Garmisch und die Zugspitze

24. April 2014
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Diesmal ging es sehr kurzentschlossen los… wo wir hin wollten war nicht ganz so klar, Hauptsache nicht endlos weit weg, weil wir nur zwei Nächte bleiben konnten und Hauptsache rein in die Natur. Abschalten wollten wir. Endlich mal raus aus Nürnberg. Außerdem wollten wir meinen Geburtstag außerhalb von Zuhause verbringen. Das habe ich letztes Jahr so gemacht und meine Freundin dieses Jahr ebenso. Nun war also mein Geburtstag dran.

Ungefähr eine Woche vor Abreise verdichteten sich dann die Ideen und ich suchte rund um die Zugspitze nach einer Unterkunft, doch dank Osterfeiertage schien alles endlos teuer. Ich habe dann über die Plattform Tiscover doch etwas Günstiges gefunden, mitten in Garmisch. Wir hatten das Atlas Sporthotel gebucht und uns schon die ganze Woche vorher darauf gefreut.

Am Gründonnerstag war es dann so weit. Ab ins Auto und los. Moment mal… die Sonne scheint, der Himmel ist wolkenlos. Also erst mal das Dach auf! Wofür hab ich mir denn einen Cabrio gekauft?! Da ich das Auto erst seit ein paar Tagen habe, hielt ich auf dem Weg zur Autobahn noch an einer Tankstelle und stellte fest, dass sich der Ölstand am unteren Limit befindet. Das wurde noch schnell in Ordnung gebracht und dann ging es auf die Autobahn, wo wir bis Garmisch gut durch kamen. Ist ja nicht das erste Mal, dass ich diesen Weg fahre, aber das erste Mal, dass mich mein Navi um München herum lotst anstatt mitten durch. Soll mir aber recht sein. Immer wieder sagt mir das Navi, ich müsse in Richtung „Garmisch-P.“ (sprich: Garmisch Pe) fahren. Herrlich. Nach und nach wird es hügeliger und dann sind sie plötzlich da, die Berge. Besonders imposant wird das dann nach dem Tunnel kurz vor Garmisch, als man dann bereits Blick auf die Alpspitze und die Zugspitze hat.

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Wir finden das Hotel ohne Probleme und ich sage meinen Namen zum Einchecken. Dann wird mir eine Hand entgegen gestreckt und mir zum Geburtstag gratuliert. Die Dame an der Rezeption erklärt mir, dass man sich gedacht hat, dass ich zu meinem Geburtstag in das Schwestern Hotel Atlas Grand Hotel umquartiert werde, ein Haus mit 4,5 Sternen. Natürlich nur falls mir das recht ist. Meine Freundin und ich schauen uns an und entscheiden uns für ja. Zwar hatten wir uns bei der Buchung bewusst für das Sporthotel und gegen das Grand Hotel entschieden, aber zum gleichen Preis nehmen wir das natürlich.

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Im Grand Hotel hat man uns bereits erwartet. Während wir unseren Begrüßungsdrink schlürften, erklärte man uns Dinge zu Frühstück und Sauna und dergleichen. Frühstück? War in unserem Buchungspreis doch gar nicht inbegriffen? Nun gut, dann bekommen wir also auch Frühstück. Wunderbar! Dann gehen wir hoch aufs Zimmer, was am Ende eines Ganges liegt. Der Gang ist düster, doch als wir ihn betreten geht das Licht an. Ich lese später, dass das Hotel als Eco Hotel ausgezeichnet wurde und das kann ich verstehen. Beleuchtung im Hotel funktioniert in allen Gängen mit Bewegungsmelder und selbst in der Sauna betätigt man selber den Lichtschalter, wenn man Licht benötigt.

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Das Zimmer ist schön und geräumig, wenn auch das Hotel selbst schon sehr alt ist. Das ganze Zimmer hat eine Holzvertäfelung, was wir auf den Bildern als zu verschnörkselt empfanden (mit ein Grund für die ursprüngliche Entscheidung gegen dieses Hotel), doch in real war es dann wirklich schön. Wir betraten den Balkon, und stellten fest, dass er riesengroß ist! Da wir ein Eckzimmer hatten, ging der Balkon einmal um unser Zimmer herum. Sowohl vom Bett als auch vom Balkon aus hatten wir Blick auf die Zugspitze. Traumhaft!

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Während ich dann einem natürlichen Bedürfnis nachging und das auf Grund eines Geburtstagsanrufs nochmal hinauszögerte, während ich mich schon im Bad befand, rief meine Freundin plötzlich „ich muss noch mal was erledigen“ und ich hörte, wie sie das Zimmer verließ. Als ich wenige Augenblicke danach das Bad wieder verließ, stand sie mit zwei Zimmermädchen da. Eine stellte einen Blumenstrauß auf den Tisch und die andere trug einen Eiskübel mit einer Flasche Prosecco und zwei Gläsern darin. Carina hatte das im Voraus über das Sporthotel bereits organisiert und da die Bestellung bei unserer Ankunft noch nicht auf dem Zimmer war, dachte sie es sei in der Umbuchung unter gegangen. Dem war aber nicht so. Es wurde bereits geliefert, während sie auf dem Weg nach unten war.

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Bevor wir den Prosecco leerten, brachten wir noch das Auto in die Tiefgarage, in der das Tagesticket für 5 Euro einen annehmbaren Preis hat. Dann würde die Flasche geköpft und nach und nach auf dem Balkon in der Sonne geleert. Ebenso nach und nach fiel auch die Anspannung der letzten Tage ab. Ich hatte im April relativ gesetzeswidrig gearbeitet. Nicht genügend Freizeitausgleichstage, zu kurze Abstände zwischen 24-Stunden-Schichten (die jedoch regulär) und dergleichen. Dementsprechend überreizt war ich auch und dementsprechend urlaubsreif. Doch es dauerte nicht sehr lange, bis ich tief durchatmen konnte und mich einfach wohl fühlte.

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Gegen Abend machten wir uns dann auf den Weg in den oder durch den Ort. Wir wollten schön essen gehen und erst mal außerhalb unseres Hotels suchen, was es so gibt. Wir stellten fest, dass es rund um unser Hotel nicht besonders viel gab und auch als wir in Richtung Garmisch selbst unterwegs waren, fanden wir nicht viel, was unseren Wünschen entsprach. Zu einem normalen Italiener wollten wir eher nicht gehen, das können wir jeden Tag haben. Es sollte schon etwas besonderes sein für diesen Tag. Daher entschieden wir uns nach einer Weile, zum Hotel zurück zu kehren und dort im Restaurant einzukehren. Schließlich hatten wir dafür auch noch einen Cocktailgutschein.

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Auf Grund der schönen Stimmung und des schönen Lichteinfalls bei Sonnenuntergang erwies sich dies als die richtige Entscheidung! Also ab ins Restaurant. Wir waren bis auf ein Ehepaar die einzigen Gäste. Das Ehepaar bzw die Dame allerdings war laut für zehn. Sie hörte nun mal schlecht, und wer schlecht hört spricht auch oft sehr laut. Sie tat das jedenfalls. Er hatte eine Engelsgeduld (oder Resignation?). Wir haben uns auf jeden Fall lange immer wieder das gleiche angehört, in tief bayrischem Akzent. Irgendwann fing die Dame auch das Singen an, als sie sich auf Grund der Klaviermusik, die live gespielt wurde, an ein Lied erinnerte. Interessant war, dass sie zwischendurch sogar sagte, dass sie so laut spricht, weil sie nichts hört, sich dessen also sogar bewusst ist. Nun ja, anfangs hat es mich genervt, doch dann trug es wunderbar zur Belustigung bei, während wir unser hervorragendes Drei Gänge Menü verspeisten. Der Cocktail war übrigens leider nur ein Hugo, wenn auch ein frisch zubereiteter. Ich habe noch nie so viel Prosecco an einem Tag getrunken!

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Nach dem Essen war es bereits kurz vor 21 Uhr, so dass wir uns etwas beeilten, um noch eine Stunde in der Hotelsauna zu genießen. Dort waren wir anfangs verwundert, weil alles dunkel war, und deswegen liefen wir auch erst mal an der Sauna vorbei. Wir fanden sie aber letztendlich und stellten fest, dass sie sowohl geöffnet als auch heiß war. Vom Schwitzraum aus hatten wir Blick auf die Zugspitze, allerdings war es schon so stockdunkel, dass man dort nur das Licht einer Alm erkennen konnte. Zwischen den Saunagängen genossen wir Tee und Wasser und nach der Sauna ging es absolut entspannt ins Bett unter die dicken Bettdecken.

Am nächsten Morgen fing ich die letzten Sonnenstrahlen ein:

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Mit diesem schönen Blick aufzuwachen ist traumhaft. Könnte ich mich dran gewöhnen und vielleicht sogar dauerhaft haben wollen. Wobei es viele Blicke gibt, an die ich mich gewöhnen könnte.

Das Frühstücksbuffet war hervorragend, das frisch zubereitete Omelett ebenso lecker wie die verschiedenen deftigen und süßen Angebote. Hier merkt man dann doch einen deutlichen Unterschied auf Grund des Hotelstandards. Hat mir sehr gut gefallen! Am Tisch nebenan saß übrigens die Dame vom Vorabend, die zu ihrer Breze unmöglich Kaffee trinken konnte, aber gewillt war, es mit Tee zu probieren, Kamille!

Nach dem Frühstück wollten wir zur Zugspitze und konnten uns nicht entscheiden, was wir lieber wollten oder ob wir Alpspitze und Zugspitze schaffen würden. Wir fragten an der Rezeption mal nach, was Einheimische so meinen und erfahren, dass die Bahn zur Alpspitze momentan außer Betrieb ist und erst im Mai wieder öffnet. Der Genusswanderweg, den wir eigentlich geplant hatten, fiel somit der noch nicht vorhandenen Sommersaison um Opfer. Nun haben wir also einen Grund, wieder nach Garmisch zu kommen.

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Resultat daraus war, dass wir direkt zur Zugspitze fuhren, die Tickets für die Bahn bereits im Hotel gekauft. Die Parkplätze waren kostenfrei und wir liefen zwischen Skifahrern und Wanderern zur Gondel. Dabei wurden wir noch von einem Radiosender interviewt, warum wir nicht Skifahren. Nun, weil wir es nicht können. Ich möchte gerne Snowboarden lernen, aber irgendwie war das bisher nicht wichtig genug, um es auch wirklich zu tun. Außerdem musste ich leider feststellen, dass ich meine Jacke nicht wie gedacht im Auto liegen habe sondern in Nürnberg. Nun ja, so kalt ist es ja nicht.

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Wir steigen also in die Seilbahn. Wir sehen eigentlich nicht, wo die Bahn entlang geht, denn man kann nur zwei Stützpfosten erkennen. Entgegen meiner Erwartungen ging es ab dem zweiten Pfosten unglaublich steil direkt am Felsen entlang.

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Auch der Ausblick nach unten auf den Eibsee war fantastisch. Das würde ich auch gerne mal bei Sonnenschein türkis leuchten sehen. Andeutungsweise war es auch bei diesem Wetter erkennbar.

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Als wir oben aussteigen wird es doch ein wenig frisch. Kein Wunder, denn es hat -8 Grad, wie wir bei einem Blick auf die Wetteranzeige feststellen. Ich halte es aber schon eine Weile aus.

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Der Ausblick von oben ist auch bei Wolken und Nebel gigantisch.

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Auf den Infotafeln erkennen wir, welcher Berg welcher ist. Vorausgesetzt ich traue mich so weit nach vorne, dass ich auf den Tafeln lesen kann. Denn die Höhe ist nicht so meines. Zwischendurch kriege ich es einigermaßen gebacken, aber die meiste Zeit halte ich gebührend Abstand.

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Carina hat kein Problem mit dem Abgrund und lehnt sich munter an das Gitter. Mir wird schlecht als ich das sehe und ich bekomme die Krise. Natürlich weiß ich, dass sie nicht runterfallen wird. Aber ich kann es einfach nicht sehen.

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Wir bewegen uns rund um die Station und knipsen munter Bilder. Ein mal schaffe ich es sogar bis an das Gitter, wenn auch mit Herzrasen und Luftanhalten.

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Als mir dann kalt wurde und wir einmal rundherum sind, schauen wir wieder nach innen. Es gibt ein Restaurant und eine Panorama Lounge und einen kleinen Shop. Wir entscheiden uns für die Lounge, das Panorama 2962. Dort gibt es leckeren Rhabarberkuchen und das eigentlich absolute Muss in den Bergen: Almdudler.

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Wir genießen mit Blick auf die Zugspitze und beobachten zwei Raben, die zwischen Gastronomie und Fels hin und her fliegen. Raben habe ich hier wirklich nicht erwartet. Einen Adler fand ich leider nicht. Wobei ich auch den in der Nähe von Menschenmengen nicht wirklich erwartet habe. Dann fing es plötzlich an zu schneien. Das gefiel uns weniger, aber so lange man im Warmen sitzt ist es auch unproblematisch. Doch dann sollte es wieder nach unten gehen. Wir entschieden uns für eine Rückfahrt per Seilbahn. Auf der Fahrt nach unten kamen wir auf die Idee, dass es auch toll wäre, nochmal mit der Zahnradbahn zu fahren. Leider wussten wir nicht, dass wir dies nun nicht mehr tun können oder eben nochmal zahlen müssen. Nochmal 41,50 pro Person, nur um mit der Zahnradbahn zu fahren? Nein. Danke.

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Weil uns der Eibsee von oben so gefallen hat und uns auch empfohlen wurde, wollten wir noch ein wenig um den See spazieren. Weit kamen wir allerdings nicht.

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Wir machten einen ersten Fotostop gleich am Beginn des Sees und liefen direkt am Wasser entlang. Carina weihte übrigens ihre neuen Wanderschuhe ein und ich wusste ja bereits, dass meine wasserfest sind und stieg auch einfach mal ein bisschen in den See. Wettertechnisch wurde es immer düsterer, und schon nach wenigen Metern begann es zu regnen.

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Da wir kleidungstechnisch nicht für Regen ausgestattet waren und Spazieren im Regen auch nur bei warmen Temperaturen schön ist, machten wir uns dann wieder auf den Weg zum Auto.

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Was tun wir nun mit einem halben Tag im Regen? Dank Kurkarte hatten wir noch einige Möglichkeiten und entschieden uns für das Alpspitzbad, welches wir kostenlos besuchen konnten. Dort kamen wir pünktlich zu den Wellen ins Becken. Es wurde munter Wasser rausgepumpt und dann geschah eine Weile nichts, bis eine Durchsage kam, dass man aus technischen Gründen leider gerade keine Wellen starten könne. Da mir inzwischen auch kalt war, wollten wir in ein wärmeres Becken. Der Whirlpool außen war zwar laut Schild heiß, doch man musste an einem Drehkreuz einen Euro zahlen. Ich laufe aber doch nicht wegen eines Whirlpools nochmal zurück zu den Umkleiden und hole Kleingeld. Also schmissen wir uns ins Bewegungsbecken und ließen uns ein wenig von Wasserstrählen massieren. Als es dort dann auch frisch wurde, entschieden wir uns dafür, das Bad wieder zu verlassen.

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Wir kehrten ins Hotel zurück, machten uns frisch und entschieden uns, im Gasthof gegenüber des Hotels – dem Werdenfelser Hof  – so richtig zünftig essen zu gehen. Es gab Sauerbraten mit Kloß und Allgäuer Pilzpfanne mit Semmelknödel. Zum Nachtisch gab es Palatschinken mit frischen Erdbeeren – ein Gaumenschmaus!

Im Anschluss machten wir uns einen gemütlichen Abend im Bett und nutzten tatsächlich den Fernseher im Zimmer. Das Dschungelbuch lief.

Am nächsten Morgen kämpfte die Sonne intensiv gegen die Wolken, was auch sehr interessante Ausblicke erschuf.

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Wir genossen unsere Aussicht und verließen sie fast ungern in Richtung Frühstücksbuffet. Dort gab es heute sogar Prosecco zum Frühstück. Viel toller jedoch waren die Pancakes und das Omelette.  Bemerkenswert war, dass es heute so voll im Raum war, dass wir in den Nebenraum auswichen. Was uns dadurch entging war die nette ältere Dame mit dem Hörgerät und der lauten Stimme. Wie schade.

Nach dem Frühstück wurde gemütlich gepackt, ausgecheckt und dann sollte es zurück gehen. Auf dem Weg entschieden wir uns jedoch spontan dazu, noch eine Freundin in Regensburg zu besuchen. Gemeinsam mit ihr fuhren wir dann in die Kaisertherme in Bad Abbach. So besuchten wir an diesem Tag Oberbayern, die Oberpfalz, Niederbayern und als wir wieder zuhause waren auch Mittelfranken. Der Thermenaufenthalt war ein perfekter Nachmittag und wahnsinnig entspannend.

Am frühen Abend kamen wir wieder in Nürnberg an und dann ging es auch direkt wieder los, schließlich hatten wir Konzertkarten! Ein Besuch in der Meistersingerhalle rundete unseren Trip ab.

Alles in Allem absolut perfekte Tage!

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