USA

Mojave National Preserve

12. Februar 2014
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Ich scheine Wüsten zu mögen…

Meine eigentliche Idee war es, am Colorado River entlang nach Süden zu fahren und in Needles zu stoppen. Ich habe dann mal meinen Lonely Planet gecheckt und auf die Schnelle so gar nichts dazu gefunden. Da ich gestern schon etwas Schwierigkeiten hatte bei der Motelsuche (zumindest deutlich weiter fahren musste als ich wollte) und es auch noch einige tolle Dinge auf dem Weg nach San Diego gibt, was mein nächstes städtisches Ziel ist, ändere ich meine Route spontan. Needles und der Colorado River wird gestrichen. Der Colorado River ist ohnehin die dreckigste beziehungsweise verseuchteste Brühe der Staaten, daher fällt mir der Verzicht nicht schwer.

Stattdessen mache ich mich auf den Weg durch die Mojave in Richtung Joshua Trees National Park.

Bevor es los geht nutze ich noch die Outlets in Primm, das selbst auch schon in der Mojave liegt. Die Mojave erstreckt sich über ein riesiges Gebiet vom Stadtrand von Los Angeles fast an der Küste bis Las Vegas. Nur ein Teil davon ist Nationalpark, immerhin der drittgrößte der Staaten außerhalb Alaskas. Nur das Death Valley und Yellowstone sind größer.

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Ich fahre also von Primm aus Richtung Nipton und wieder erinnert mich alles an Fallout New Vegas. Steckt wohl doch ein kleiner Gamer in mir. Rein von den natürlichen Gegebenheiten ist das Spiel auch realistisch, das kann ich heute nach einer Fahrt durch die Wüste sagen. Was allerdings unrealistisch ist, ist der mangelnde Flüssigkeitsbedarf. Es ist heiß, wenn auch nicht so heiß wie im Death Valley, und ich trinke eine Wasserflasche nach der anderen leer.

Die Straßenverhältnisse sind teilweise recht bescheiden. Zwar ist der Weg komplett geteert, aber halt wie. Löcher von zehn Zentimeter Tiefe und Split (nicht so wie wir Rollsplit kennen sondern deutlich grober) machen einen Großteil meines Weges aus. Außerdem waren die Straßen immer wieder gespickt von Dips. Dies war auch im Death Valley nahezu endlos vorhanden, und dort wie auch hier wurde mir beinahe schlecht davon. Ich bin einfach zu anfällig was solche Dinge angeht.

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Nach einiger Zeit auf schlechtesten Teerstraßen passierte ich einen relativ unübersichtlichen und völlig ungesicherten Bahnübergang in Cima und von da aus ging es weiter in Richtung Kelso. Beide Orte verdienen eine Erwähnung eigentlich nicht, aber zur Verfolgung der Route dienen sie dennoch.

Schilder warnen vor Schafen und vor Schildkröten. Das Dickhornschaf ist hier zuhause und Wüstenschildkröten. Leider habe ich Beide nicht spotten können. Das gilt auch schon für die in den letzten Tagen öfter angekündigten Maultiere und Kühe. Die einzigen Tiere, die ich bisher zu Gesicht bekommen habe sind Raben und heute ein kleines Kaninchen sowie eingezäunte Pferde.

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Die Landschaft in der Mojave ist sehr vielseitig und so macht das Fahren hier durchaus Spaß. Von Sanddüne über Felsformationen bis hin zu Yuccafeldern gibt es so gut wie alles. Das Tempolimit liegt hier so gut wie überall bei 55 mp/h und ich muss sagen, dass dies eine perfekte Roadtripgeschwindigkeit ist. Ich bin inzwischen so weit, dass ich dabei nicht mehr auf den Tacho achten muss. Ich schaue durch die Gegend und natürlich auch auf die Straße, und wann immer ich auf den Tacho blicke steht die Nadel bei 55 mp/h.

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Als mein Flüssigkeitsvorrat langsam zur Neige geht, taucht wie aus dem Nichts ein Motel und eine Tankstelle mit kleinem Café auf. Ich stoppe sogar relativ lange, da ich direkt im Anschluss einen Güterzug passieren lassen muss. Und das ist nicht so wie in Deutschland. Die Züge sind um Welten länger und ebenso viel langsamer. Als es dann weiter geht, werden die Straßen wieder besser und es sieht wieder etwas mehr nach Zivilisation aus. Es stehen immer wieder vereinzelte Hütten herum und ich frage mich ernsthaft, wovon man hier draußen so lebt. Als es dichter besiedelt wird, wird gleichzeitig auch die Landschaft unspektakulärer. Das Interessanteste zu diesem Zeitpunkt sind die Briefkästen. Alle paar hundert Meter stehen geballt um die zehn Briefkästen am Straßenrand. So muss die Post nicht jedes Haus anfahren sondern lediglich die Briefkastenstationen, wo die Anwohner ihre Post dann abholen.

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Mein Plan war eigentlich, bis Joshua Trees durchzufahren, doch dann sehe ich schon deutlich vorher einen Hinweis, dass ich um in den Nationalpark zu kommen hier abbiegen müsste. Bis Joshua Trees wären es aber nochmal 15 Meilen geradeaus. Da ich mich auch gerade an einem Ort (29 Palms) befinde entschließe ich mich spontan, hier ein Motel zu suchen. Ich finde auch sofort ein schnuckeliges in sehr mexikanischem Stil, doch leider hat es geschlossen. Schade. Also fahre ich weiter und im Ort sehe ich eine ganze Menge kleiner Läden und Restaurants und Massagesalons. Und was finde ich am Ortsausgang? Ein kleines Motel, ebenfalls recht mexikanisch angehaucht. Ich halte, frage nach, nehme ein Zimmer und bin heute absolut zufrieden mit meinem Tag, zumal es beim Mexikaner im Ort nicht nur das übliche Free Refill bei Softdrinks gibt sondern auch selbstgemachte Nachos und selbstgemachten Dip kaum dass ich sitze und sowohl das günstigste als auch das bisher beste Essen meiner bisher einen Woche in den Staaten.

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