Strasbourg – alte Liebe rostet nicht

5. Mai 2014
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Na das kann ja was werden, am Morgen nach einem Junggesellenabschied loszuziehen. Ich für meinen Teil war nicht feiern, habe aber die Feiernde mitten in der Nacht abgeholt und konnte die ganze Zeit davor auch nicht schlafen. Um halb Fünf liegen wir wieder im Bett. Um halb Sechs drehe ich mich mal wieder um und schaue auf die Uhr. Danach muss ich schnell eingeschlafen sein. Und dann klingelt um 9 Uhr der Wecker. Ich bin erstaunlich fit und erledige die letzten Handgriffe. Carina tut sich da um Einiges schwerer, bekommt es aber auch auf die Reihe.

Um kurz vor 10 sind wir so weit, es geht los auf die Autobahn. Nach 150 Kilometern holen wir ein Frühstück bei McDonalds. Dieses neue System dort ist eine Katastrophe. Wahrscheinlich wäre das System sogar gut, wenn die Mitarbeiter in der Lage wären es umzusetzen. Ein junger Mann vor uns mit der Wartenummer 156 wartete auf einen Simplen Bacon&Egg McMuffin. Es wurde bereits die Nummer 162 bearbeitet, und wir sahen mehrere Bacon&Egg Mc Muffin über die Theke gehen, bis er endlich bedient wurde. Auch bei uns dauerte es eine Weile. Mit einen Smothie und einem Chai Frappé ging es weiter. Die Fahrt verlief trotz einiger Vollpfosten an diversen Steuern reibungslos, bis wir in Karlsruhe ankamen und dank eines Unfalls in einer Baustelle die Fahrzeuge dreier Spuren auf einer Spur einreihen mussten. Doch allzu lange war der Stau noch nicht, so dass wir Alles in Allem gut durch kamen.

Kurz vor der Landstraße pausierten wir nochmals und öffneten das Dach. Bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen gibt es kaum etwas Schöneres als offen zu fahren. Die Landesgrenze verpassten wir irgendwie, deswegen gibt es davon auch kein Foto. Wir haben nicht mal das obligatorische Schild gesehen. Aber plötzlich war einfach alles auf französisch, daher wussten wir, dass wir die Grenze bereits passiert hatten. Mein Navi war freundlicherweise in der Lage, die Straßennamen auch ordentlich auszusprechen, ganz im Gegensatz zum Samsung-Navi, das beim „Rue“ die Buchstaben einzeln nennt und auch sonst alles deutsch ausspricht. Das testeten wir nur kurz und es sorgte für ordentliche Lacher.

Unser Hotel liegt direkt an der Kathedrale Notre Dame in einer Fußgängerzone. Da ich vor 17 Jahren schon ein mal in Strasbourg war wusste ich, dass es nicht mit dem Fahrzeug erreichbar war. Wir fuhren so nah wie möglich ran und fanden dann natürlich keinen Parkplatz. Stellenweise war ich sehr unsicher, ob ich da überhaupt fahren darf, so sehr sah es nach Fußgängerzone aus. Doch dann fand ich immer doch einen Hinweis darauf, dass alles legal ist.

Bei der zweiten Runde gab es einen Parkplatz und von dort ein paar Meter zu Fuß ins Hotel, das uns gleich begeistert. Zum Einen weil es eben völlig zentral liegt, zum Anderen auf Grund der Einrichtung. Unser Zimmer ist zwar sehr klein, aber sehr schön eingerichtet und sehr sauber. Irgendwie romantisch, mit dem Fachwerk im Zimmer und der Kunst an den Wänden.

Wir halten uns aber nicht lange auf und ziehen gleich wieder los. Als erstes entern wir natürlich die gegenüber liegende Kathedrale.

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Wir sind glücklicherweise Beide gewissermaßen Fans von Kirchen und halten uns gerne darin auf und besichtigen sie gerne ausgiebig. Die Kathedrale ist erstaunlich unverschnörkselt und sehr weitläufig. Uns gefällts!

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Im Anschluss ging es munter durch kleine Gassen und Gässchen, vorbei an Fachwerk und buntem Fensterglas, an Gargoyles und eisernen Balkonverzierungen. Wir schlenderten an Straßencafés entlang und tauchten ein. Das ist also Frankreich. Nun, ich kenne Straßburg bereits und schon vor 17 Jahren bei meinem letzten Besuch habe ich es geliebt. Nun ist diese Liebe aufgefrischt. Wir fühlen uns wohl.

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Trotz des Sonntags haben die ganzen kleinen Souvenirläden geöffnet und auch diverse andere Shops sind zugänglich. Zwischen Marmelade und Tabak finden wir dann auch einen Platz für ein spätes Mittagessen, oder ein frühes Abendessen.

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Und dann passiert es. Wir tun es wirklich! Wir bestellen Schnecken! Nun, wenn wir in Frankreich sind, wollen wir auch die französischen regionalen Spezialitäten ausprobieren, und Schnecken gehören eben dazu. Dies ist das erste Mal, dass wir Schnecken probieren. Ein gewagtes Experiment? Die Schnecken sind in Knoblauch eingelegt und werden mit Baguette serviert. Carina probiert zuerst und ist nicht begeistert. Sie sagt es schmecke nach Erde und Schnecke. Ich probiere danach und kann keine Erde finden. Ich fürchte, da hat die Assoziation dem Geschmack einen Streich gespielt. Ich stelle fest, dass ich Schnecken nicht mag, wenn ich sie zu lange kaue, dass sie mir aber schmecken, wenn ich sie „normal“ esse. Ich esse dann einfach Carinas Hälfte mit. Die Konsistenz erinnert mich an Austernpilze. In der Folge gibt es dann zwei leckere Hauptgänge. Einmal Jakobsmuscheln mit Pasta und einmal Garnelenpfanne mit Reis.

Da wir mit Blick auf die Kathedrale speisten, musste das natürlich auch fotografisch dokumentiert werden. Ich hatte die Kathedrale in meinem Rücken, so musste also ein Selfie her. Und dann wurde ich auch noch beim Selfieknipsen erwischt.

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Nach unserem leckeren Mahl war es Zeit, das Auto umzuparken. Es stand in einer Zone, in der ich es am Montag früh um 7 Uhr entfernen hätte müssen. Mir liegt kaum etwas ferner, als im Urlaub so früh aufzustehen, nur um einen anderen Parkplatz zu suchen. Im Hotel hatte man uns gesagt, wo man das günstigste Ganztagesticket bekommt und so fuhren wir erneut durch die Gässchen auf die andere Seite des Flusses und in entsprechendes Parkhaus.

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Zu Fuß ging es zurück in die Stadt, und ein wenig am Fluss entlang. Wasser hat immer etwas Magisches, doch hier in Straßburg sind es mehr die Häuser und Gassen, die uns faszinieren.

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Wir kehren dann für eine kurze Pause in unser Hotel zurück, doch wir wollen nochmal raus. Wir wollen mehr von Strasbourg, die Stadt mehr aufsaugen. Also hält es uns nicht lange in unseren -ebenfalls tollen- Zimmer.

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Verlassen wir das Hotel, stehen wir genau auf dem Platz vor der Kathedrale und genau gegenüber des hier auch abgebildeten Maison Kammerzell. Mit dem dunklen Holz sieht es irgendwie sehr düster und grimmig aus, gleichzeitig aber auch faszinierend verarbeitet und einfach absolut passend ins Bild der Stadt.

Wir entscheiden uns dafür, uns noch einmal niederzulassen und begeben uns in eine Weinstube unweit der Kathedrale. Dort gibt es Weißwein und eine etwas ungewöhnliche Flammkuchen-Variante: wir essen einen Flammkuchen mit Calvados, der vor unseren Augen flambiert wurde.

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Absolut zum Genießen! Ich stehe generell auf Soßen mit Calvados, und das kombiniert mit der Süße der Äpfel und dem Zimt war einfach ein Geschmackserlebnis.

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Die Rückkehr ins Hotel wurde von einigen Musikanten versüßt, der beste Sang aus voller Kehle zu seiner Drehorgel.

Wir wollen auch noch eine Runde Geocachen. Gleich ums Eck vom Hotel soll ein kleiner Cache liegen, bei dem man sich klein machen muss. An Ort und Stelle finde ich ein sehr verdächtiges in ein Kellergitter geschnittenes Loch. Ich knie mich hin und strecke meinen ganzen Arm hinein und taste Einiges ab. Bis auf Spinnweben kann ich aber leider nichts finden und auch das weitere Suchen im Umkreis bleibt leider erfolglos.

Ich fürchtete vor dem Einschlafen, ich könne bei jedem Glockenschlag der Kathedrale aufwachen, was bei meinem leichten Schlaf fast vorprogrammiert war. Doch irgendwie fühlte ich mich dann anscheinend so wohl, dass ich die ganze Nacht tief und fest schlief bis zum Weckerklingeln. Wir hatten uns am Abend dafür entschieden, Frühstück im Hotel einzunehmen. Nach einer Dusche waren wir dann auch wirklich wach und es konnte los gehen. Das Buffet war relativ spärlich und irgendwie war trotzdem alles da, was das Herz begehrte – mit Ausnahme von warmen Speisen. So ein Rührei wäre toll gewesen, aber es ist ja auch kein Muss. Wir genießen die Speisen und den frischen Orangensaft und dabei auch den Blick auf Maison Kammerzell und Kathedrale. Besser gehts nicht.

Nun habe ich Strasbourg bereits vorher gekannt und wusste, wie sehr es mich bezaubert. Für Carina war es aber Neuland und auch sie zeigt sich verzaubert. Ich habe nicht zu viel versprochen sagt sie.

Auf unserer Reise werden wir von der französischen Zentrale für Tourismus unterstützt. Dass dies meine Meinung nicht verändert und ich ehrlich berichte ist für mich selbstverständlich!

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