Auf den Spuren der Sch’tis

8. Mai 2014
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Für den Morgen hatten wir eigentlich eine Brauereibesichtigung in Esquelbecq vorgesehen, doch der Feiertag machte uns einen Strich durch die Rechnung. Wir riefen glücklicherweise vorher an und machten uns nicht einfach auf den Weg. Das Gute daran war, dass wir mehr Zeit in Dunkerque hatten, was gestern etwas zu kurz kam.

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Dummerweise kam uns auch in Dunkerque der Feiertag in die Quere. Wir wollten auf den Belfried und die gegenüber liegende Kirche besichtigen. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Rathaus vorbei, vor dem eine Musikkapelle stand. Jene Kapelle war uns schon vorher kurz begegnet, wir haben sie aber nicht weiter beachtet. Nun stand sie also vor dem Rathaus. Wir machten ein paar Schritte ins Rathaus und ein paar Fotos und schon setzte sich die Kapelle in Bewegung in Richtung unseres Ziels. Gut, dann haben wir einfach musikalische Begleitung, auch wenn der Rhythmus nicht unbedingt der Hammer war und auch nicht einheitlich. Gift für unsere musikalischen Ohren. Am Belfried angekommen stellten wir fest, dass wir in nicht betreten können, und die Kirche auch nicht. Alles war abgesperrt und diverse Gruppierungen waren auf dem Platz postiert. Es fand eine Gedenkfeier statt, zum Ende des zweiten Weltkrieges. So gaben wir also auch diese Pläne auf. Zusätzlich begann es auch noch zu regnen. Ist das nun der vielzitierte Sch’ti-Regen? Wir entschieden uns, Dunkerque zu verlassen und in die Dünen in der Umgebung zu fahren und hofften, das Wetter würde uns dann freundlich gesinnt sein, wenn wir erst mal da sind.

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Die Fahrt war nicht weit und die Straßen leer. Wir entschieden uns für Zuydcoote und fuhren direkt bis an den Strand. Dort war alles leer, kein einziges Auto parkte dort. Uns liefen lediglich zwei Pferde über den Weg, die mit ihren Reitern offensichtlich auf Fotoshooting am Strand waren. Das Wetter erhörte unser Flehen und so konnten wir die Dünen genießen. Zunächst betrachteten wir sie von Strandseite aus und im Anschluss waren wir noch ein bisschen auf einem Dünenwanderweg unterwegs. Dort konnte man dann sogar durch die Dünen kugeln wie ein kleines Kind. Nicht wild mitten in den Dünen sondern auf dem Wanderweg. Wir entfernten alle technischen Geräte, Schlüssel etc vom Körper und rollten hinab.

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Dann begann es eben doch wieder zu regnen. Also verließen wir die Dünen und fuhren schon einmal nach Bergues. Wir hatten dort am Nachmittag einen Termin zu einer Führung, waren allerdings schon zwei Stunden vorher im Ort. Die Zeit überbrückten wir mit einem regionalen Mittagessen. Es gab Rindfleisch in Biersoße und eine Schinken-Endivien-Rolle mit Maroilles überbacken. Den Käse hatte natürlich ich gewählt, ich bin ein Fan von warmen Maroilles geworden. Während wir im Restaurant direkt am Belfried saßen regnete es fast zwei Stunden durch. Was tun wir denn eigentlich nun? Schirm Fehlanzeige. Jacke Fehlanzeige. Wir stellten dann zum Glück fest, dass das Tourismusbüro Regenschirme verkauft und besorgten uns einen.

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Dann begann unsere Führung. Ich bin des Französischen absolut nicht mächtig. Seit wir hier unterwegs sind verstehe ich ab und an ein paar Worte, die meisten auf Grund von Latein und Englisch. Es reicht aber nicht annähernd, um einen Satz zu verstehen und einen gesprochenen Satz schon gleich gar nicht. Meine Freundin spricht aber Französisch und erklärt sich bereit, mir die ganze Führung zu übersetzen, die immerhin mit 1,5 Stunden veranschlagt war. Danke auch an dieser Stelle für diesen Service.

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Wir liefen hier mit der Gruppe auf den Spuren der Sch’tis beziehungsweise des Films „Willkommen bei den Sch’tis“, der hier in Bergues und auch der Umgebung gedreht wurde. Dabei erfuhren wir noch einige Details. Ich hatte mich im Vorfeld schon ausführlich mit dem Film beschäftigt, ich bin eben ein Filmfreak. Dennoch gab es noch Einiges, was ich nicht wusste. Zum Beispiel, dass der Regisseur in den Häusern einige Details veränderte, weil er so perfektionistisch war. Auch von Außen wurde einiges verändert, sowohl baulich als per Computer. Der Hit der Führung war die Pissstelle. Die beiden Hauptdarsteller pinkeln im Film in einen öffentlichen Kanal. Auch an dieser Stelle kamen wir vorbei. Während der Führung konnten wir immer wieder den Belfried hören. Neun der fünfzig Glocken spielen alle 15 Minuten automatisiert. Alle 50 Glocken werden nur persönlich gespielt und auch nur zu gewissen Anlässen. Der Schirm tat während der Führung übrigens gute Dienste, regnete es doch fast die komplette Führung.

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Im Anschluss an die Führung waren wir dann doch relativ verfroren, so dass es nicht einmal die Sitzheizung schaffte, uns wieder ordentlich aufzuwärmen. Die Lust auf weitere Betätigung im Freien war auf dem Nullpunkt. Aus diesem Grund verzichteten wir darauf, das eigentlich eingeplante Cassel zu besichtigen und machten uns gleich auf den Weg nach St Omer.

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Der Ort gefiel uns gleich ebenso sehr wie Bergues. Wir fuhren eine ganze Weile an einem Kanal entlang. Ein kleines Klinkerhaus an dem anderen gereiht direkt am Wasser. Auch eine sehr hübsche Kirche fanden wir auf dem Weg zum Hotel und hielten, doch leider war sie verschlossen. In St Omer hatten wir ein Hotel mitten in der Stadt. Eine heiße Dusche im Hotel half, um sich wieder vernünftig zu fühlen. Danach machten wir uns zu Fuß auf durch St Omer. Zunächst an der dortigen Notre Dame vorbei. Leider vorbei, denn eigentlich wollten wir auch hier rein, doch auch diese Kirche war verschlossen. Und Kirche ist eigentlich ein viel zu kleines Wort, Kathedrale wäre eher richtig.

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St Omer hat ebenso schöne kleine Gassen mit Backsteinen und Fensterläden und Eisengittern. Wir fühlen uns wohl, so weit das bei diesem Wetter möglich ist. Auch hier windet und regnet es die komplette Zeit, und den Schirm hatten wir Helden natürlich im Auto vergessen. Wir flüchten vor dem Wetter in ein Restaurant. Die Gegend ist bekannt für Bier und so verzichten wir heute auf den Wein und bestellen uns zwei verschiedene Biere. Eines davon schmeckt ähnlich wie ein Pils (Loburg) und eines wie ein unfertiges Bier mit Weizentouch (Biere Blanche). Ich habe einmal in der Heinekenbrauerei Bier in verschieden Fertigungsstadien probiert und das erinnerte mich sehr an Bier vor dem Gärungsprozess.

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Inzwischen sind wir von unserem Programm relativ müde und am nächsten Tag stand ein sehr frühes Treffen an, für das wir erst noch eine Stunde Fahrtweg haben. Ein Treffen zu einer Uhrzeit, um die ich noch im Bett liege, wenn ich arbeite. Daher ging es zeitig zurück ins Hotel und die Augen wurden früh geschlossen.

Auf meiner Reise wurde ich von der französischen Zentrale für Tourismus unterstützt. Auf die Führung in Bergues sowie in das Hotel in St Omer wurde ich vom regionalen Tourismusverband eingeladen. Ich bedanke mich auch an dieser Stelle hierfür! Natürlich schreibe ich so, wie ich es während meiner Reise empfunden habe.

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