und was für Sprüche es da so gibt! Ich erinnere mich zum Beispiel an „Lieber vom Urs ein Poster als Penis im Toaster!“, doch die meisten sind für uns deutsche Ohren recht schwer verständlich. Nach dem Spruch kommt ein gemeinschaftliches „Priiis!“ von allen Mitschnupfern und dann führt man die Hand an die Nase und atmet ein Häufchen mit dem linken und eines mit dem rechten Nasenloch ein. Meist hängt dann irgendwo noch Schnupfpulver, so dass im Anschluss meist eine gegenseitige Gesichtskontrolle statt fand.

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Danach sollte es erst einmal nach oben gehen. Die Luzerner Stadtmauer hat unheimlich viele Türme, und einen davon bestiegen wir nun bis ganz oben. Das ging trotz meiner Höhenangst erstaunlich gut. Was dann folgen sollte war jedoch der absolute Horror, doch ich nehme es gleich vorweg: ich habe es geschafft!

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Wir liefen dann nämlich oben auf der Stadtmauer entlang. Und es ist hier nicht etwa so, dass der Weg breit und sichtgeschützt war. Zwei Personen passten aneinander vorbei, mussten sich dafür aber leicht schräg stellen. Die Mauer war an einer Seite in etwa so hoch wie ich oder höher, hatte aber immer wieder Schießscharten. Auf der anderen Seite des schmalen Weges befand sich ein Eisengitter, so wie ein ganz normales Balkongitter. Auf dem Bild kann man sehen, wie schmal die Mauer ist.

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Anfangs machten sich Manche noch einen Spaß daraus, am Gitter zu rütteln, oder sich darüber zu lehnen. Doch als sie dann sahen, dass ich davon wirklich Panik bekomme, ließen sie es freundlicherweise bleiben. Ich kann diese Panik  nicht erklären, denn ich weiß natürlich, das dieses Gemäuer uns tragen wird und ich weiß auch, das das Geländer fest ist. Dennoch habe ich Angst. An manchen Stellen ist es so schlimm, dass mir die Tränen kommen. An anderen Stellen, vor Allem wenn ich eine Weile warten muss, gewöhne ich mich an den Platz, an dem ich gerade stehe und kann mich sogar in Richtung Stadt drehen und die Aussicht genießen, und die ist wirklich toll!

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Nach der Mauer gibt es dann einen kleinen Shot für uns. Vodka, Haselnusssirup und Zitrone mit braunem Zucker. Wie dieser Shot heißt, habe ich leider vergessen. In meinem Gehirn tummelt sich der Name Cheesecake, aber den habe ich gegoogelt und musste feststellen, dass das etwas anderes ist. Ich frage bei meinen Mitfahrerinnen nach und sie nennen ihn auch Cheesecake. Und diese Kombination hat ein Freund eines Mitfahrers „erfunden“, daher darf er ihn auch frei benennen :)

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Danach splittete sich unsere Gruppe auf und ich schloss mich dem Teil an, der in einer Luzerner Bar Bundesliga kucken wollte, und das erwies sich als die richtige Entscheidung. Diese Bar war gigantisch! Das „The Bruch Brothers“ besticht durch die Tapeten, die Schallplatten, die umfassende Ausstattung mit großen Bildschirmen (so dass man wirklich aus jeder Sitzposition Fußball sehen kann, was wiederum so gar nicht zur so klassischen Inneneinrichtung passt) und mit seiner Gemütlichkeit!

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Einen Besuch hier kann ich nur jedem Menschen empfehlen, der seinen Fuß auf Luzerner Boden setzt. Vor dem Anpfiff der 15.30-Partien füllen wir noch ein Tippspiel aus und ich habe am Ende das Gefühl, dass ich gar nicht so falsch lag mit meinen Tipps.

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Dann kurz zum Frischmachen ins Hotel und von dort zu Fuß weiter zum gemeinsamen Abendessen im „Weissen Schloss“. Dort stellen wir fest, dass es anscheinend nicht üblich ist, dass Restaurants auch am Sonntag geöffnet haben. Dieses hier verweist jedenfalls stolz darauf, dass man auch am Sonntag geöffnet habe. Die Atmosphäre ist angenehm, das Personal freundlich. Wir bestellen Wein für den ganzen Tisch, teilen uns die Karaffen und dann geht es mit dem Menü los. Die Speisen sind allesamt hervorragend und der Wein passt vorzüglich dazu! Besser kann eine Menüzusammenstellung gar nicht sein, meinen vollsten Respekt hierfür!

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Und dann kam es: die Preisverleihung für das Tippspiel. Ich habe den zweiten Platz gemacht und Schweizer Pralinen gewonnen!

Danach wollen wir eigentlich noch weiter ziehen und brechen unsere Zelte ab. Einige von uns sind jedoch nebenan in der Bar versackt. Eine Weile ist unklar, ob wir nun gehen oder nicht. Ich hatte mich auf Gehen eingestellt und bin momentan auch nicht mehr besonders flexibel, was so etwas angeht. Dann stehen wir noch eine Stunde vor der Bar und quatschen. Das ist nett, aber noch woanders hin will ich danach nicht mehr. Die Gruppe zieht weiter in eine Bar, die in Richtung unseres Hotels liegt, so dass wir wenigstens noch ein Stück gemeinsam gehen, und dann liege ich wieder im Bett, während alle Anderen noch feiern. Keine Energie mehr für so etwas. Schade!

Am Sonntag Morgen direkt nach dem Frühtück ging es dann zurück nach Deutschland, diesmal ohne Bodenseeüberquerung. Die meiste Zeit der Fahrt wurde relaxt, manch einer zog es vor, sich auf zwei Sitzen zusammen zu kauern und zu schlafen. Das fotografische Dokument dessen werde ich hier natürlich  nicht veröffentlichen :)

Alles in Allem war es eine sehr gelungene Fahrt in einem Kreis toller Menschen, und die Gastfreundschaft der Schweizer Truppe war einfach hervorragend! So hätten wir uns das auch in Holland gewünscht :)

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