Ist Duisburg auch im Pott?

7. Dezember 2014
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Etwas sehr früh kamen wir am Stadion des MSV Duisburg an, und es lag wohl dummerweise doch weiter außerhalb, als ich das beim Blick auf Google Maps vermutet hatte. Also nicht noch vorher die Zeit vertreiben in der City, sondern gegen die Kälte kämpfen im Fanshop. Ich hole mir dort meinen obligatorischen Pin, den ich bei jedem Stadionbesuch ergattere. Zumindest sofern es welche gibt oder/und man mich versteht. In Frankreich wusste man nämlich so gar nicht, was ich wollte, alswir nach einem Pin fragten und auch als wir erklärten was ein Pin ist. Und auch im Onlineshop finde ich dort keinen Pin. In Deutschland ist das aber üblich, und beim MSV habe ich zwei zur Auswahl und entscheide mich für den Pin, bei dem das Wappen in den Vereinsfarben blau und weiß gehalten ist anstatt des einfarbigen platinfarbenen Pins. Der MSV Duisburg hat ein für einen deutschen Verein sehr ungewöhnliches Tier im Wappen, nämlich ein Zebra. Daher auch der Spitzname des Teams „Die Zebras“.

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Wir sitzen diesmal hinter dem Tor, auf der Seite der Eingefleischten. Das ist insofern ein bisschen schade, dass ich dadurch die Choreografie, die sich die Fans ausgedacht haben nur bedingt sehen und ablichten kann. Während des Spiels wäre es hier ganz nett, wenn wir nicht solche Vollidioten neben uns sitzen hätten. Die Stimmung ist gut, aber warum diese Kasper zum Fußball gehen ist mir völlig unklar. Einer geht Bier holen, der zweite läuft hinterher. Beide kommen wieder. Zwei Minuten später gehen beide wieder. Fünf Minuten später kommen sie wieder. Fünf Minuten später gehen sie wieder. Und jedes Mal an uns vorbei, also jedes Mal aufstehen und durchlassen. Echt nervig! Ich habe nicht gezählt, aber ich schätze, dass sie in der ersten Halbzeit ungefähr fünfzehn Mal an uns vorbei wollten. Wenn es mich nicht interessiert, dann geh ich halt nicht hin, finde ich.

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In der Halbzeitpause wechselten wir dann sie Sitze, liefen innerhalb der Blöcke auf die lange Seite des Spielfelds und ließen uns dort nieder. Wir hatten in der ersten Hälfte gesehen, dass die Blöcke dort relativ leer waren. Das klingt jetzt nach mauer Stimmung, aber dem war nicht so. Hier finden 31500 Zuschauer Platz, und das ist einfach ein bisschen zu viel für die Dritte Liga, so war die Arena mit 10203 Zuschauern nur zu einem Drittel gefüllt. Dieses Drittel aber machte richtig Rabatz!  Der MSV Duisburg war Ende der letzten Saison praktisch tot. Ein dahin dümpelnder Zweitligist, der finanziell so angeschlagen war, dass ihm die Lizenz verweigert wurde und beinahe auch ganz die Lichter ausgegangen wären. Mit einem Schulterschluss aus regionaler Wirtschaft, Verein und Fans wurde der Verein zumindest gerettet und tritt nun nach dem Zwangsabstieg in der Dritten Liga an. Immer noch stark finanziell angeschlagen, doch so eine Sanierung dauert eben seine Zeit. An einem Tag sorgten die Fans des MSV für einen Umsatz von 100000 Euro im Fanshop, eine wirklich großartige Zahl. Und irgendwie scheint in Duisburg das Fanleben zurückgekehrt zu sein seit jener Zitterpartie.

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Das Spiel selbst ist auf einem guten Niveau. Man spielt gegen einen Mitaufstiegsfavoriten, den SV Wehen Wiesbaden. Von Anfang an ist es ein Schlagabtausch. Irgendwann zu Beginn der zweiten Halbzeit sage ich „ich möchte jetzt noch drei Tore sehen, eins für Wiesbaden und zwei für Duisburg“. Kurz darauf trifft Duisburg zur Führung, und dann gleicht Wehen wieder aus. Ich sage zu Carina „siehst du, die hören auf mich“ und sie widerspricht natürlich „na da fehlt aber noch ein Tor von Duisburg“. „Jaja, das kommt schon noch, wirst du schon sehen“ sage ich. Es sind aber leider nur noch ungefähr fünf Minuten zu spielen, als ich das sage. Kurz darauf macht Duisburg den Führungs- und somit Siegtreffer. Herrlich! Auch an diesem Fußballtag haben wir wieder fünf Tore gesehen.

Nach dem Spiel fahren wir direkt in die Stadt. Unsere Unterkunft ist das Wyndham Duisburger Hof, ein ehemaliges Steigenberger. Es liegt mitten in der Stadt, direkt gegenüber der Oper, mitten in der Innenstadt. Wenn ich mir die Fotos so ansehe, die das Wyndham online so anbietet, dann staune ich echt nicht schlecht. Vor Allem, wenn ich es mit der Wirklichkeit vergleiche. Also gleich mal vorab: Das Hotel war nicht schlecht. Aber auf allen Bildern sieht es um ein vielfaches lichtdurchfluteter aus. Es ist in Wahrheit nämlich ein ziemlich düsterer Schuppen mit dem dunklen Holz an der Rezeption, dem dunklen Boden und dem relativ dunklen Marmorvertäfelungen, die ihre besten Tage bereits hinter sich haben. Vor der Buchung wusste ich nicht, dass es sich hier um ein ehemaliges Steigenberger handelt, und Wyndham ist ja auch nicht unbedingt der schlechteste Name. Es war sauber und ordentlich, das Personal war freundlich und das Zimmer war völlig in Ordnung. Aber es hatte dann irgendwie den Charme der 70er Jahre mit seinem Mobiliar.

Wir genossen unser großes Zimmer und vor Allem das große Bad aber sehr. Carina wärmte sich erst mal in der Badewanne auf, während ich noch kurz loszog, ein paar Besorgungen zu erledigen. Dabei stellte ich fest, wie genial die Lage des Hotels war, noch dazu direkt am Weihnachtsmarkt. Leider habe ich die blaue Stunde wohl knapp verpasst, das wäre noch viel besser gewesen. Nach meiner Rückkehr ins Hotel legte auch ich mich erst mal in die Wanne, und so war ich wieder aufgewärmt und frisch.

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Eigentlich wollten wir am Abend den Landschaftspark in Duisburg besuchen, der uns wärmstens empfohlen wurde. Doch nachdem wir froh waren, das Auto endlich abgestellt zu haben ohne Abschleppgefahr (eine Anwohnerin erklärte uns, dass in Duisburg auch ganz gerne abgeschleppt wird am Wochenende, wenn man auf Anwohnerplätzen steht) in einem Parkhaus, bei dem wir erst vor der Schranke warten und dann doch einige Zeit kurven mussten, bis wir einen Stellplatz hatten) und auch am Nachmittag schon wirklich durchgefroren waren, revidierten wir unsere Pläne. Der Landschaftspark muss noch auf uns warten, oder wir auf ihn. Für heute Abend wollten wir noch Essen gehen und auf den Weihnachtsmarkt.

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Die ganze Woche hatten wir ja schon Burger essen geplant und dabei irgendwie immer versagt. Neben unserem Hotel hatte ich aber ein Planet Hollywood entdeckt, wie gerufen! Also dort gerade noch so einen Tisch ergattert. Es wurden Cocktails bestellt. Wollen wir die in Jumbo für zwei Euro mehr? Ja natürlich wollen wir das. Unsere Gläser sind rießig und der Inhalt absolut lecker. Carina hatte die Titanic und ich spielte mit Hellboy. Originelle Namen für Cocktails!

Unsere Burgerwahl war auch recht schnell gefällt. Ich überlegte hin und her zwischen dem Avocado-Burger mit Avocadostreifen und Guacamole und dem Swiss-Burger mit Zwiebeln und Käse und entschied mich dann für die Avocadoversion. Carina hatte einen Burger mit Bacon, karamellisierten Zwiebeln und Barbecuesauce. Beide schmeckten gut. Ich weiß nicht, ob Planet Hollywood Paddys verwendet, es wirkte aber nicht so, zumal der Burger medium war.

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Vom Planet Hollywood zum Weihnachtsmarkt waren es nur ein paar Schritte. Der Markt war für uns überraschend groß. Da der Cocktail ja noch nicht genug war gönnten wir uns nach einem Bummel bis zum Ende mit Riesenrad und einer Pause an der Eisfläche noch eine Feuerzangenbowle und kehrten danach glücklich ins Hotel zurück.

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Am nächsten Morgen war es gar nicht so einfach, Frühstück zu bekommen Wir hätten im Hotel frühstücken können, für 18 Euro pro Person – in unseren Augen unangemessen für das, was wir konsumieren würden. Also suchten wir ein Café und fanden irgendwie erst mal nichts. Dann hatten wir doch noch Glück bei einem großen Bäcker, bei dem es Milchkaffee und frisches Rührei gab. So konnten wir uns gestärkt auf den Heimweg machen.

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