Indian Railways

26. Januar 2014
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Heute gibt es von mir eine kleine Anleitung zum Aufregen und Umdisponieren und Lösungen finden, spontan und flexibel sein und Geduld haben. Man kann es auch schlicht „Indian Railways“ nennen.

Alles fängt damit an, dass es Zeit ist, Gokarna zu verlassen. Bleiben wäre viel schöner, aber irgendwie gehen heute ja alle und dann wäre es auch nicht mehr das gleiche. Gleich an dieser Stelle sei gesagt:
Daniel, Martin, Derk, Alex, Franzi… I am already missing you!!!

Die bestellte Rickshaw hält gleich hinter dem Hotel, kam über einen nicht wirklich tauglichen Weg. Dementsprechend fühlt sich auch die Fahrt an, das war fast besser als Jeep fahren an den Dudhsagar Falls. Wahnsinn. Absolut pünktlich kommen wir an der Gokarna Road Stadion etwas außerhalb an und dann gehts erst mal an den Ticket Counter.

Das Ziel heisst Udupi. Wie, Udupi gibts nicht? Klar gibts das. Man zeige dem Kartenmann die Landkarte und er schüttelt den Kopf. Da fährt nichts hin. Es geht jetzt nur ein Zug nach Mangalore. So zur Erklärung für geografisch Unbegabte: Mangalore liegt ca 60 Kilometer hinter Udupi am gleichen Bahngleis und ich hatte bereits vorher in Erfahrung gebracht, dass eben jener Zug nach Mangalore auch in Udupi hält. Nein, Udupi gibts nicht. Also wird eben das Ticket nach Mangalore gekauft, bei den Bahnpreisen ist das auch kein Beinbruch. Das kann man mal allgemein sagen, Bahnreisen ist spottbillig. Einziges Plus der Indischen Bahn!!!

Rein in den Zug, 2nd Class. Das ist ja was. Die ersten zwei Haltestellen werden stehend angefahren, dann werden Plätze frei. Schon nach wenigen Minuten tut dann der Arsch weh, das ist ja echt unglaublich unbequem. Ich würde das eher als 5th Class oder so bezeichnen. Menschen liegen auf Gepäckablagen und stehen überall. Das mit dem Dach ist ein Mythos. Zumindest hier.

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Nun gut, dann fährt also der Zug und fährt und fährt. Auf der Karte im Lonely Planet kann man den Weg einigermaßen verfolgen. Also, man kommt hier ja gar nicht voran. Dann ist es endlich so weit, mit dem Sonnenuntergang erreicht der Zug Udupi und hält sage und schreibe an. Eigentlich wollte ich hier unbedingt hin, doch irgendwie sagt mir mein Gefühl, dass sitzen bleiben und bis Mangalore fahren besser ist. Begründen kann ich das nicht, aber ich höre auf mein Gefühl. Bis Mangalore sind es ja nur noch 60 Kilometer, kein großer Act mehr.

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Denkste. Zweieinhalb Stunden später trifft der Zug in Mangalore ein!!! Das Problem ist gar nicht das Fahren, das geht schnell genug. Aber das Halten ist unglaublich. An jeder Popelhaltestelle steht der Zug mindestens fünf Minuten. Der laengste Halt war fast 30 Minuten lang. Unglaublich. 

Ein paar Schritte weiter laufen zwei Backpacker. Also etwas schneller machen und die Beiden einholen. Wo wollt ihr hin, und so weiter. Die beiden wollen eigentlich nach Cochin, aber das geht heute nicht mehr, also müssen sie in Mangalore bleiben. Also alle ab in ein Taxi und ein Lonely Planet Hotel angefahren, dass sich selbst als Luxushotel schimpft. Luxus kann ich keinen finden, aber es ist sauber. Nach einer Dusche gehen wir gemeinsam was essen, was gar nicht so einfach ist. Mangalore hat nämlich noch weniger zu bieten als Mapusa. Alle Rolläden sind unten, es dauert eine Weile, bis wir noch ein Restaurant finden, das zwar gerade am Schließen ist, uns dann aber noch bedient. Das Restaurant bietet ein relativ geschmackloses Biryani, dass durch guten Raita doch okay ist.
Am nächsten Morgen bietet Mangalore genauso viel wie am Abend zuvor: geschlossene Rolläden und kein Ticket nach Cochin. Mangalore ist die größte Stadt der Region, ich weiß gar nicht, wie das funktionieren soll, wenn alles immer geschlossen hat. Wenn es schon nicht nach Cochin geht, dann doch wenigstens in die Richtung, ab nach Kannur.
Sleeper wäre nett, oder noch besser AC 3 oder AC2. Das gibt es, aber das Ticket hierfür kann man nicht am Schalter kaufen, man muss ins Reservierungsbüro. Also bis zum Ende von Bahnhof gelatscht. Dort Formblätter ausgefüllt und nach einer halben Stunde warten kam dann die Antwort, dass man nicht reservieren kann, weil der Zug ja gleich fährt. Ein Ticket kann man nur vorne am Counter kaufen. Argh. Okay, zurücklatschen und ein  Ticket kaufen. Sleeper bitte! Geht nicht. Oh man, okay, dann eben 2nd Class.
Die Fahrt ist gar nicht so lang, nur gut zwei Stunden. Dann eben ab nach Kannur, soll ja auch gar nicht so schlecht sein. Am Abend wäre dann ein Sleeper Bus oder sowas nicht schlecht. Denn am Bahnhof bekomme ich die Auskunft, dass es keine Züge nach Cochin gibt, was mich sehr verwundert. Cochin ist schließlich Knotenpunkt und Flughafenort. Auf dem Weg in die Stadt sehe ich dann eine Travel Agency und frage einfach mal nach, was es denn für Optionen gibt, um nach Cochin zu kommen. Die Antwort ist, dass um 13.25 Uhr ein Schnellzug nach Ernakulum geht, das ist direkt neben Cochin und nur durch eine Brücke oder Fährüberfahrt getrennt. Ein bisschen Nürnberg und Fürth in Indien. Kann man für diesen Zug AC 2 oder AC3 haben (zur Erklärung…. AC ist Air Conditioned. Und 3Tier hat 3 Betten übereinander und 2 Tier zwei Betten übereinander). Nein, das geht nicht, aber Sleeper ist möglich. Das ist ein unreservierter Bereich, zumindest tagsüber. Also Sleeperticket, immer noch spottbillig. Für die noch fälligen 300 Kilometer im vergleichsweise ICE legt man 3 Euro hin. Und da ist die Agencygebühr schon inklusive. In Ernakulam kommt der Zug um 17.30 Uhr an. Wurde gesagt.
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Also schnell Frühstück an einem Straßenstand geholt (demnach bietet Kannur deutlich mehr als Mangalore), dafür 19 Rupien gezahlt. Lecker, aber so sauscharf, dass danach ne halbe Flasche Cola geleert wird, um den Mund halbwegs zu retten. Zurück zum Bahnhof und in den Waiting Room, es ist nur noch ne halbe Stunde. Dann ans Gleis. An welches? Der Zug ist nicht angeschrieben. Also die Information gefragt, Platform 3 soll es ein. Hierfür muss man den ganzen Bahnsteig entlang laufen und dann über eine Brücke zur Platform 3. Dort steht ein Zug und ich frage vorsichtshalber nochmal nach. Nein, das ist nicht der Zug nach Ernakulum. Der fährt auf Platform 1 und dieser Zug hier bleibt bis Mittag stehen. Zurück zur Platform 1 und dort nochmal am Infocounter gefragt. Als ich erzähle, was an Platform 3 gesagt wurde, bekommt der Infocountermann deutlich sichtbare Fragezeichen in den Augen. So ein Blödsinn sagt er. Platform 3 stimmt ganz sicher, der Zug ist aber noch nicht da und fahrt um 13.25 ein. Also wieder den ganzen Bahnsteig entlang und über die Brücke. Immerhin kommt da dann wirklich der Zug an, nachdem der dort Stehende ca zwei Minuten vorher leer weg fährt. Im Sleeper Platz zu finden ist relativ einfach und deutlich bequemer. Zwar ging die 2nd-Fahrt heute einigermaßen, aber wenn man zwei Tage lang im Zug sitzt, darf es ruhig etwas bequemer sein. Also ab nach Ernakulum! Auf dem Weg gibt es noch ganz nette Gespräche mit etwas älteren Indern. Dann ist es 17.30 Uhr und der Zug fährt in einen Bahnhof ein. Das ist aber Thrissur. Entfernung zu Ernakulum: ca 50 Kilometer. Oh nein! Gestern hat der Zug für ungefähr die gleiche Strecke gefühlte Jahre gebraucht. Nein, bitte nicht schon wieder…. nun gut, er ist dann doch schneller. Als es gerade noch so dämmert fährt der Zug in Ernakulum Junction ein. Schnell nochmal Lonely Planet checken, dann ne Rickshaw und ab in ein Hotel. Ernakulum und Cochin sind ziemlich teuer… aber im Vergleich zu Deutschland immer noch nichts….

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Nun ja, so viel zu meinen Tagen mit Indian Railways. Die sind nun ja glücklicherweise vorbei.  Auf dem Fahrtweg sehe ich wahnsinnig viel grün. Kerala ist Indiens grünster Bundesstaat. Wir fahren an einigen Palmenplantagen vorbei, hauptsächlich Kokosnuss. Auch die Backwaters kann ich vom Zug schon ein wenig sehen und mir vorstellen. Wenn alles glatt läuft gehts da morgen aber mit dem Boot hin. We will see 🙂

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