Hamburger Phantome

29. Januar 2014
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Bereits vor einiger Zeit sah ich in einem Newsletter, dass das Phantom der Oper nach Hamburg zurück kehren würde. Vor vielen Jahren war ich einmal recht phantominfiziert, und auch heute kann ich die englische Version noch auswendig mitsingen. Da ich in letzter Zeit ein wenig auf den Musicalgeschmack gekommen bin war sofort klar: da muss ich hin. Bei einem gemeinsamen Beisammensein im September erzählte ich meinen Eltern von diesem Plan und sie schlossen sich spontan an, so dass wir direkt drei Tickets bestellten und ein Hotel buchten. Der erste mögliche gemeinsame Reisezeitraum waren die Tage nach Weihnachten. So frühzeitig habe ich schon lange nichts mehr gebucht! Die Wahl des Hotels fiel auf das Design And Style Hotel, welches auf den Bildern sehr chic und sauber aussah und recht günstig war und noch dazu mit perfekter Lage in der City aufwarten konnte. Die Musicaltickets waren teurer als das Hotel, wir entschieden uns nämlich für eine bessere Kategorie. „Wenn man sowas schon mal macht, dann gleich richtig“, lautete die von meinem Vater ausgegebene Devise.

Zwischen Buchung und Reise war ich noch zwei Mal in London, so dass Hamburg ein wenig in den Hintergrund rückte. Die wirkliche Vorfreude kam erst ein paar Tage vorher. An Weihnachten stellten wir uns die Klamottenfrage und entschieden uns für klassisch elegant. So, wie bekomme ich nun einen Hosenanzug in meinem Backpack nach Hamburg, ohne dass er zerknittert? Nun, ich nehme den großen Backpack und falte den Anzug, lege ihn locker alleine in das große Fach. Vorweg: beim Anzug hats funktioniert, faltenfrei. Die Bluse war jedoch ganz schön mitgenommen.
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Am 26. Dezember machte ich mich dann früh gegen 8 Uhr (so gar nicht meine Zeit) auf den Weg und fuhr meinen Eltern ein Stück mit der U-Bahn entgegen, in Fürth stieg ich dann ins Auto ein. Bis zu einer Baustelle schon recht weit im Norden kamen wir gut durch. Wir hofften, dem hässlichen fränkischen Wetter zu entfliehen. Aber egal wie beschissen das Wetter ist, es geht immer noch schlimmer, und zwar in Kassel. Wann auch immer ich dort vorbei fahre, es regnet oder schneeregnet oder hagelt. Wie hält man es nur aus, dort zu wohnen?

dashotelLeider wurde es wettertechnisch auch im Norden nicht besser. Nichtsdestotrotz ließen wir uns den Abend nicht vom Regenwetter versauen. Zunächst checkten wir in unser Hotel ein, welches sich als gute Wahl herausstellte. Mein Einzelzimmer war identisch zum Doppelzimmer meiner Eltern, also Doppelzimmer in Einzelbelegung. Mit der Ausstattung und dem Design sowie besonders der Sauberkeit konnte man echt zufrieden sein. Am zweiten Tag stellte ich fest, dass sogar die Fingerabdrücke von der glänzenden Toilettenspülung entfernt worden waren. Top!

Das Hotel liegt mitten in St.Georg – der Stadtteil, der auch den Hauptbahnhof beherbergt sowie einige Regenbogenlokalitäten. In der Nähe des Hotels liegt ebenfalls die Außenalster, es sind nur wenige Schritte bis dahin. Ich habe vor einigen Jahren dort in einem Restaurant gearbeitet und habe die Nähe zum Wasser immer genossen, auch wenn es ein Knochenjob war. Auch an diesem Tag sollte also noch die Alster auf dem Programm stehen.
Vorbei auf meinen alten Wegen am AK St. Georg versetze ich mich ein bisschen in die Vergangenheit und bin dann doch froh, nicht gleich in der Küche stehen zu müssen sondern die Aussicht auf die Alster bei bereits starker Dämmerung zu genießen, mit all den Lichtern.
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Hunger hatten wir allerdings noch nicht, so dass wir erst mal weiter in Richtung Binnenalster marschierten. Dort fanden wir dann tatsächlich einen Weihnachtsmarkt. Bereits vorher las ich auf Hamburgs Facebookseite, dass einige Märkte noch länger geöffnet seien. So auch der weiße Markt an der Binnenalster. Inzwischen war es komplett dunkel, so dass nochmal eine ganz andere Stimmung aufkam. In Hamburg war jedenfalls noch Weihnachten.
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Und wenn wir nun schon an der Binnenalster sind, dann können wir auch noch am Rathaus vorbei, bevor wir uns irgendwo ein Restaurant suchen. Gesagt getan. In der Zwischenzeit wurde aus dem Nieseln ein Regen, so dass unsere Frisuren schon deutlich zerstört waren, aber wir sind ja nicht aus Zucker.
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Durch die Mönckebergstraße -die an einem Feiertag abends natürlich relativ wenig Reiz hat- ging es in Richtung Bahnhof und dort dann in eine recht einfache und doch einladende Gaststube, dem Bierhaus Nagel. Wir aßen typisch nordisch. Es gab Pannfisch und Grünkohl mit Kochwürsten. Die Gerichte und natürlich auch das Astra, ohnehin eines meiner liebsten Biere, mundeten vorzüglich. Unser Kellner wirkte recht typisch Hamburg, doch so kann man sich täuschen. Er fragte irgendwann woher wir denn kämen und als mein Vater sagte „Franken, Fürth“ antwortete er mit einem breit fränkischen „Allmächd“. So durften wir uns noch ein paar Anekdoten von Franken in Hamburg anhören. Anscheinend gibt es in Hamburg auch keine vernünftigen Friseure. Wie sonst ist es zu erklären, dass der gute Mann, der nun seit 24 Jahren in Hamburg ansässig ist, alle vier Wochen nach Fürth Burgfarrnbach zum Friseur fährt?
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Nach dem Essen waren wir wieder aufgewärmt, aber immer noch nass und nun waren wir ja doch eine ganz schöne Strecke gegangen, so dass wir uns für eine Rückkehr ins Hotel entschieden. Dort nahmen wir dann noch einen Drink an der Bar. Nachdem meine Mutter unsicher war, bestellte ich einfach zwei Cocktails und sie suchte sich dann den aus, der ihr besser schmeckte. Sie wählte einen Mojito mit Sprite an Stelle von Soda, meine Spezialbestellung, die spanische Variante. Gute Wahl!
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Am nächsten Morgen entschieden wir uns gegen das Frühstück im Hotel, was nicht im Preis inbegriffen war und für 9,50 Euro dazu gebucht werden hätte können. Für diesen Preis kann ich jedoch zwei mal frühstücken. So machten wir uns wieder auf in die Stadt und fanden einen Coffee Fellows, bei dem wir dann frühstückten, bevor es vom Bahnhof aus mit einem Tagesticket (immer noch die beste Variante in Hamburg) weiter ging.
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Unser Plan war es, durch den Elbtunnel zu gehen. Obwohl ich ein Dreivierteljahr in Hamburg gewohnt hatte und einige Male auch an den Landungsbrücken war, sowohl als Einwohner als auch als Tourist, hatte ich das noch nie gemacht. Wurde also allerhöchste Zeit. Es scheinen relativ wenige Touristen in Hamburg unterwegs zu sein, so war der Tunnel relativ leer. Dies gefiel mir natürlich besonders für Fotos gut. Ich testete immer mit Handy und digitaler Spiegelreflex, so dass ich mir schlimmer vorkam als eine japanische Touristenhorde. Die Unterschiede sind aber vor Allem farblich mehr als deutlich!
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Am anderen Ende des Tunnels ging es für uns natürlich auch nach oben, ein Blick auf die Landungsbrücken und auch auf die Skyline war ein absolutes Muss. Eigentlich dachte ich ja auch, die Elbphilharmonie sei nun endlich fertig, zumindest hatte ich von ersten Konzerten gehört. Draußen stehen allerdings immer noch einige Kräne dran, so dass der eigentlich geplante Gang dorthin dann vertagt wurde auf einen der nächsten Besuche, wenn sie eben tatsächlich fertig ist, falls sie das je wird. Der Ausblick war troztdem nicht von schlechten Eltern.
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Im Anschluss wollten wir nochmal auf einen der Märkte, doch irgendwie verlief sich dieser Plan dann im Sande. Zunächst musste nämlich eine Deutsche Bank gefunden werden, irgendwo hinter dem Rathaus war doch eine, oder? Ich überbrückte die Zeit mit einem Gang ins Rathaus – auch mein erstes Mal. Und das hat sich absolut gelohnt!

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Da herum laufen anstrengend ist, gab es dann zur Stärkung einen Kakao bzw Chai Latte bei Starbucks. Für meine Eltern der erste Besuch bei Starbucks, für mich Routine. Wir gingen auf zwei Mal, damit wir im recht vollen Laden Sitzplätze garantiert hatten. Leider traf ich dann auf die zwei unfähigsten Mitarbeiter von Starbucks, die ich je gesehen habe. Der erste war nicht in der Lage, Namen leserlich zu schreiben und noch weniger in der Lage, Dinge zu kassieren, die mit einer Starbucks Card bezahlt werden, so dass es dort schon zehn Minuten dauerte, bis ich endlich fertig war. Das Herausgeben der Getränke war auch nicht so einfach und dauerte noch länger als die zehn Minuten, die ich bereits an der Kasse gewartet hatte. Chai Latte für wen? Kann ich leider nicht lesen. Glücklicherweise bin ich ja in der Lage mir zu merken, was ich bestellt habe. Für meinen Vater war in dem Moment natürlich klar, dass ihm dieser Laden nicht gefällt. Die zweite Runde mit meiner Mutter war deutlich besser, ich wählte nämlich die andere Kasse und hatte das Glück, auch den anderen Befüller zu erwischen. Bezahlen problemlos, Name leserlich, Getränk schnell da. Nach einer kurzen Pause und dem geschmacklichen Genuss geht es weiter zum Shoppen in der Mönckebergstraße.

readyforphantomWeil Shoppen noch anstrengender ist als Herumlaufen, gehen wir danach ins Hotel zurück und ruhen ein wenig. Ich versuche zu schlafen, doch ich kann einfach nicht einschlafen. Todmüde und doch viel zu unruhig und wach. Irgendwann gebe ich auf uns versuche, meine Bluse wieder glatt zu bekommen. Es gibt im Hotel die Möglichkeit zu bügeln, doch das muss ich im Gepäckraum tun, und er ist gerade so voll mit Gepäck, dass man die Bügelstation nicht aufbauen kann. Also bitte, ein Bügeleisen und der Boden hätte mir auch gereicht. Ich bin kein Schickimickitourist. Aber was sollst, ich kriege es auch so einigermaßen hin und dann gehts ans Styling für den Abend.

Bevor wir das Theater Neue Flora besuchen geht es für uns noch zum Essen. Ich war dort vor einigen Jahren bereits in Dirty Dancing (schrecklich…..), und davor waren wir in einer sehr schönen Location direkt ums Eck des Theaters. Das wollten wir suchen.
Wir fanden es auch, auch wenn ich es nicht auf Anhieb erkannt hatte. Da wurde wohl ein klein wenig umdekoriert und ich meine auch vergrößert. Es heißt Anno 1905 und befindet sich vielleicht 200 Meter vom Theater entfernt. Das Ambiente ist im Stil der Jahrhundertwende gehalten, der zwischen 18 und 19 :-) Die Bedienung war sehr freundlich und der Wein gut. Das Essen war ebenfalls sehr lecker, allerdings mussten wir beinahe eine Stunde warten. Das empfinde ich als deutlich zu lange für Matjes mit Bratkartoffeln, Roastbeef mit Bratkartoffeln und Steak mit Bratkartoffeln, zumal mal zwei Gerichte davon einfach nur anrichten und nicht zubereiten muss. Kritik gab es lediglich am Matjes, den man im Norden deutlich zarter und grätenfreier bekommen kann. Mit zwiegespaltener Meinung machten wir uns dann auf den Weg zum Phantom, dem eigentlichen Grund der Reise.
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Unser Fazit über die Aufführung: Gigantisch! Die weibliche Hauptdarstellerin war ein Genuss, auch Raoul hervorragend. Das Phantom selbst manchmal ein wenig unsauber, allerdings nur für musikalische Ohren (davon haben wir Drei eben nun mal sechs) wirklich auffällig. Die Umsetzung des Stücks auf der Bühne sehr original und technisch genial gemacht. In der Pause nutzten wir die Gelegenheit, in den Orchestergraben zu blicken und stellten fest, dass dort nur ganz wenig Instrumente verteilt waren, der meiste Sound wurde durch Keyboards erzeugt, auch die Drums. Unsere Plätze waren sehr gut, relativ mittig und mit der neunten Reihe auch sehr nah an der Bühne. Eine absolut gelungene Aktion!
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Die Stücke des Musicals verfolgten uns noch den Rest des Abends, den wir erneut an der Hotelbar verbrachten. Prost!
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Am nächsten Tag ging es dann zum Frühstück nochmal in die Stadt, ins Wiener Café Wirth. Dort kostete das Frühstück zwar mehr als im Hotel, aber der Service war hervorragend (schnell und sehr freundlich, zuvorkommend), und lecker wars auch noch, bei sehr klassischem Ambiente. Ich wählte das Rührei mit Tomaten und Champignons und war vollauf zufrieden. Das Frühstück war sogar so schnell weg, dass ich nur noch einen leeren Tisch fotografieren konnte. Im Anschluss ging es dann bei freier Fahrt wieder in Richtung Heimat, wo wir am späten Nachmittag sicher wieder ankamen.

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