Eurodisney und die Suite

7. Mai 2014
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Straßburg zu verlassen war nicht die erste Idee, die ich am Morgen hatte. Gerne wäre ich noch ein bisschen geblieben, und das gilt auch für die Frau an meiner Seite. Daher machten wir uns auch nicht sofort nach dem Checkout aus dem Hotel auf den Weg sondern schlenderten noch eine Weile und gönnten uns noch einen Café au lait. Gegen Mittag war es dann aber doch so weit.

Das Parkhaus war dann sogar noch günstiger als angegeben und mit ein wenig Denken fand das Navi dann auch unsere Zieladresse. Es geht fix auf die Autobahn und dann wird es ganz entspannt. Ich habe mir Fahren in Frankreich wirklich anders vorgestellt. Stressiger, voller, unentspannter und lauter (mit viel Hupen). Vielleicht habe ich es mit Italien verwechselt :) Ich muss sagen, dass ich positiv überrascht bin vom Fahren hier. Die Autobahn ist absolut leer, und zwar fast über die komplette Strecke. Als ich nach und nach immer mehr Geld für Maut hinblättere, wird mir auch klar warum. Man kann sich Autobahnfahren einfach auf Dauer nicht leisten! Doch ich habe eine weite Strecke zurückzulegen und somit gibt es keine Alternative. Auch anders vorgestellt habe ich mir (oder hatte es anders in Erinnerung, ich war als Kind einmal in Südfrankreich) die Landschaft entlang der Autobahn. Es ist sanft hügelig und grün und sehr viel gelb. Rapsfelder so weit das Auge reicht. Wir genießen die Fahrt über einen langen Zeitraum.

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Anfangs bin ich ordentlich aufgeregt wegen der Maut. Ich sehe nämlich ein Schild von wegen automatischer Kontrolle. Wie jetzt? Gab es in Frankreich nicht diese Stationen, bei denen man hält und Ticket zieht und zahlt? Haben die jetzt auch ein automatisches System? Hätten wir gar auch so etwas wie eine Vignette kaufen müssen? Wie unsicher mich so ein Schild doch machen kann. Nach einigen Kilometern kommt die erste Station, bei der ich ein Ticket ziehen soll, und dann bin ich beruhigt. Bei der zweiten soll ich bezahlen, das bekomme ich auch noch hin. Bei der dritten soll ich aber auch bezahlen, obwohl ich doch gar kein Ticket habe. Vor lauter Aufregung vergesse ich davon gleich die Quittung. Doch dann habe ich es raus. Dummerweise kommt dann nicht mehr viel Maut, denn die Autobahn ist gesperrt. Meine des Französischen mächtige Freundin schläft leider, und ich habe das Schild so verstanden, dass uns ein 19km langer Stau bevorsteht. Kurz danach sehe ich ein Schild mit einem Einfahrt-verboten-Schild auf der Hauptstrecke. Ich hoffe einfach immer noch, dass es sich nicht um eine Vollsperrung handelt, doch bei der nächsten Ausfahrt stehen Polizeibusse quer über der Fahrbahn. Mist!

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Ich verlasse die Autobahn, zahle brav mein Maut und überliste das Navi, das mich einfach zurück auf die Autobahn lotsen will. Ich weiß, dass meine Strecke über Reims führt und ich finde ein Hinweisschild in diese Richtung. Über die Landstraße tuckere ich dann 25 Kilometer, die meisten davon hinter einem LKW her. Dann soll es wieder auf die Autobahn gehen, und ich fahre glatt in einen (anderen) Stau hinein. Der kostet uns eine Stunde und langsam habe ich keine Lust mehr! Anstatt 4,5 Stunden haben wir durch Vollsperrungsumweg und Stau und Rast 7 Stunden gebraucht. In Worten: sieben. Sieben Stunden auf der Straße reichen mir dann auch. Daher freue ich mich auf unser Hotel.

Ich habe uns im Voraus etwas Besonderes gesucht, so denke ich. Eine 4-Sterne-Anlage mit kleinen und größeren Suites. Da ich auch nicht reich bin, muss die kleinste Variante reichen. Wir erreichen das Park&Suites Residence ohne Probleme, finden einen Parkplatz und checken ein. Alles wunderbar. Dann ab in die Suite. Wir stellen fest, dass es in der Suite zwar schön ist, sie aber eher einem normalen Hotelzimmer gleicht. Preistechnisch also echt heftig. Ich hatte allerdings zuvor auch die Disneyhotels gecheckt, und die waren so teuer, dass daran gar nicht zu denken war. Somit also nochmal gut weggekommen. Nun gut, dann haben wir eben ein Hotelzimmer, wenn auch eines mit Kochnische.

Laut Hotelbeschreibung gibt es einen Pool. Das klingt gut, so können wir wenigstens ein bisschen entspannen nach der langen Fahrt. Auch in der Willkommensmappe finden wir einen Hinweis auf den Pool sowie ein Dampfbad, ein Hamam und ein Jacuzzi. Da wir im Hotel kein Hinweisschild gefunden haben fragen wir einfach an der Rezeption nach. Dort wird uns erklärt, dass es das gar nicht im Hotel gibt sondern eine Partnerschaft mit dem benachbarten Spa Aquatonic besteht. Ach, und da gehen wir dann einfach rein, sagen die Zimmernummer und dann können wir loslegen? Neeein, wo denken wir denn hin? Wir müssen Tickets dafür kaufen, und die kosten 27 Euro. Ganz ehrlich, das empfinde ich als bodenlose Frechheit! Als regelmäßiger Saunagänger kenne ich Preise dafür, und in Deutschlands größter Saunalandschaft kostet der Eintritt deutlich weniger. Wir wollen aber doch nur eine halbe Stunde schwimmen gehen und zahlen abends um 21 Uhr ganz sicher nicht mehr 27 Euro Eintritt für ein Spa, was wir so gar nicht nutzen wollen. Eigentlich wollten wir nur den angepriesenen Hotelpool. Und den gibt es nicht.

Na gut, dann kochen wir uns ein kleines Abendessen. Wir haben schließlich eine Kochnische und waren noch schnell im Supermarkt. Der Salat mit Garnelen gelingt uns gut, den muss man ja nicht kochen. Schwieriger wird es da bei den Ricotta-Tortellini und der Garnelensoße. Beides muss erwärmt werden und wir haben zwar einen Herd, aber keinen Topf. Immerhin aber eine Pfanne und so wird die Pfanne mit Wasser gefüllt und die Nudeln eben darin gekocht. Die Soße ist eine Fertigsoße und wir machen sie in der Mikrowelle lauwarm. Heiß schaffen wir nicht, obwohl wir die angegebene Zeit verdreifachen. Was wir dabei wirklich genießen ist der Cidre aus der Normandie.

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Um 22 Uhr ist dann Feuerwerk im Eurodisney, was wir von hier aus sehen können. Wir hören auch das Raunen der Zuschauer. Und ab und an Lichteffekte. So stehen wir eine Weile auf dem Balkon und freuen uns auf das Spektakel vor Ort am Folgetag.

Die Nacht war recht kurz, denn wir wollten eigentlich den ersten Bus um 8.10 Uhr nehmen. Selbst schuld, wenn man nicht vorher schaut, um wieviel Uhr Disneyland eigentlich öffnet. Der kostenlose Shuttle vom Hotel zum Park braucht nur ein paar Minuten und so wären wir bei einer Parköffnung von 10 Uhr viel zu früh anwesend. Also konnte nochmal kurz entspannt werden. Trotz der Zusatzzeit habe ich es nicht geschafft, meine Sachen komplett mitzunehmen. Die Gopro und der Brustgurt sind an Bord, der Mount aber nicht. Na gut, dann wird wohl nicht aus der Achterbahn gefilmt und es reicht nur für ein kleines Karussell, bei dem sie in der Hand liegt.

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Um kurz nach 9 Uhr sind wir dann am Parkeingang. Unsere Taschen werden gescannt und wir stehen an den Toren ganz vorne. Die Menge verteilt sich sehr gut, es ist keine Hauptsaison. Mal abegesehen von den Disney-Hotelgästen sind wir mit die ersten, die den Park betreten, und zwar um 9.30 Uhr! Aus unerfindlichen Gründen öffneten die Tore einfach eine halbe Stunde früher.

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Für mich war Disneyland als Programmpunkt okay, aber nichts Besonderes. Für meine Freundin hingegen war es die Erfüllung eines Kindheitstraums (und somit dann wohl auch für mich etwas Besonderes, wenn ich das erfüllen kann). Dementsprechend freute sie sich dann an allerlei Ort und Stelle wie ein kleines Kind. Schön, wenn man auch im Erwachsenenalter noch so begeisterungsfähig ist, das würde ich vielen Menschen wünschen.

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Zunächst enterten wir Schloss und die Fantasyworld. Genial am Disneyland ist, dass man sich an manchen Attraktionen einen kostenlosen Fastpass ziehen kann. Dort steht dann die Uhrzeit, zu der man wieder kommen soll und dann wird man an der ganzen Warteschlange vorbei gelotst. Das nutzen wir natürlich. Während wir nicht auf Peter Pan warten, besuchen wir das Labyrinth aus Alice im Wunderland. Ich muss sagen, dass ich kein Feen- und Märchenfan bin und auch kein Freund von Glitzer und dergleichen. Trotzdem gefällt es mir hier.  Nach der Peter Pan Fahrt (sehr schön, aber viel zu kurz) wollen wir was essen. Das stellt sich als wirklich schwierig heraus.

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Disneyland hat eine Vielzahl an Restaurants. Allerdings mit einem relativ begrenzten Angebot an Auswahl. Sehr viele der Läden haben Burger a la McDonalds im Angebot, und wir haben beschlossen, dass wir etwas Ordentliches wollen, auch wenn wir dafür tief in die Tasche greifen müssen. Wir finden auf dem Plan ein paar Restaurants und laufen hin. Ein Steakhouse klingt wirklich gut, wir checken die Karte kurz und wissen sofort, was wir wollen. Wir laufen zur Tür und öffnen sie nicht. Sie ist nämlich verschlossen. Es hat nur ein Teil der Restaurants geöffnet. Welche entdecken wir dann auf einer Infotafel. Und leider beinhaltet das beinahe nur das Fastfood. Frustriert essen wir erst mal nichts. Die Laune geht etwas in den Keller und wir verlassen erst mal den Disney Parc, denn wir haben Tickets mit denen man rein und raus kann und die für zwei Parks sind: Disneyland und die Disneystudios. Also versuchen wir es mal in den Studios, und da klappt es auch. Wir finden ein Restaurant mit Buffet, und das lohnt sich wirklich! Die Auswahl ist sehr groß, und für ein Vergnügungsparkrestaurant erstrecht, und die Speisen schmecken wirklich gut. Wir probieren uns fast komplett durch. Gerne hätten wir vom Einen oder Anderen noch mehr gegessen, doch es passte einfach nichts mehr rein.

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Das war auch gut so, denn wir verließen das Restaurant pünktlich zur Disneyparade durch die Studios. In genialen Oldtimern mit diversen Aufbauten fuhren einige Disneycharaktere an uns vorbei. Das ist eigentlich nichts Besonderes dachte ich vorher. Ein paar Kostüme halt. Doch dann fand ich es wirklich gut, denn auch die Menschen waren so gut ausgewählt und geschminkt, dass sie den Trickfilmoriginalen sehr nah kamen.

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Danach hatten wir einen Tiefpunkt. Mag sein, dass der Wein vom Mittagessen die Augen müde werden ließ. Wir hätten jedenfalls im Stehen einschlafen können. Wir empfanden das als keine gute Idee und dachten, ein wenig Action täte uns gut, so dass wir die Motorstuntshow besuchen. Die Show war nett, aber nichts Besonderes. Einer der Fahrer wurde unheimlich bejubelt, und ich frage mich warum. Ich war auch beeindruckt von seinen Fähigkeiten, mit Highspeed rückwärts flüchten und Ähnliches. Doch leider wurde dann offenbart, dass die Rückwärtsfahrerei Fake ist und es zwei derartige Fahrzeuge gibt. Auf einem ist das Chassis sozusagen falsch herum montiert und immer wenn es haarige Rückwärtsszenen gab, fuhr der zweite Wagen. Der Fahrer fuhr vorwärts und durch die falsch herum montierte Autohülle sah es nur so aus, als würde er rückwärts fahren. Entzaubert! Vielen Dank auch. Eine coole Szene gab es dann doch, nämlich als ein Motorradfahrer einen Sturz simulierte, durch Feuer rutschte und danach selbst brannte. So etwas habe ich schon einige Male gesehen, finde es aber jedes Mal wieder gut. Am Ende der Show sah man dann einen Zusammenschnitt aus den Szenen als Actionfilm. Dabei wurde man dann noch mehr enttäuscht, denn im Film gab es einige Stunts, für die das Material bereits auf dem Platz gestanden hatte, die aber nicht in der Show vorkamen. Schade, wirklich schade.

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Im Anschluss versuchten wir, die Entstehung einer Zeichentrickfigur zu verfolgen. Ein bisschen hat man dabei erklärt bekommen, wie sich eine Figur während der Entwicklung verändert. Aber nichts zur Entstehung der Bewegung einer Trickfigur, nichts zu den Special Effects, nichts zum 3D-Effekt. Ich habe so etwas bereits in den Universal Studios gesehen und ich sage: um Welten besser. Es war nett, aber es war nicht wirklich informativ.

Da die Special Effects Show, die wir gerne noch gesehen hätten geschlossen war, verließen wir die Studios wieder und kehrten zurück ins Disneyland.

Dort machte ich dann einen Deal mit meiner Freundin. Sie begleitet mich in das Phantom Manor (ein Gruselhaus) und ich fahre dafür mit ihr noch vier Attraktionen im Fantasyland. Sie geht darauf ein, auch wenn sie unheimliche Angst hat. Sie kündigt mir vorher an, dass sie sich an mir festklammern und sicher auch schreien und kreischen wird. Ich laufe normalerweise lachend durch solche Häuser, und auch da hat es erst ein Haus geschafft, dass ich es wirklich gut fand (auch das der Universal Studios in Los Angeles). Im Phantom Manor mussten wir nicht laufen sondern durften in einem Sessel durch die Anlage fahren. Das war praktisch für Carina, so konnte sie sich an mich drücken. Das ganze Haus war allerdings weniger gruselig als erwartet und es gab auch keinen Schreckmomente. Vielmehr gab es einige wirklich gute Effekte, wie Hologrammtänzer. Nach der Fahrt war Carina also unglaublich erleichtert.

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Dann ging es zurück ins Fantasyland, meinen Einsatz einlösen. Da das Fantasyland früher schließt als der Rest des Parks habe ich das nicht mehr ganz geschafft. Nur drei der vier Attraktionen konnten wir noch mitnehmen, und alle drei fand auch ich wirklich schön gemacht.

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Beinahe hätten wir dann noch Arielle getroffen. Arielle ist die Heldin der Kindheit meiner Freundin. Ich legte sogar einen Sprint hin, um sie noch zu erwischen, während sie schnellen Schrittes auf eine Tür zu eilte. Sie merkte es auch, drehte sich um, und verschwand mit Kusshand in der Tür. Mist! Das hätte den Tag perfekt gemacht.

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Das Fantasyland schließt früher, weil man dort Vorbereitungen für die letzte Show des Tages trifft, Disney Dreams. Hierbei handelt es sich aus eine Mischung aus Lightshow, Feuerwerk, Videoprojektion auf das Schloss und Wasserspielen. Gigantisch! Wir sind durch mit dem Park und suchen uns gegen 21 Uhr ein gutes Plätzchen mit perfektem Blick auf das Schloss. Doch dann beginnt es in Strömen zu regnen. Erst wollen wir sitzen bleiben, koste es was es wolle. Ich versteckte die Kameratasche unter meinen Beinen und weigerte mich, den Regen zu akzeptieren. Doch es half nichts, ich war einfach nass. Vernünftigerweise verließen wir dann doch unseren Platz und fanden zum Glück noch einen beinahe ebenso guten überdachten Platz. Dort mussten wir nun noch 45 Minuten stehend verharren, doch die Show war es absolut wert!

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Nach der Show eilten wir zum Disneyshop vor den Toren des Parks, wir wollten noch ein paar Mitbringsel besorgen. Für mich selbst sprang dabei eine Uhr heraus und zwei Schlüsselanhänger. Einen davon montierte ich sofort an meinen Autoschlüssel, der bisher noch lose war. Zuhause habe ich noch einen Rollerschlüssel liegen, der ebenfalls keinen Anhänger hat. Carina war glücklich mit einem T-Shirt und pünktlich zur Shuttleabfahrt erreichten wir die Abfahrtstelle, von der wir auch lange nicht sicher waren, ob sie richtig ist. Wir wussten, dass wir an dieser Stelle den Bus verließen, als wir gebracht wurden. Das war allerdings mitten im Kreisverkehr im Halteverbot. Ohne jeglichen Hinweis auf einen Busshuttle.

Zurück im Hotel waren wir glücklich und sehr müde. Merkt man dann doch, wenn man 17 Stunden auf den Beinen war.

Der Schönheitsfehler des Tages: die Spülmaschine hatte ich zwar eingeschalten und mit Tab versehen, doch als wir wieder im Hotel ankamen, war das Geschirr immer noch dreckig und die Maschine blinkte. Sie zeigte an, dass sie heizt. Aber nach 17 Stunden sollte das Wasser doch wohl warm sein, oder? Hinter das Geheimnis kam ich jedenfalls nicht mehr.

Auf meiner Reise wurde ich von der französischen Zentrale für Tourismus unterstützt. Meine Meinung bleibt davon unberührt. Ich kann gar nicht anders als ehrlich schreiben, und ich will auch nicht anders.

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